Deutsche Konzentrationslager – schon vor 100 Jahren!

von Helmut Donat28.01.2018Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Das Jahr 1918 hat eben begonnen. Frankreich und Deutschland befinden sich seit August 1914 im Krieg. Ein Ende ist immer noch nicht abzusehen. Not und Elend, Schrecken und massenhafter Tod kennzeichnen den Alltag an der Front. Da geschieht etwas noch nie Dagewesenes. Ein Schulrektor soll sich „als Geisel bereithalten“ – also: zur Deportation.

Désiré Guérin, Rektor einer Schule in Sedan, erhält am 5. Januar 1918 von der deutschen Militärkommandantur den Befehl, sich einen Tag später als „Geisel“ zur „Abreise bereit nach Deutschland zu halten“. Er soll „ausreichend warme Kleidung bei sich führen“ und darf „bis zu 50 kg Gepäck mitnehmen. Beanstandungen werden nicht anerkannt.“ So ist es in der inzwischen ins Deutsche übersetzten, handschriftlichen, 112 Seiten starken Schilderung von Désiré Guérin zu lesen. Sie ist übertitelt: „Souvenirs de captivité: les otages français dans le camp de concentration de Milejgany (Lithuanie) 1918“, die der Autor dieses Beitrages in einem nordfranzösischen Archiv aufgespürt hat. Doch Désiré Guérin ist nicht der Einzige, der sich – so die Sprachregelung der deutschen Militärbehörden – im Januar 1918 als „Vergeltungsgefangener“ zu fühlen hat. Betroffen sind insgesamt 600 Männer. Ohne Rücksicht auf ihr Alter, ihre Herkunft, Stellung und Gesundheit haben sie sich an einem Bestimmungsort einzufinden. Sie stammen aus den Orten Lille, Douai, Valenciennes, Huson, Sedan und Montmedy.

Warum gerade diese Männer?

Verbrochen haben sie nichts, weder Guérin noch die anderen, niemand wirft ihnen etwas vor oder zweifelt an ihrer Unschuld. Man hat sie „aus Vergeltung“ festgenommen, weil die französische Regierung der deutschen Forderung, im Elsaß inhaftierte Deutsche freizulassen, nicht entsprochen hat. Ein Willkür- und Racheakt, wie es ihn bis dahin im 20. Jahrhundert im Zusammenleben der Völker noch nicht gegeben hat. Offenbar geht es darum, ein Exempel zu statuieren. Désiré Guérin ist fassungslos; dennoch oder gerade deshalb schreibt er alles auf, später wird er Zeugnis ablegen von den Drangsalierungen, denen er und seine Leidensgefährten ausgesetzt gewesen sind. Seine Aufzeichnungen geben uns zudem einen erstaunlichen Einblick in eine bislang verschlossen gebliebene Welt.

Am 6. Januar 1918 deportiert man die Gefangenen von Huson aus in verdreckten Waggons der 3. und 4. Klasse, in denen es weder Heizung noch Beleuchtung gibt, nach Osten. Es ist der erste Transport der deutschen Eisenbahn im 20. Jahrhundert, der Häftlinge in ein außerhalb der deutschen Grenzen gelegenes, von deutschen Truppen besetztes Gebiet und in ein eigens für sie ausgewähltes Lager bringt. Es heißt „camp de concentration“ – zu Deutsch: Konzentrationslager. Noch während der Fahrt stirbt der aus den Ardennen stammende Baudelot, Major der Reserve aus Vrigne aux Bois – ein erstes Opfer der Kälte.

