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Insa-Exklusiv: Wer nur der Mehrheit folgt, übersieht Wichtiges.

Hermann Binkert29.07.2022Medien, Politik

Die Forderung nach einer Vermögensteuer wird von fast zwei Drittel unserer Befragten (63 Prozent) geteilt. Jeder Fünfte (20 Prozent) spricht sich dagegen aus.

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Dieses klare Ergebnis liegt nicht an einer suggestiven oder ungenauen Fragestellung. Wir haben konkret die „Vermögensteuer“ abgefragt und sogar den Wert, ab wann sie greifen sollte – ab 1 Mio. Euro – genannt.

Dass das auch vergleichsweise geringes Immobilieneigentum, vererbte Kunstgegenstände oder Firmeneigentum treffen kann, war womöglich manchem Befragten nicht bewusst.

Zur Popularität einer solchen Forderung gehört wahrscheinlich, dass sie vergleichsweise wenige betrifft. Die Folgen, zum Beispiel der Zwang, eine Immobilie oder Kunst verkaufen zu müssen, weil man zu wenig flüssige Mittel hat, um die „Vermögensteuer“ entrichten zu können, werden nicht bedacht. Doch auch an anderer Stelle lauert Gefahr:

Fast jeder Dritte (31 Prozent) gibt an, dass es ihm aufgrund der Inflation schwer fällt, sich ausgewogen zu ernähren. Auf die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) trifft das hingegen nicht zu. 

Genauso wie ernst genommen werden muss, dass eine Vermögensteuer nicht zu einer schleichenden Enteignung führt, muss der Blick auf diejenigen gerichtet sein, denen die aktuelle und zukünftig absehbare wirtschaftliche und finanzielle Situation große Probleme bereitet.

Bei Umfragen wird häufig auf die Mehrheitsmeinung geschaut. Verantwortliche Politik und Medien, die ihren Auftrag ernst nehmen, sollten aber auch diejenigen nicht vergessen, die nicht der Mehrheit angehören. Lösungen, die jeweils nur den Vorstellungen und Bedürfnissen der Mehrheit entsprechen, sind nicht zwingend fair. Die Mehrheit hat nicht immer recht. Deshalb ist Demoskopie ein wichtiges Instrument, aber man darf sie nicht zum allein ausschlaggebenden Kriterium machen. Verantwortlich handeln heißt, das Ganze im Blick zu behandeln.

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