Als Sünder angesichts der Wohlfühlapokalpyse

Herbert Ammon24.06.2019Medien

Wir Kinder der Aufklärung leben befreit von Sündennot und Höllenangst, wenngleich trotz allerlei Exit-Programme noch keineswegs befreit von Tod und Todesangst.

Doch mit Umweltaktivismus, Urlaubsfreuden und Fitnesstraining gelingt es den von kontinuierlich steigender Lebenserwartung  beglückten  älteren Generationen, d.h. den  Alt-Achtundsechzigerrn und Post-Achtundsechzigern, das hässliche Bild des Sensenmannes aus dem Bewusstsein weitgehend fernzuhalten. Das gelingt am besten, wenn man sich auch als bereits älteres Semester für Greenpeace, Seawatch oder das ewig gleiche, grüne Kirchentagsprogramm  begeistert.

In dieser Melange der Empfindungen kommt im Gleichklang mit deutschen Schuldgefühlen  das schlechte Gewissen, das säkularisierte Sündenbewusstsein, wieder zur Geltung. Wieviel Plastik- und/oder Aluminiumumhüllungen habe ich heute beim Einkauf von Käse, Bio-Joghurt, dazu gar noch Schinken, in Kauf genommen? Auf dem Markt sind die Viktualien teurer, die Möhren werden aber  noch in Papiertüten verpackt. Warum fahre ich nach Usedom noch immer mit meinem Mittelklasse-Benziner statt mit einem brandneuen, hoch subventionierten, mit Lithium-Batterien bestückten VW-Tesla? Wie hoch ist mein täglicher Kommunikationsbedarf, wieviel Energie verbraucht der Akku meines mit Coltan gefertigten Smartphones?

Getragen von derlei seelischer  Grundstimmung überstehen die in der Leistungsgesellschaft überflüssigen Alten (=Senioren) sozialradikal-libertäre Attacken gegen ihre staatsfinanzierte Drohnenexistenz, vermeiden ungute Einsamkeitsgefühle und finden Anschluss bei der for future schulstreikenden Jugend. Die Jungen und die Alten, Politiker (f/m/n) und Pastoren (f/m/n), Kirchenleute und Kirchenfeinde, Kinderlose und Alleinerziehende vereint die Angst vor der für 2050 angekündigten Klimaapokalypse. Um sie noch abzuwenden, muss man a) sich engagieren b) richtig  wählen c) Opfer bringen.

Das soeben von Karin Göring-Eckardt, als unvollendete Theologin wissenschaftlich ausgewiesene Ökologin, vorgelegte 100-Milliarden-Programm zur deutschen Weltrettung und/oder zur Bewahrung der Schöpfung –  Deiche, offshore-Windparks, emissionsfreie Verkehrssysteme, Naturverschönerung durch Windmühlen usw.-  will finanziert sein. Auch die Bewahrung des Friedens – durch Modernisierung und Aufstockung der für weltweite peace enforcing missions zu europäisierenden Bundeswehr – wird am Ende mehr kosten als die von Trump – und der NATO-Führung – geforderten zwei Prozent des BIP. Im Hinblick auf die allseits herrschende Ungerechtigkeit und die Zukunft Afrikas sollte man auch wieder Enteignungskonzepte oder staatliche Schuldenexpansion in Betracht ziehen, auf jeden Fall jedoch CO2-Steuern erheben.

Wer sein Gewissen mit derlei Einsichten in die Notwendigkeit pflegt, gehört zu den Guten. In seinem Inneren amalgamiert die –  von der Mehrheit der Klimaforscher wissenschaftlich, von Papst Francesco mehr theologisch – vermittelte Angst vor der zum Glück erst auf 2050 angesetzten Apokalypse mit der Überzeugung, über höhere Moral zu verfügen als die Klimaskeptiker, erst recht die Klimaleugner. Ein besseres Gewissen zu haben, ist also keine Todsünde mehr, wie ehedem der Hochmut (superbia), sondern ein erlaubtes Wohlgefühl.

Wer – unter Verweis auf ausgebliebene Prophetien oder auf den jüngsten NASA-Bericht von den  wieder wachsenden Gletschern auf Grönland und in der Antarktis –  Zweifel an den Weltuntergangsszenarien hegt, verdient die Verachtung der Rechtgläubigen. Zu Recht begleitet ihn der Verdacht. Denn er gehört zu den Ungläubigen, er allein – nicht die gläubige Mehrheit –  ist ein Sünder gegen den Geist der Wahrheit. Am Ende handelt es sich gar um einen “klandestinen” AfD-Sympathisanten. Auf den Verdächtigen  – dies die Erfahrung der Geschichte – wartet die Guillotine. Immerhin hat auch ihm – sowie allgemein den verdächtigen, ungeliebten “Ossis” – jüngst der einstige “ostdeutsche” Pastor und vormalige Bundespräsident Joachim Gauck partielle Absolution erteilt.

Quelle: Herbert Ammon

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