Sechs Tage und Nächte war der Zug unterwegs…

Nach etwa 2.500 Kilometern hatten die unglücklichen Deportierten ihr Ziel erreicht: Zoslte, ein Ort im Raum Wilna. Während der Fahrt haben die Gefangenen – abgesehen von einem täglichen Mehl- oder Körnerbrei – nichts zu essen erhalten. Bei ihrer Ankunft sagt man ihnen, es gehe weiter nach Milejgany, wo man sie in einem großen Schloss unterbringen werde. Ausgehungert, vor Kälte zitternd, geschwächt und verängstigt müssen die Franzosen sich nach ihrer Ankunft in einem fremden Land in Viererreihen und Fünfzigergruppen aufstellen. Milejgany liegt etwa sechs bis sieben Kilometer entfernt. Schlitten gibt es nur für das schwere Gepäck. Auf dem Marsch durch Schnee und Eis begleiten sie Soldaten, die Gewehre mit aufgestecktem Bajonett tragen. „Nach einer Stunde Weg“, schreibt Guérin, „ist daraus ein jammervoller Zug geworden.“

Milejgany, ein kleiner, armseliger Ort mit etwa hundert Einwohnern, besteht aus ungefähr fünfzig Blockhütten. Das Lager liegt sieben- bis achthundert Meter entfernt auf dem Abhang einer sich nach Süden ausbreitenden Ebene. Es gehört zu einem landwirtschaftlichen Betrieb von nicht geringer Größe, dessen einzelne Gebäude, auf Tannenstümpfen errichtet, voneinander getrennt sind: Ställe, Scheunen, Schuppen, Blockhütten der Arbeiter. Man bringt die „Geiseln“ in einem „länglichen, sehr niedrigen, fensterlosen Gebäude“ unter, das sich auf einem großen viereckigen, von Stacheldraht umgebenen Grundstück befindet: ein etwa 50 m langer Backsteinbau mit nur wenigen kleinen Luken unter dem Dach und einer zweiflügeligen Tür. „Das ist ja ein Stall!“ – ruft Désiré Guérin aus, als er den Raum betritt. „Und hier, in dieser elenden Höhle, will man uns einpferchen! Ich spüre Entsetzen und Schrecken in mir aufkommen. Man stelle sich den Eingang in einen Untertagebau vor, schwach erleuchtet, links und rechts Holzgerüste. Diese Holzgestänge sind Betten – selbst Hundehütten wären besser gewesen!!“

Über die gesamte Länge der Stellwände hatte man mit Tannenholzpfählen übereinander drei Etagen aus rundem, knüppeligem Holz gebaut. Guérin stellte entgeistert fest: „Darauf werden wir schlafen. Etwas, das undeutlich nach schmutzigen Holzsäcken aussieht, liegt darüber. Diese Schlafstellen, wie einzelne Fächer, liegen in weniger als einem Meter Abstand übereinander, und man kann nur in gebückter Haltung kriechend wie ein Tier durch eine etwa 70 cm breite Öffnung hineingelangen – ja, kaum würde man es wagen, hier einen Hund unterzubringen. Über diesen beiden Bettreihen ist ein Boden eingezogen, der den Raum in Dunkelheit taucht; aber dieser Boden bildet noch eine Etage, wo sich die Schlafenden in vier Reihen hinzudrängen haben. So bleibt kein Fingerbreit Raum unbesetzt.“ Man hat man eine alte Pferdescheune in ein Lager verwandelt. Wie später in Buchenwald. Und in Auschwitz.

In diesem Bau, ohne Luft und Licht…

Nach und nach treffen die Geiseln ein. Entsetzt, traurig und enttäuscht stehen sie da. Angstvoll sehen sie einander an. Der Anblick dieser widerwärtigen Höhle schlägt sie zu Boden. Einige lassen ihrer Entrüstung freien Lauf, und mit Ungestüm protestieren sie lauthals: „Was, hier drinnen sollen wir wohnen, in diesem dunklen Stall, in diesem Bau, ohne Luft und Licht, in diesem dreckigen Nest, in das man schlüpfen muss wie ein Raubtier in seine Höhle? Das, das ist ja der Tod für uns!… Man kann die Hobelspäne, die unsere Strohsäcke füllen, nur noch erahnen, zuvor von russischen Gefangenen benutzt, sind sie schmutzig, filzig und widerwärtig … Die runden Knüppelholzstämme sind ebenfalls sehr hart. Sie quetschen sich ins Fleisch und peinigen den Körper … Unter diesen jammervollen Bedingungen vergeht die erste Nacht … Schreckenszeit, die für uns alle der Alptraum unseres Lebens bleiben wird.“ Das Lager und der Ort Milejgany befinden sich in einer gottverlassenen und isolierten Gegend. Weit und breit ist niemand zu sehen, „kein Laut zu hören: man hatte das Gefühl, völlig von der Welt abgeschnitten zu sein“. Und es herrscht eine schreckliche Kälte.

