Die Stromversorgung ist akut in Gefahr | The European

Die deutsche Energiewende wird zum Strom-Blackout führen

Henrik Paulitz14.10.2021Medien, Wirtschaft

Bislang kam es nicht zu größeren Stromausfällen, weil es noch genügend Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke gibt. Wenn aber, wie derzeit vorgesehen, Ende 2021 und 2022 weitere Kraftwerke stillgelegt werden, dann kommt es zu einer massiven Gefährdung der Stromversorgung. Von Henrik Paulitz.

Sonnenkollektoren mit Windturbinen und Strompylon bei Sonnenuntergang, Quelle: Shutterstock

Schon immer war klar, dass die Energiewende durch zuverlässige Langzeitspeicher abgesichert werden muss, da bei Windflaute, bei trübem Wetter und jede Nacht die Wind- bzw. Solaranlagen keinen Strom liefern. Doch obwohl seit 1990 ein hoher dreistelliger Milliardenbetrag in den Umbau der Stromerzeugung investiert wurde, gibt es die notwendigen Langzeitspeicher nicht: wegen den nicht zu vertretenden Wirkungsgradverlusten und den nicht mehr zu stemmenden Kosten. Sonne und Wind sind daher auf einen vollständigen Backup-Kraftwerkspark angewiesen.

Bislang kam es nicht zu größeren Stromausfällen, weil es noch genügend Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke gibt. Wenn aber, wie derzeit vorgesehen, Ende 2021 und 2022 weitere Kraftwerke stillgelegt werden, dann kommt es zu einer massiven Gefährdung der Stromversorgung.

Teile der Politik finden diese absehbar “angebotsorientierte” Energieversorgung zeitgemäß und “spannend” (Sylvia Kotting-Uhl MdB), bei der der Strom nur noch dann aus der Steckdose kommt, wenn die Sonne scheint und der Wind gerade weht. Kochen, Waschen, Fernsehen, Bahnfahren, Elektroautos laden, Computer-Akkus laden, Kühlen und Kassieren im Supermarkt, Industrieproduktion etc. wären dann zeitweise nur noch wenige Stunden am Tag möglich – wenn überhaupt. Denn anders als vielfach vermutet, wird man den benötigten Kohle- bzw. Atomstrom in der erforderlichen Menge dann auch nicht importieren können. Schon in der Vergangenheit gab es dabei Engpässe.

Solche ständigen Stromunterbrechungen sind charakteristisch für Entwicklungsländer. Die logische Folge einer solchen “StromMangelWirtschaft” wäre eine Deindustrialisierung Deutschlands, verbunden mit Massenarbeitslosigkeit, einer völligen Überlastung der sozialen Sicherungssysteme, Verarmung und Verelendung. Schon jetzt investieren Teile der Industrie kaum noch in Deutschland. Es ist daher dringend notwendig, weitere Kraftwerksstilllegungen zu verhindern.

Es ist verantwortungslos, weiterhin die Illusion zu verbreiten, mit einem weiteren Wind- und Solarenergie-Ausbau könne man die gravierenden Probleme dieser Energiewende lösen, obwohl nun nach 30 Jahren intensiver Erprobung klar ist, was geht und was nicht geht.

Das betrifft beispielsweise auch das Heizen im Winterhalbjahr: Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ergeben, dass der spezifische Heizenergiebedarf im vergangenen Jahrzehnt klima- und witterungsbereinigt (!) praktisch nicht gesunken ist, obwohl allein nur von 2010 bis 2018 eine halbe Billion Euro in Wärmedämmmaßnahmen geflossen sind. Trotz dieses krachenden Misserfolgs soll es laut DIW mit den energetischen Gebäudesanierungen “auf jeden Fall” und “noch stärker gefördert” unverdrossen weitergehen (so sieht Politikberatung heute vielfach aus!).

Und trotz des weiterhin hohen Heizbedarfs kommt nun das bereits beschlossene Verbot reiner Ölheizungen, zudem werden Forderungen nach einem Gas-Heizungsverbot erhoben und mit Blick auf Großbritannien kann man auch nicht ausschließen, dass das Heizen mit Holz künftig wegen des Feinstaubs verboten wird. Die Bevölkerung in den Großstädten darf bangen, ob sie künftig noch zuverlässig mit Fernwärme aus Heizkraftwerken versorgt werden wird.

Propagiert wird neuerdings allein die Elektrowärmepumpe, aber es ist natürlich nicht möglich, zusätzlich auch noch den riesigen Wärmesektor mit Wind- und Solarstrom zu versorgen.

Eine weitere Durchsetzung dieser zunehmend irrationalen Energiepolitik würde natürlich zu immensen Widerständen in der Bevölkerung führen, sobald die Probleme hautnah spürbar wären. Mit demokratischen Mitteln wäre all das nicht durchsetzbar, weswegen die Deutsche Bank Research bereits von der Gefahr einer “Öko-Diktatur” spricht. Andere befürchten bald schon einen “Klima-Lockdown”.

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