Ein Lehrer ist besser als zwei iPads

von Heinz-Peter Meidinger13.01.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Auch wenn der Umgang mit Medien heute zur Bildung dazugehört, kann Wissen nicht von Wissenserwerbsstrategien ersetzt werden. Ein vernetztes Vorwissen ist die Voraussetzung für den sinnvollen Umgang mit Informationstechnologien. Bildungserwerb ist keine Einbahnstraße, sondern lebt vom kritischen Austausch mit anderen Personen.

Wie wird sich unser Konzept von Bildung verändern? Diese Frage setzt erst einmal eine Standortbestimmung voraus. Ich behaupte, dass wir in Deutschland derzeit über gar kein reflektiertes und akzeptiertes Bildungskonzept verfügen. Wir haben Lehrpläne, wir haben standardisierte Abschlussprüfungen (und das jeweils multipliziert mit dem Faktor 16) und wir haben PISA. PISA misst lediglich Grundkompetenzen in drei ausgewählten Lernbereichen, quasi die Voraussetzungen zum Bildungserwerb. PISA selbst hat mit Bildung wenig, um nicht zu sagen nichts zu tun. Ein Mensch ist gemäß der mir am meisten einleuchtenden Definition dann gebildet, wenn er neben den grundlegenden Kompetenzen und Methoden zum Erwerb von Bildung über ein “Grundgerüst an Wissen(Link)”:http://www.theeuropean.de/hannes-kloepper/5339-veraenderung-des-wissensbegriffs verfügt, das es ihm erlaubt, sich in der modernen Welt zu orientieren, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sich eigenständig in neue Wissensgebiete einzuarbeiten und seine persönliche und kulturelle Identität zu finden.

Präzision der Fragestellung ist ausschlaggebend

Von der zigfach wiederholten These, in Zeiten des Internets und eines rasanten technologischen Wandels komme es fast ausschließlich auf Wissenserwerbsstrategien an, während das Wissen an sich nicht mehr so wichtig sei, weil es schnell veralte, halte ich nichts. Natürlich gehört zur Bildung heute unabdingbar die umfassende Fitness im Umgang mit Medien und Informationstechnologien. Die Suchergebnisse hängen aber ganz entscheidend von der Präzision der Fragestellungen ab und davon, dass man Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden kann, also von einem möglichst breiten, intelligent vernetzten Vorwissen. In stärkerem Maße als heute wird Bildung morgen allerdings auch inter- und multikulturell ausgerichtet sein müssen. Wer sich in einer globalisierten Welt zurechtfinden will, muss mehr über andere Kulturen, Länder und Religionen gelernt und internalisiert haben als die Generationen vor uns. Das darf nicht mit Standpunktlosigkeit verwechselt werden. Ein gebildeter Mensch weiß um sein kulturell-ethisches Fundament, er kennt und schätzt aber auch andere Wissens- und Kulturtraditionen. Toleranz ist nur so möglich.

E-Learning ist auch nichts wirklich Neues

Wenn sich schon nicht das Bildungskonzept grundlegend wandeln wird, dann doch wenigstens die Wege und die Orte des Wissenserwerbs? Auch da bin ich skeptisch. “E-Learning per Internet ermöglicht heute den Erwerb von Wissen unabhängig von Zeit und Ort(Link)”:http://www.theeuropean.de/sebastian-litta/5188-notwendigkeit-von-campusuniversitaeten. Dies ist aber auch nichts wirklich Neues. Spätestens seit der Erfindung des Buchdrucks ist der Bildungserwerb nicht mehr an die Unterrichtsstunden und Lehrveranstaltungen gebunden. Neu ist, dass es inzwischen für alle denkbaren Schularten, Bildungsqualifikationen und Studiengänge internetbasierte E-Learning-Programme gibt, die zum jeweils gewünschten Abschluss führen. Trotzdem, Bildungserwerb ist keine Einbahnstraße, es ist ein lebendiger, auf Wechselseitigkeit angelegter Prozess zwischen Lehrendem und Lernendem. Nur in dem kritischen Austausch mit und auch dem Reiben an Personen, der Faszination, die von lebendigen Bildungsträgern ausgeht, aber auch der ständigen Herausforderung in einer Gemeinschaft vieler Lernender wird wahre Bildung möglich. Letztendlich haben auch die Begleituntersuchungen zu den PISA-Studien gezeigt, wie wichtig gerade heute gute Lehrkräfte für den Bildungserfolg sind. Nicht die Qualität von Unterrichtsmaterialien, nicht die technische Modernität von Unterrichtsmedien garantieren gute Leistungsergebnisse, nein, es ist in erster Linie die Qualität der Lehrkräfte, die für gute (oder schlechte) PISA-Ergebnisse sorgt.

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