Im Fluss

Helmar Schubert15.01.2012Wirtschaft, Wissenschaft

Das im Mainstream verwendete Konzept des virtuellen Wassers ist irreführend. Denn ob das verwendete Wasser nachhaltig entnommen wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Erst wenn wir hier umdenken, können wir die wertvolle Ressource langfristig schützen.

Das heutige Konzept des virtuellen Wassers ist unbefriedigend und wird daher in der Öffentlichkeit vielfach falsch verwendet. Als virtuelles Wasser wird das zum Bereitstellen eines Produkts oder zum Erbringen einer Dienstleistung verbrauchte Wasser definiert. Es ist also real zur Produktion erforderlich, aber im fertigen Erzeugnis bis auf einen vernachlässigbar kleinen Rest nicht vorhanden, sondern nur gedanklich zugeordnet.

Die Frage der Nachhaltigkeit

Unbefriedigend beim heutigen Konzept ist die Vereinfachung, dass nur die Menge des verbrauchten Wassers, nicht jedoch die Art des Wassers hinsichtlich seiner eventuell nachhaltigen Entnahme berücksichtigt wird. Das bestehende Konzept ist daher nicht hilfreich, um die Frage einer effizienten Wasserwirtschaft und allgemein eines nachhaltigen Gebrauchs der Ressource Wasser zu beantworten. Entgegen vielen Berichten in Massenmedien und Broschüren ist es auch nicht geeignet, durch ein geändertes Kaufverhalten einem Wassermangel in anderen Ländern entgegenzuwirken. Es sollte auch nicht dazu missbraucht werden, um bei Verbrauchern ein schlechtes Gewissen beim Verzehr von importierten Lebensmitteln zu erzeugen. Unbefriedigend ist ferner die unklare Datenlage. In den meisten Fällen fehlen in der umfangreichen Fachliteratur statistische Angaben über die erhobenen Daten und damit Streubreiten der publizierten Mittelwerte. Typisch sind die großen Schwankungsbreiten der veröffentlichten Daten, die mitunter auch widersprüchlich sind. Überwiegend werden sehr genaue Zahlenwerte angegeben, die jedoch einer Prüfung nicht standhalten und eine Genauigkeit vorgeben, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Schließlich ist zwischen der Wassernutzung und dem Wasserverbrauch zu unterscheiden. Vielfach wird Wasser nur verschmutzt und kann nach einer geeigneten Aufbereitung wieder verwendet werden. In der Landwirtschaft wird dagegen das Wasser infolge der Verdunstung (Evapotranspiration) verbraucht. Es steht also dem jeweiligen Bilanzraum – beispielsweise einer Region oder einem Land – nicht mehr zur Verfügung.

Grünes Wasser vs. blaues Wasser

Das derzeitige Konzept des virtuellen Wassers sollte so modifiziert werden, dass nur derjenige Anteil des zur Herstellung von Produkten benötigten Wassers berücksichtigt wird, der am Ort der Herstellung nicht nachhaltig entnommen oder über ein bestimmtes Maß verschmutzt wird. Dadurch werden sowohl die Menge als auch die Art und der jeweilige regionale Wert des Wassers eingebracht. Als grober Schätzwert kann beispielsweise das in der Landwirtschaft genutzte „grüne“ Wasser aus Niederschlägen in der Regel als nachhaltig angesehen werden. Das für die künstliche Bewässerung von Agrarflächen eingesetzte Oberflächen- und Grundwasser („blaues“ Wasser) wird nur dann nachhaltig verwendet, wenn im langjährigen Mittel dem Bilanzraum nicht mehr Wasser durch Verdunstung und Abfluss entzogen als durch Zufluss und Niederschlag zugeführt wird. Die hierzu benötigten Daten sollten umgehend erhoben werden. Aus globaler Sicht ist Wasser ein knappes Gut und in vielen Gebieten der begrenzende Faktor für die Erzeugung von Agrarprodukten. Das modifizierte Konzept des virtuellen Wassers identifiziert diejenigen Bereiche, Regionen und Güter, bei denen eine Übernutzung der Ressource Wasser stattfindet und quantifiziert diese Übernutzung. Damit liefert es nützliche Informationen sowohl für die Produzenten als auch für die Verbraucher und dient als Informationsquelle für ein nachhaltiges Wassermanagement.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Sebastian Kurz war Merkel schon immer einen Schritt voraus

Sebastian Kurz hat es Europa mal wieder gezeigt. Er fährt in die andere Richtung als seine Kollegen. Wo andere im Shutdown verharren, denkt er über Lockerungen nach. Kurz ist nach der Flüchtlingskrise 2015 wieder zum Macher und Taktgeber Europas geworden. Er setzt neue Akzente und gibt den Bürge

„Coronabonds führen zu einer Verschuldungslawine, die nichts als Hass und Streit übrig lassen wird“

Der Top-Ökonom und ehemalige Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn über platzende Geldpolitik-Blasen und mögliche Schuldenschnitte, warum der Euro nicht zu jedem Preis überleben muss und es anstatt Coronabonds aufzulegen sinnvoller wäre Italiens Krankenhäusern Geldgeschenke zu machen.

Corona als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Kapitalismus

Weltweit hoffen Antikapitalisten, die Corona-Krise könne endlich das lang ersehnte Ende des Kapitalismus einläuten. Ob in den USA, Großbritannien, Frankreich oder Deutschland: Die Argumentation der antikapitalistischen Intellektuellen ist überall gleich. Sie hatten eigentlich schon gehofft, dass

Merkels 4 Coronakrisenmanager

Krisenmanager sind in Coronazeiten gefragt. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gleich vier davon. Drei von ihnen sind potentielle Kanzlerkandidaten, Markus Söder, Jens Spahn und Armin Laschet.

Umweltpolitik degenerierte zum „Ökomoralismus

Der langjährige „Welt“-Journalist Ansgar Graw, inzwischen Herausgeber von "The European", stellt in seinem aktuellen Buch die These auf, dass wir zurzeit eine „grüne Hegemonie“ erleben. Dies mag unter anderem an der „medialen Dauerpräsenz grüner Kernanliegen“ liegen. Für die Zeit vo

Sushi-Bar, Ölheizungen und Kernkraftwerke

Die Grünen fordern in der Corona-Krise eine „Pandemiewirtschaft“, Abschalten der Kernkraftwerke, Austauschen von Ölheizungen, Eurobonds und die Aufnahme von „vulnerablen“ Flüchtlingen von den griechischen Inseln.

Mobile Sliding Menu