Gleich und Gleich verträgt sich gut

von Henrike von Platen9.03.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Zwar hat die Frauenbewegung in den letzten 100 Jahren viel erreicht, doch es gibt noch viel zu tun. Wenn auch im 21. Jahrhundert eklatante Gehaltsunterschiede gesellschaftsfähig sind, müssen Frauen für ihre Rechte eintreten. Wir brauchen sie, die Aktionstage!

Der Internationale Frauentag wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Damals ging es um die grundsätzliche Teilhabe von Frauen am politischen Leben. Die zentrale Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Frauen haben in den vergangenen 100 Jahren viel erreicht: Längst dürfen Frauen wählen und sind in die Parlamente eingezogen, ein Gleichstellungsartikel findet sich im Grundgesetz und seit 1994 verlangt das Grundgesetz, dass der Staat die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern aktiv fördert. Brauchen wir sie also noch, die internationale Frauenbewegung?

Noch keine echte Gleichstellung

Ja, denn eine echte Gleichstellung von Frauen und Männern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist noch immer nicht erreicht. Nach wie vor verdienen Frauen in Deutschland bis zu 23 Prozent weniger als Männer. Steuer- und Sozialversicherungssysteme unterstützen die veralteten und unzeitgemäßen Rollenbilder des meist männlichen Alleinverdieners und der meist weiblichen Hinzuverdienerin. Frauen übernehmen noch immer den Löwenanteil der Familien- und Pflegearbeit – und das auch, wenn beide Partner in Vollzeit berufstätig sind. Von Frauen dominierte Berufe werden schlechter bezahlt und bieten kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Und nach wie vor sind Frauen in den Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft so gut wie nicht vertreten. Laut aktuellem DIW-Managerinnen-Barometer hatten 2010 mehr als 90 Prozent der 100 größten Unternehmen nicht eine einzige Frau im Vorstand. Die Männerquote in den Vorständen der 200 größten Unternehmen lag im vergangenen Jahr bei 96,8 Prozent. All dies führt dazu, dass Frauen auch 100 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag immer noch weniger verdienen, weniger einflussreich sind und kleinere Vermögen haben als Männer.

Gleicher Job, weniger Geld

In Deutschland ist der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied im EU-Vergleich besonders groß. Um etwas zu verändern, brauchen wir auch 100 Jahre nach dem ersten Frauentag Aufklärung, Aufmerksamkeit und nach wie vor – Aktionstage. 2008 haben die Business and Professional Women (BPW) Germany deshalb den Equal Pay Day, den Tag für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, aus den USA nach Deutschland geholt. Die Resonanz war überwältigend: Schon im ersten Jahr nahmen mehr als 6.000 Frauen und Männer an den bundesweiten Veranstaltungen teil, im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 70.000, die eigene Aktionen auf die Füße stellten, sich informierten und teilnahmen. Das Interesse an und die Empörung über ungleiche Bezahlung und deren Ursachen sind ungebremst. Entgelt-Ungleichheit und Gehalt? Das war bis dahin ein Thema, über das man nicht gesprochen hat – und Frauen schon gar nicht. In diesem Zusammenhang leistet auch der Girls’ Day einen wichtigen Beitrag. Die noch immer sehr starken traditionellen Rollenbilder führen auch heute noch dazu, dass Frauen und Mädchen meist typische Frauenberufe wählen. Der Aktionstag bietet Mädchen – und in diesem Jahr zum ersten Mal auch Jungen – die Gelegenheit, frühzeitig zukunftsträchtige und gut bezahlte Berufsfelder kennenzulernen und auf unterschiedliche Karrierechancen und Entgeltmöglichkeiten hingewiesen zu werden. Ja, auch 100 Jahre später ist die internationale Frauenbewegung aktuell wie eh und je. Und ja, wir haben viel erreicht. Bis zu tatsächlicher Gleichberechtigung in allen Bereichen haben wir aber noch einen weiten Weg vor uns. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, uns dafür einzusetzen. Wir brauchen sie, die Aktionstage!

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