Das arte-ZK gibt bekannt

Henryk Broder14.06.2017Medien

Straßburg ist nicht nur für seine vielen Spezialitäten (Flammekueche, Kougelhopf, Presskopf) bekannt, sondern auch für seine Komiker. Die besten von ihnen sitzen in der arte-Pressestelle. Die wiederum hat heute ein Pressestatement zur Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“, veröffentlicht, das so saukomisch ist, dass wir es Ihnen nicht vorenthalten wollen

_ARTE hat zur Kenntnis genommen, dass Bild.de die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa“ in eigener Verantwortung online gestellt hat. Auch wenn diese Vorgehensweise befremdlich ist, hat ARTE keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann._
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_ARTE kann und will den Film jedoch nicht durch eine eigene Ausstrahlung nachträglich legitimieren, da er, ohne dass ARTE darüber informiert wurde, gravierend von dem verabredeten Sendungskonzept abweicht. Eine solche Vorgehensweise kann ARTE in diesem wie in jedem anderen Fall nicht akzeptieren._
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_Die Unterstellung, der Film passe aus politischen Gründen nicht ins Programm ist schlichtweg absurd: Der ursprünglich von der Programmkonferenz genehmigte Programmvorschlag sah ausdrücklich das Thema des unter dem Deckmantel der Israelkritik versteckten Antisemitismus vor – entsprechend der editorialen Linie von ARTE als europäischer Sender aber nicht im Nahen Osten, sondern in Europa._

Großartig, nicht wahr? Wenn es einen Grimme-Preis für das blödeste Pressestatement einer ö-r Anstalt gäbe, würde er nach Straßburg gehen. arte hat also „keinen Einwand“, dass Bild.de die arte-Doku online gestellt hat, im Gegenteil, so kann sich die Öffentlichkeit ein eigenes Urteil über den Film bilden.

Da war wohl ein Elsässer Gewürztraminer zu viel im Spiel. Damit sich die Öffentlichkeit ein eigenes Urteil über den Film bilden kann, hätte arte den Film ja selber ins Programm heben oder online stellen können. Und wie soll es jetzt weiter gehen? Werden die Bild.de-Leser jetzt abstimmen, ob der Film ausgestrahlt werden soll oder nicht? Wird sich arte dem Votum fügen?

Mir kommt das vor, als würde ein Mann zu einem Nachbarn sagen: „Ich habe keinen Einwand, dass du es meiner Frau besorgst, aber lass bitte die Türen weit auf, damit unsere Nachbarn sich ein eigenes Urteil bilden können, wer von uns beiden es besser kann.“

Witziger ist nur der Schlussatz: Entsprechend der editorialen Linie von ARTE als europäischer Sender sollte es in der Doku um Antisemitismus gehen, aber nicht im Nahen Osten, sondern in Europa.

Applaus, Applaus, Applaus! Und wenn arte demnächst einen Film über Rinderwahn (BSE) in Auftrag gibt, sollten die Produzenten darauf achten, dass nur Allgäuer Bauern und Kühe zu Wort kommen, aber keine aus England, wo die Seuche ausgebrochen ist. Man soll es mit dem Blick über den Tellerrand nicht zu weit treiben. Deswegen berichtet arte als europäischer Sender nur über europäische Themen, heute zum Beispiel über den Saguaro-Nationalpark in Arizona, stellt auf den Dächern der japanischen Metropole Tokio alte Traditionen und neue Trends vor und zeigt einen Roadmovie über einen jungen Mann, der in Kolumbien verschollen ist.

Ich freue mich ganz besonders auf eine Doku, die nach Mitternacht läuft. arte begleitet den Geografen Géraud Leroux in die türkisfarbenen Küstengewässer der Barren-Inseln vor Madagaskar, wo er Forschungen zu den dort beheimateten Meeresschildkröten anstellt.

Ich hoffe sehr, dass der Film ausgewogen ist und die Schildkröten angemessen zu Wort kommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der “Achse des Guten”:http://www.achgut.com/artikel/das_arte_zk_gibt_bekannt

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