Am nächsten Tag treiben die Deutschen die Häftlinge mitsamt ihrem Gepäck auf den Hof hinaus. Fünf Stunden müssen sie im Schnee ausharren und auf der Stelle treten. Sie sind vor Kälte wie erstarrt, das Thermometer zeigt 12 Grad unter null. Im Stallinneren wird derweil Platz geschaffen. Um alle in dem Gebäude unterzubringen, werden die Strohsäcke auf eine maximale Breite von 60 cm pro Mann zusammengeschoben. Jeder bekommt zwei dünne graue Decken, alt und schmutzig, einen Esslöffel und eine Emailleschüssel, die als Waschbecken und Essnapf dienen soll. Nach Nummern aufgerufen, kehren die Häftlinge in den Stall zurück und müssen geradezu akrobatische Anstrengungen vollbringen. Vollbeladen klettern sie die senkrechten, höchst unbequemen Leitern hinauf und zwängen sich durch eine kaum hinreichend große Öffnung, um die ihnen zugewiesenen Plätze einzunehmen. Nach 26 Stunden ohne Verpflegung erhalten sie endlich ihr erstes Lageressen: eine „Portion Nudelkleister“. Mit der mageren Kost im Bauch warten die Geschundenen auf den nächsten Tag, für den man ihnen Kaffee ankündigt.

In dem Lager gibt es für die Gefangenen weder Tische noch Bänke oder irgendwie Raum. Viele sind nach der mühseligen Fahrt, dem kräftezehrenden Marsch durch den Schnee und dem „Appell“ am ersten Tag im Lager erkrankt. Husten, Schnupfen, Bronchitis, Hals- und Lungenentzündungen, abgefrorene Glieder bleiben unbehandelt. Weder sind ein sanitärer Dienst noch eine Krankenabteilung, weder ein Arzt noch Medikamente vorhanden. Es gibt kein Wasser. Das Geschirr und sich selbst wäscht man mit Schnee. Die Häftlinge müssen sich von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in ihrer Behausung aufhalten. Drinnen wie draußen stehen Wachposten mit geladenem Gewehr und aufgesteckten Bajonetten. Sie schießen ohne Warnung auf jeden, der es wagt, sich zu entfernen oder das Gelände zu verlassen.

Von Humanität nicht die leiseste Spur

Die Verhältnisse in dem Lager, wie sie uns Désiré Guérin und andere Häftlinge vor Augen führen, spotten jeder Beschreibung. Die deutschen Behörden haben für nichts gesorgt, um den Schmerz und die Qualen der Leidenden zu mildern. Am schlimmsten betroffen ist eine nicht geringe Anzahl von Männern, die bereits über siebzig Jahre alt und mit Gebrechen behaftet sind, die sich durch den Transport verschlimmert haben. Und welche Not die Hilfsbedürftigen auch immer plagt, auch sie müssen – so Désiré Guérin in seinen Aufzeichnungen – „an allen Gliedern schlotternd, einen über fünfzig Meter langen Weg durch Schnee, Wind und eisige Nacht hindurch gehen, um zum ‚stillen Ort‘ zu gelangen, der im freien Wind errichtet ist und an Widerwärtigkeit alles übertrumpft, was man sich vorstellen kann. Und jeden durchläuft ein beängstigender Schauer, während ihm klar wird, das der Tod an der Lagerpforte lauert und sich bald seine unglückliche Beute abholen wird!“

