Insa-Exklusiv: So ticken die Deutschen | The European

Die Bedeutung der Familie wird unterschätzt

Hermann Binkert18.11.2022Medien, Politik

Wem die Stärkung der Familie ein Anliegen ist, hat oft das Gefühl, einen aussichtslosen Kampf zu führen. Und tatsächlich dominieren Schlagzeilen, die den Eindruck vermitteln, die klassische Familie sei ein Auslaufmodell. Das wahre Stimmungsbild der Bevölkerung sieht hingegen ganz anders aus. Hier steht die Familie sehr hoch im Kurs. Doch für die Familienpolitik gibt es schlechte Noten. Von Hermann Binkert

Allen Armstrong

Rund 70 Prozent aller Familienhaushalte in Deutschland sind so genannte traditionelle Familienhaushalte mit Mutter, Vater und Kind(ern). Und auch die Akzeptanz der „traditionellen Familie“ in der Gesamtbevölkerung ist hoch:

61 Prozent, der von uns im INSA-Meinungstrend repräsentativ Befragten, verbinden mit der „traditionellen Familie“ etwas Positives, 30 Prozent weder etwas Positives noch etwas Negatives und nur jeder Zwanzigste (5 Prozent) etwas Negatives. 

Die große INSA Familienstudie vom Frühjahr 2022 hat gezeigt, dass nicht nur das Einkommen, das Alter oder der Gesundheitszustand Einfluss auf die Zufriedenheit und das persönliche Glücksempfinden haben, sondern auch, wie die Befragten zum Thema Familie eingestellt sind: Diejenigen, die eine Familie gegründet haben oder dies planen, sind häufiger glücklich (70 zu 58 Prozent) und zufrieden (77 zu 62 Prozent) als jene Befragte, die nicht vorhaben, eine eigene Familie zu gründen. Diese Familien-Affinen fühlen sich auch seltener einsam (23 zu 30 Prozent) und haben bzw. hatten seltener Depressionen (24 zu 33 Prozent), was wiederum dazu passt, dass die Familie offenbar für viele Sicherheit und Schutz in unserer krisenbehafteten Zeit bietet:

Über zwei Drittel aller Befragten (68 Prozent) würden sich in einer Krisensituation nämlich am ehesten an die eigene Familie wenden.

So wichtig die Familie den Deutschen ist, so unzufrieden sind sie nach einer aktuellen Umfrage im INSA-Meinungstrend mit der Familienpolitik: Nur jeder Dritte (34 Prozent) findet, dass die Interessen von Familien in der deutschen Politik aktuell genügend berücksichtigt werden. Die überwiegende Mehrheit (53 Prozent) verneint dies hingegen. Fast drei Viertel der von uns Befragten (72 Prozent) sprechen sich außerdem dafür aus, dass Familienarbeit, also die Betreuung und Pflege von Familienmitgliedern staatlich gefördert werden, zum Beispiel mit einem Erziehungsgehalt.

Man sieht ein Defizit in der Wertschätzung von Familien – und damit ist nicht nur die finanzielle Unterstützung gemeint. Erforderlich wäre wohl ein kinderfreundliches Klima in der Gesellschaft und eine Orientierung am Kindeswohl – eine geistige Offensive zugunsten der Familie.

Sie darf nicht nur unter funktionalen Gesichtspunkten gesehen werden. Ihr kommt in Staat und Gesellschaft eine grundlegende Rolle zu. Nur starke Familie sind als kleinste Einheit einer subsidiären Ordnung ein gutes Fundament für eine erfolgreiche Gesellschaft. Mit dieser Einsicht ist die Bevölkerungsmehrheit meines Erachtens der Politik voraus.

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