Korrekturen in der "Zeitung für Deutschland"

Herbert Ammon1.02.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Die FAZ betreibt nach wie vor Eigenwerbung mit einem dem Leser (w/m/d/qu) schmeichelnden Cartoon samt Textzeile “Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”.

Einige kluge Köpfe fühlen sich davon offenbar nicht mehr angesprochen, denn der kontinuierliche Auflagenschwund der “Zeitung für Deutschland”  ist nicht allein mit dem Vordringen der digitalen Medien, dem Einbruch der Werbeanzeigen sowie der Expansion eines in den social media nörgelnden und ignoranten Publikums zu erklären. Jedenfalls häufen sich Kündigungen von Abonnenten, die sich der gegenüber Berlin politisch und geographisch distanzierteren NZZ zuwenden.

Meine Leseunlust angesichts der großkoalitionär affirmativen  Redaktionslinie reicht bis dato für eine Kündigung nicht aus. Selbst im Feuilleton sind zuweilen  lesenswerte, politisch nonkonforme Artikel zu finden. Mein gelegentlich aufwallender Ärger speist sich hauptsächlich aus ästhetischen Quellen. Dass nach Anpassung  an die verkorkste “Rechtschreibreform” die FAZ-Autoren (w/m) nicht mehr zwischen der Konjunktion (ehedem “daß”) und dem Artikel “das” unterscheiden können,  verursacht steten Ärger, nicht minder, dass in einigen Artikeln regelmäßig der einen oder anderen Persönlichkeit “Referenz” erwiesen wird. Da die FAZ Merkel, der CDU und den Grünen die Treue hält, ist der Niedergang der SPD für sie kein Thema. Schade. Es wäre interessant zu erfahren, ob daran etwa auch Ralf Stegners Umgang mit der “Ortographie”  auf Twitter zu tun haben könnte.

Die digitale Revolution hat in den Zeitungshäusern das alte, miteinander rivalisierende Dreigestirn Redakteur-Setzer-Korrektor zerstört. Erschwerend hinzu kommt der Generationenwechsel. Wo jugendlicher Optimismus, Klimabesorgnis und europäisch-postnationales  Bewusstsein zusammentreffen, kommt es auf historische Grundkenntnisse nicht mehr an. Unter der Überschrift “Die Südtiroler bleiben Italiener” – das Thema war die von Seiten Österreichs derzeit nicht mehr ventilierte Forderung nach doppelter Staatsangehörigkeit – schrieb die FAZ-Autorin Anna-Lena Ripperger, anno 1946 sei “mit dem Pariser Abkommen zwischen Deutschland und Italien…die Grundlage für Südtirols Autonomie” gelegt worden. (FAZ v. 17.01,2020, S.8). Heute ist in einer von zwei Korrekturen zu erfahren: “Das Südtirol-Abkommen wurde 1946 zwischen Österreich und Italien…” (FAZ. v. 22.01.2020, S.6) Eine Entschuldigungsfloskel hält die Redaktion bei der sich häufenden Anzahl von Korrekturen anscheinend nicht mehr für nötig.

Quelle: Herbert Ammon

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