Kommandant des Lagers ist Leutnant Bedarf, „ein großer, starker Kerl von ca. vierzig Jahren, ernst, immer tätig“. Er überwacht, befiehlt, kontrolliert, ist ständig im Einsatz. Die ihm auferlegten Verpflichtungen erfüllt er mit „bemerkenswertem Eifer“. Sein „schwerer Schritt, seine kalte Miene, steif und ehrwürdig“, sind gefürchtet. Erwischt er jemanden im Innern des Stalles beim Rauchen, bestraft er ihn zunächst mit dem Entzug des Mittagessens für zwei Tage; das ist ihm schon bald zu milde, und so ordnet er „zwei Tage Kabinett“ an, das bedeutet: Reinigen der Toiletten. In dem „Protest der Gelehrten von Lille“ wird Bedarf als „Überwachungsoffizier“ mit der „Seele eines Schergen“ bezeichnet. Niedergelegt ist dies in der von der „Presse Médicale“ publizierten Anklageschrift der „Acadèmie de Médecine in Paris“ „Protest der Gelehrten von Lille gegen die deutschen Barbareien“ zu entnehmen ist.

Persönlichkeit Nummer zwei ist der Dolmetscher Minnendorf: „25 Jahre alt, rotblond, der Typ des ‚korrekten jungen Mannes‘, frischer rosiger Teint, lächelnd“. Zunächst der „Schatten“ seines Vorgesetzten, wird er den Gefangenen gegen Ende „sogar sympathisch“, verkauft ihnen „manchmal Makronen und Zigaretten für teures Geld“. Dritter im Bunde der Lagerführung, die alles in Betrieb hält, ist, während das andere Wachpersonal mehr oder minder eine „Statistenrolle“ spielt, Unteroffizier Mowak, der „Arbeitsdienstorganisator“: „Klein, rothaarig, lächelnd, ca. 35 Jahre alt, ein netter Mann“, der auch „zum Kaffee oder zur Suppe ruft“. Er freundet sich mit dem Gymnasiallehrer Laroche aus Sedan an, dem er heimlich „Butter, Schinken und Wurst bringt, die er ihm, wie er vorgibt, zum Kaufpreis überlässt“.

Die widerwärtige, harte Fronarbeit…

Für den „Arbeitsdienst“ werden zehn Sektionen von je sechzig Mann gebildet, mit jeweils einem Sektionschef und einem von den Inhaftierten benannten Dolmetscher. Der Kommandant teilt den Gefangenen die ihm übertragenen Anweisungen mit. Danach sind die „Geiseln“ für den Lagerdienst zuständig: Versorgung der Küche mit Wasser und Holz, anderenfalls gibt es weder Kaffee noch Suppe; Reinigen des Lagers, Ausfegen des Stalles, Freimachen des Hofes von Schnee und Eis, Leeren der Latrinen und so weiter. Jede Sektion hat für jeden Tag, reihum, 25 bis 30 Männer zu stellen und die Arbeiten auszuführen. Vom nächsten Morgen an müssen die Häftlinge bei jedem Wetter, Regen oder Schnee von weit entfernt 2.000 Liter Wasser in Eimern herbeischleppen, das notwendige Holz sägen, zuweilen im Schnee dicke Bäume fällen, sechs bis sieben Kilometer entfernt im Wald. Dazu kommt Schnee-Schieben, Eis-Brechen und das Reinigen der Latrinen und Leeren der Sickergrube, von Guérin als besonders „widerwärtige Fron“ beschrieben, haftet doch denen, die ihr ausgesetzt sind, „noch lange ein ekelhafter, Brechreiz erzeugender Gestank an“.

Deutlich sehen die Entrechteten die Folgen der grausamen Behandlung voraus. Eine „Lagerkommission“, bestehend aus Monsieur Febvret, dem Präsidenten des Appelationsgerichts von Douai, Monsieur Vittini, dem Unterpräfekten von St. Quentin, Monsieur Delattre, einem Industriellen in Ferrières-las Grande bei Maubeuge, Monsieur Mouchet, dem Dekan der Juristischen Fakultät der Universität Lille, sowie Monsieur von der Handelskammer Lille, schildert die hoffnungslose Lage der „gefangenen Geiseln“. Man wendet sich in Protestnoten, die sie dem Kommandanten überreichen, an den französischen Innenminister in Paris sowie an den spanischen Botschafter in Berlin – Schreiben, die ihre Empfänger wohl nie erreicht haben. Auch die Proteste, jenen deutschen Offizieren vorgetragen, die das Lager besichtigen, fruchten nichts. Ohne Unterschied weisen sie die Beschwerdeführer mit dem Bemerken ab, sie mögen doch „wenn sie sich hier nicht wohl fühlen“, den Herren Poincaré und Clemenceau mitteilen, dass sie die hier zu erduldenden „Entbehrungen“ der französischen Regierung verdanken, die deutsche Gefangene im Elsass misshandele. Von Mitgefühl keine Spur, stattdessen zynische Abfertigung und Schuldzuweisung an die Opfer.

