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Die AfD profitiert von massiver Unzufriedenheit in der Bevölkerung

Hermann Binkert23.09.2022Medien, Politik

Vor seiner Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden hat Friedrich Merz versprochen, dass es mit ihm der CDU gelingen würde, AfD-Wähler zurückzugewinnen und die AfD zu halbieren. Das ist ihm – nachweislich aller Umfragen im Bund und in den Ländern – nicht gelungen. Die Union bleibt zwar bundesweit mit Abstand die stärkste Kraft und derzeit könnte ohne und gegen sie keine Regierung gebildet werden, aber die AfD ist so stark wie die letzten zweieinhalb Jahre nicht mehr. Von Hermann Binkert

Nahaufnahme eines nicht erkennbaren Geschäftsmanns mit unzufriedenem Gesicht, das ein negatives Zeichen zeigt, im Gegensatz zu Daumen nach unten, Ablehnungskonzept am Arbeitsplatz, Unterschrift nein, nicht genehmigt, unglücklicher Kunde, Shutterstock

Vor seiner Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden hat Friedrich Merz versprochen, dass es mit ihm der CDU gelingen würde, AfD-Wähler zurückzugewinnen und die AfD zu halbieren. Das ist ihm – nachweislich aller Umfragen im Bund und in den Ländern – nicht gelungen. Die Union bleibt zwar bundesweit mit Abstand die stärkste Kraft und derzeit könnte ohne und gegen sie keine Regierung gebildet werden, aber die AfD ist so stark wie die letzten zweieinhalb Jahre nicht mehr.

14 Prozent der Wähler würden sie bei einer Bundestagswahl aktuell wählen, weitere sechs Prozentpunkte kämen dazu, wenn sie ihr zusätzlich mögliches Potential ausschöpfen könnte. Das entspräche dann unterm Strich fast einer Verdoppelung des Bundestagswahlergebnisses. Eine Halbierung ist in derzeit demoskopisch sehr unwahrscheinlich.

Die neue Stärke der AfD geht einher mit einer Unzufriedenheit mit der aktuellen politischen Situation: 53 Prozent der Befragten sagen uns, sie seien noch nie so unzufrieden mit der politischen Situation gewesen wie aktuell. Nur bei jedem Vierten (26 Prozent) ist dies nicht der Fall – was aber nicht automatisch heißt, dass diese Befragten nicht auch unzufrieden wären. Dazu passt, dass zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) mit der Arbeit der aktuellen Bundesregierung unzufrieden sind. Und noch konkreter: Knapp sechs von zehn Befragten (59 Prozent) haben Angst, dass sie im Winter ihre Strom- und Gas Rechnungen nicht bezahlen können und nur jeder Sechste (16 Prozent) traut der Bundesregierung zu, das Problem der Wohnungsnot in Deutschland zu lösen.

Immer mehr Menschen kommen mit ihren Einkünften nicht mehr aus. Sie sorgen sich um die Sicherheit der Energieversorgung. Sie spüren die hohe Inflation. Schon vor zehn Jahren war es die Euro-Krise, die zur Veränderung der politischen Landschaft beitrug. Die aktuelle Situation ist dramatischer.

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