In der Demokratie gibt es keine Ohnmacht. Jean Ziegler

Neue Rollenspiele

Es knackt im Gebälk der traditionellen Rollenverteilung. Da Männer jedoch die Wirtschaft dominieren, kann der Weg zu echter Gleichstellung nur gemeinsam beschritten werden.

Seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für ihre Rechte. Für das Recht, wählen zu dürfen, für das Recht, an einer Universität zu studieren, oder für das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen. Schon immer haben Frauen diese Rechte, die eigentlich nur eine Gleichstellung mit den Männern darstellten, nicht auf dem silbernen Tablett präsentiert bekommen. Die Angst ging um bei den Männern. Doch immer gab es auch solche, die verstanden, dass es für eine moderne, demokratische Gesellschaft nötig ist, eine egalitäre Partnerschaft von Männern und Frauen zu erreichen. Und sie verstanden auch: Von einem fairen Miteinander profitieren Frauen wie Männer, ja, die ganze Gesellschaft. Das ist es, was Gleichstellungspolitik heute fordert: gleiche Chancen mit gleichen Entfaltungsmöglichkeiten für Männer und Frauen.

Neue Rollenverteilung

Nach wie vor ist es so, dass Frauen, obwohl längst Bildungsgewinner, auf dem (bezahlten) Arbeitsmarkt die schlechteren Karten haben. Dass sie im Schnitt 23 Prozent weniger verdienen als Männer, dass sie immer noch in den Top-Positionen der deutschen Wirtschaft fehlen – und dass sie finanziell dafür bestraft werden, weil sie Mütter werden können oder sind, ist nach wie vor ein wichtiges Thema der Gleichstellungspolitik. Mädchen und Frauen müssen weiterhin gefördert werden, um ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu erreichen. Heute zeigt sich aber auch, dass auch Männer mit den alten Rollenbildern des gut verdienenden Mannes, der sein Leben in der Firma verbringt, und der Frau, die sich neben ihrem Teilzeitjob unentgeltlich um alle Dienstleistungen des täglichen Lebens kümmert, nicht mehr zufrieden sind. Aber wie kann eine neue Rollenverteilung erreicht werden?

Als Netzwerk berufstätiger Frauen setzen wir uns seit Jahrzehnten für gleiche Chancen für Frauen und Männer ein. Um ein Gleichgewicht der Möglichkeiten herzustellen, ist es unerlässlich, Frauen zu unterstützen. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass eine echte Gleichstellung nur im Dialog der Geschlechter möglich ist. Männer müssen für eine Gleichstellungspolitik gewonnen werden. Sprechen wir zum Beispiel von „Gender-“ anstatt von „Frauenquote“! Beim Reizwort „Frauenquote“ fühlen sich Männer diskriminiert und Frauen abgestempelt. Es geht uns nicht darum, in Zukunft nur noch Frauen im Topmanagement zu sehen. Es geht um einen gerechten Frauen- und Männeranteil. Dass Männer davon profitieren, ist einigen bereits klar: Eine gleichmäßigere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, gleiche Karrierechancen und eine gerechtere Aufteilung der finanziellen Ressourcen zwischen den Geschlechtern ist nicht nur die Voraussetzung dafür, dass Männer ein neues Rollenbild leben können. Gemischte Teams steigern zudem den Erfolg von Unternehmen. Das belegen Studien.

Nur gemeinsam mit den Männern

Um den Dialog zwischen den Geschlechtern zu fördern, haben wir auf der 3-Länder-Tagung der Business and Professional Women (BPW) bewusst Männer hinzugeholt. Die Frage, wie Frauen ihre Potenziale zukünftig erfolgreicher einsetzen können und wie Firmen Diversität für ihren Erfolg nutzen können, können wir nur gemeinsam mit Männern beantworten. Durch die Möglichkeit, Unternehmen als Mitglieder sowie männliche Fördermitglieder aufzunehmen, hat der BPW Germany den Rahmen geschaffen, dauerhaft in den Dialog mit der Wirtschaft und damit den Männern zu treten.

Für Chancengleichheit gibt es viele gute Gründe. Lassen Sie uns auch gemeinsam mit Frauen und Männern daran arbeiten. Denn Gleichstellung kann nur gemeinsam gehen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Vera Lengsfeld, Nils Pickert, Eckhard Kuhla.

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