Zwölf Gramm Marmelade, ekelerregende Kohlrüben…

Geringfügige Verbesserungen der Lagersituation gibt es aber doch. Man beginnt damit, 160 Männer „auszusondern“ und bringt sie nach Jewy in eine ihrer Bestimmung enthobenen russisch-orthodoxen Kirche, die man, ähnlich wie Milejgany, in ein Konzentrationslager mit doppeltem Stacheldraht verwandelt. Eine Art Krankenabteilung entsteht sowie ein Waschsaal mit achtzehn Waschbecken für 440 Personen. Drei Ärzte aus den Reihen der Häftlinge erhalten den Auftrag, sich der Erkrankten anzunehmen, doch „ließ man sie fast ohne Medikamente und Verbandsmaterial“. Die Mangelernährung verschlimmert die Lage zusehends. Morgens erhalten die Insassen lediglich ein dünnes Gebräu, „Kaffee“ genannt, mittags einen Brei aus gekochten Körnern, einem Gerste- oder Haferschleim, am Nachmittag ein zweites Gebräu, später 350 Gramm Schwarzbrot und hin und wieder zwölf (!) Gramm Marmelade oder Wurst. Gemüse, Kartoffeln oder gar Fleisch gibt es nicht; einmal in der Woche ist der Brei durch „ekelerregende Kohlrüben ersetzt“.

Unter diesen Umständen erhöht sich die Zahl der Kranken schnell, und nicht jeder verträgt die grobe Nahrung. Im Januar und Februar 1918 sterben 25 Männer, mehrere davon an Hunger. Professor Buisine, Direktor des Chemischen Instituts der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Lille, seit langem an einer Herzerkrankung und Speiseröhrenverengung leidend, ist dermaßen von der Kost angegriffen, dass er bei seinem Tode nicht mehr als 35 kg wiegt. Aber noch aus einem anderen Grund wirft sein Schicksal ein bezeichnendes Licht auf den Umgang der Geiselnehmer mit ihren Opfern. Als die Ehefrau Buisines den deutschen Oberstabsarzt Dr. Krug, der die Festgenommenen vor ihrer Deportation untersuchte, auf den schlechten Zustand ihres Mannes aufmerksam machte, antwortete ihr der Militärarzt: „Gnädige Frau, das ist nicht ansteckend für die deutsche Armee“, wie der bereits zitierten Anklageschrift „Protest der Gelehrten von Lille gegen die deutschen Barbareien“ zu entnehmen ist – und schickte sie hinaus.

Als ebenso folgenschwer erweist sich am 22. Januar 1918 die Anordnung des Lagerkommandanten, eine Generaldurchsicht aller Sektionen durchzuführen. Bis zu zweieinhalb Stunden müssen sich die Gefangenen draußen im Schnee aufhalten, bei einer Temperatur von minus 22 Grad. Der lange Aufenthalt im Freien wird auch dem Gymnasiallehrer Laroche zum Verhängnis. Eine Brustfellentzündung fesselt ihn an den Strohsack. Die Atemnot nimmt zu, sein fiebriger Zustand ist beunruhigend. Es fehlt an Medikamenten und im Lager ist ihm nicht zu helfen. Auf Bitten Désiré Guérins spricht Mowak mit dem Kommandanten. Tatsächlich wird Laroche ins Krankenhaus nach Wilna transportiert – auf einem Schlitten und in bitterer Kälte. Zu spät. Nach wenigen Tagen kommt die Nachricht, dass Laroche in Wilna gestorben ist.

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