Die Freiheit der Kunst ist ein hohes und nicht verhandelbares Gut. Michael Eissenhauer

Mediale Wachsamkeit im Kampf gegen Rechts

Rein moralisch betrachtet, sei das aus dem Rahmen demokratischer Kampfmittel gefallene Kantholz gegen den Kopf des AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz zu verurteilen, befand der politische Autor der Frankfurter Rundschau. So gehe das nicht, zudem gebe es „auch einen politischen Aspekt: Diese Tat wird niemandem mehr nutzen als der Partei des Opfers, der AfD.“

Damit mag der Kommentator recht haben, denn den Umfragen zufolge stagniert die einst so stolze Volkspartei SPD – aus evident politischen sowie personellen Gründen – bei ca. 15 Prozent, in bedenklicher Nähe zur AfD.

Die totschlägerische Attacke auf den Bremer MdB Magnitz steht derzeit als Thema in den Medien ganz oben. Entrüstung herrscht über das empfindsame Gemüter erschreckende Bild mit blutig klaffender Stirn. Der Bundespräsident, der Regierungssprecher, alle Parteiführungen fühlen sich verpflichtet, ihre Ablehnung politischer Gewalt zu bekunden. Immerhin: am unzweideutigsten – sprich: ohne relativierende Worte wie im obigen Kommentar – äußerte sich der „Linke“-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch: „Es gibt keine Rechtfertigung für ein solches Verbrechen.“

In anderer Tonart wird die Debatte über die Gewalttat gegen den „Rechten“ Magnitz – in Zeiten seines Pädagogiksudiums gehörte dieser für ein oder zwei Semester der DKP an – in den social media geführt. Dort tut man sich keinen Zwang an. Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund sowie Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales (sic!), verkündet auf Twitter ihr in West-Berlin als Migrantentochter eingeübtes politisches Credo: „Auch heute und jeden Tag gilt: #NazisRaus!" Veronika Kracher (kein nom de plume), Autorin bei taz und Jungle World, fasst ihre antifaschistische Reaktion auf das Attentat – ohne Rücksicht auf Interpunktion – in folgende Worte: „Dass Magnitz zusammengelazt (sic!, politischer Neologismus) wurde ist übrigens die konsequente Durchführung von #NazisRaus! Abhauen werden die nicht. Die werden sich bei der größten möglichen (sic!) Bedrohungssituation aber zweimal überlegen ob sie offen faschistische Politik machen. Deshalb: Mit ALLEN Mitteln.“

Grundsätzlich anders als Dietmar Bartsch kommentierte „Die Linke“ auf ihrem Twitter-Account die – noch unaufgeklärte, somit erst mutmaßlich politische – blutige Aktion: „Guten Morgen. Aus aktuellem Anlass posten wir einen unserer Plakat-Klassiker: #NazisRaus! Nazis raus aus den Köpfen“. Der „Klassiker“ zeigt Hinterköpfe mit ausrasierten SS-Runen. Damit ist dem klassischen, „linken“ , demokratisch einwandfreien Verhältnis zu Gewalt im Raum des Politischen moralisch Genüge getan.

An diesem klassischen „Linke“-Tweet nahm der Twitter-Aktivist Andreas Hallaschka – Selbstbeschreibung: Evangelisch. Leidenschaft für Kultur, Reisen, Fussball, Politik. Religionen, Bücher und klassisch gute Musik, Kassel und ידיד ישראל sowie 4696 Followers, 84 500 Tweets – Anstoß: „In #Bremen wird gestern dem Bundestagsabgeordneten #Magnitz von der #AfD mit einem Kantholz fast der Schädel gespalten. Der Tweet von @dieLinke heute Morgen ist vollkommen deplatziert! Zum Fremdschämen. Löscht das!“

Die „Linke“ denkt indes offenbar nicht daran, das zu löschen. Stattdessen wurde dem AfD-kritischen, der Gewalt abholden Twitterer Hallascka vom Großen Internetzensur-Bruder folgende Belehrung zuteil: "Diese Medien können sensibles Material enthalten. Deine Medieneinstellungen sind so konfiguriert, dass du informiert wirst, wenn Medieninhalte sensibel sein könnten.“

Wir dürfen beruhigt sein: So sicher bewährt sich die Wachsamkeit der sozialen Medien im Kampf gegen die Gefahren für die Demokratie.

Quelle: Herbert Ammon

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Eva Högl, Vera Lengsfeld, Franz Sommerfeld.

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