Peinliche Provokation für das gründeutsche Publikum

Herbert Ammon27.08.2018Politik

Obgleich sich jetzt der Sieg Assads über die hierzulande stets mit Sympathie gehandelten Rebellen, nicht zuletzt über die auf vereinzelte Stützpunkte zurückgedrängten Terrorbanden des IS, immer deutlicher abzeichnet, vermisst man in den Medien und in den Verlautbarungen unserer classe politica konzeptionelle Überlegungen zur Zukunft des Landes in Nahost, kritisiert Herbert Ammon.

d73b67f9a0.jpeg

Dass Hintergründe und Verlauf – bis zum endlich absehbaren Ende – des Bürgerkriegs in Syrien vielschichtiger und widersprüchlicher sind, als in der vorherrschenden Berichterstattung, die über Jahre hin auf Verständnis für die “demokratischen Rebellen” und Verdammnis des Diktators Assad sowie seines Schutzherrn Putin ausgerichtet war, ist einem distanziert kritischen Beobachter der nahöstlichen Szenerie stets klar gewesen. Obgleich sich jetzt der Sieg Assads über die hierzulande stets mit Sympathie gehandelten Rebellen, nicht zuletzt über die auf vereinzelte Stützpunkte zurückgedrängten Terrorbanden des IS (“Islamischer Staat”), immer deutlicher abzeichnet, vermisst man in den Medien und in den Verlautbarungen unserer classe politica konzeptionelle Überlegungen zur Zukunft des Landes in Nahost. Man spricht allenfalls über die fortschreitende Integration von Flüchtlingen.

Eine Ausnahme bildet das Interview, das der Redakteur Simon Strauß mit der seit 2009 in Wien lebenden Frauenrechtlerin Rasha Corti führte (“Jetzt kann sich endlich alles ändern”, in: FAZ v. 14.08.2018, S. 9). Die aus Raqqa – die Stadt wurde 2013 von diversen islamistischen Milizen, zuletzt vom IS überrannt – stammende Dokumentarfilmerin hält Assad keineswegs für unschuldig am Eklat und an den Gräueln des Bürgerkriegs, aber eben auch nicht für den alleinschuldigen.

Erhellend – wenngleich politisch unerwünscht – sind die Kommentare zur Rolle der beiden Großmächte: “Russland hat immer zu uns gestanden, anders als die Amerikaner, die in anderen Ländern Rebellen wie die Taliban unterstützt haben.” Auf die Frage, welche Rolle Russland künftig spielen solle: “Ja, Russland ist die einzige Hoffnung. Denn nur Putin kann Syrien vor dem Machthunger Erdogans schützen.” Die Syrerin erläutert dessen – auf die Vereinnahmung Aleppos zielenden – Ambitionen anhand von Details der türkischen Okkupation in den nördlichen Landesteilen.

Was weniger das Kopftuch als den Islam als solchen betrifft, erklärt die Frauenrechtlerin, dass nach der “unmittelbaren Begegnung mit dem IS vielen Menschen begonnen [haben], den Islam und seine Radikalisierungspotentiale kritisch zu sehen.” Hierzulande will man – etwa im “Dialog” von Christen und Muslimen – derlei kritische Fragen an die “dritte abrahamitische Religion” lieber nicht stellen.

Als peinliche Provokation für das gründeutsche Publikum müssen vor allem Frau Cortis Worte über die Zukunft ihres Landes wirken. Nötig sei eine gemeinsame Syrienpolitik, auf die sich die Europäer und Russland verständigen sollten. Auch die Zukunft der vor und nach 2015 Geflüchteten sieht sie in ihrem Heimatland. Zwar sei die Integration auf dem hiesigen Arbeitsmarkt die effektivste Integrationsmaßnahme, aber zugleich “halte ich es für die eigentliche Aufgabe einer verantwortungsvollen Integrationspolitik, dass sie ihre Einwanderer auch dazu ermutigt, in absehbarer Zeit in ihre Heimatländer zurückzukehren… Meine große Hoffnung besteht darin, dass diejenigen, die jetzt nach Europa geflüchtet sind, nach Syrien zurückkehren mit all den Fähigkeiten, die sie hier erworben haben.”

Quelle: Herbert Ammon”:https://herbert-ammon.blogspot.com/2018/08/leseempfehlung-die-zukunft-in-syrien.html

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Es gibt weder „Klimaflüchtlinge“ noch ein Recht auf Immigration

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU widerspricht der Forderung der Grünen und des UN-Menschenrechtsausschusses, dass Staaten Asylbewerber aufgrund klimatischer Bedingungen in deren Heimatländern aufnehmen sollten.

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu