Schreiben, was ich will

von Heinrich Schmitz26.12.2014Gesellschaft & Kultur

Von wegen Lügenpresse. Ich habe hier ein Jahr lang über Themen geschrieben, die mich interessieren.

Das Jahr 2014 ist in ein paar Tagen zu Ende. Knapp 53 Wochen. Das ist meine 53. Kolumne in diesem Jahr. Jede Woche eine, seit ein paar Monaten immer am Wochenende, meistens samstags – macht der „Spiegel“ ja ab Januar auch so.

Als ich im April 2013 das Angebot von The European bekam, eine wöchentliche Kolumne zu rechts- und gesellschaftspolitischen Themen zu schreiben, habe ich zunächst gezögert. Schreiben, ja, in einem aufstrebenden Debattenmagazin publizieren, na klar. Aber jede Woche? Wie soll mir jede Woche was einfallen? Artet das nicht in Stress aus? Leidet darunter nicht die Qualität? Ich bin doch kein Journalist? Wer will denn überhaupt lesen, was ich da von mir gebe?

Das letzte Mal, dass ich vorher etwas veröffentlicht hatte, war in einer Schülerzeitung. Diese Zweifel zerstreute vor allem mein Freund “Alexander Wallasch”:http://theeuropean.de/alexander-wallasch/, der mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, ab und an mal was zu einem Rechtsthema zu schreiben und der mich auch der Redaktion als Kolumnist empfohlen hatte. Außerdem hatte ich doch nichts zu verlieren. Mehr als die Kolumne gescheitert wieder einzustellen konnte doch nicht passieren. Also sagte ich zu und begann einfach mal mit meiner Kolumne „Recht klar“.

Mir gehen die Themen nicht aus

NSU, NSA, V-Leute, Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafverteidigung, Opferschutz, aber auch Grund- und Menschenrechte wie Meinungs-, Presse-, Religions- und Versammlungsrecht, Wahl- und Verfassungsrecht, Beschneidungs- und Sterbehilfedebatte, AfD und PEGIDA und vieles andere mehr. Mittlerweile weiß ich, dass ich keine Angst zu haben brauche, dass mir die Themen ausgehen werden.

Von manchen Leserbriefschreibern wird moniert, dass ich alle Probleme immer nur kühl aus juristischer Sicht betrachte und zu sehr den rechtlichen Status quo verteidige. Das mag vielfach so sein. Für einen Nachteil halte ich das allerdings nicht. The European erlaubt mir den großen Luxus, die Themen auf meine Weise zu behandeln. So kann ich genau das schreiben, was ich selber als Leser mal gerne lesen würde, aber nirgendwo anders finde. Jedenfalls nicht in dieser Form. Falls jemand einen Themen-Tipp für mich hat, ich bitte darum.

Obwohl wir in einem Rechtsstaat leben – und das tun wir, auch wenn manche meinen, wir wären lediglich eine lustige BRD-GmbH –, sind Rechtskenntnisse unter Nichtjuristen nur rudimentär vorhanden. Die dringend notwendige Rechtskunde in den Schulen ist unterentwickelt. Vielleicht soll das ja auch so sein, damit der Bürger seine Rechte gar nicht so richtig kennt. Schwer zu sagen, warum z.B. Chemiekenntnisse für den Normalbürger wichtiger sein sollten als Rechtskenntnisse.

Wenn über spektakuläre Strafverfahren in den Medien berichtet wird, ist manche Darstellung über die rechtlichen Hintergründe eher dünn, wenn sie nicht gleich ganz falsch ist. Das hat mich als Medienkonsument schon immer richtig geärgert. Als Kolumnist habe ich die Möglichkeit, solche Fehler aufzuklären.

The European gibt mir auch den dazu erforderlichen Platz. Das ist ein weiterer Luxus. All den Clowns, die in den Medien nur eine von oben gesteuerte Lügenpresse sehen, die gefälligst die Fresse zu halten hat, kann ich nur sagen, dass mir bis heute in keinem einzigen Fall von der Redaktion ein Thema vorgegeben wurde, oder dass mir auch nur ein einziges Wort aus einem Text gestrichen wurde. Ich kann im wahrsten Sinne des Wortes in dieser Kolumne schreiben, was ich will. Wenn das anders wäre, würde ich auch einfach damit aufhören. Genau das macht den European für mich wertvoll.

Niemand ist im Besitz der einzigen Wahrheit

Und auch Sie als Leser können schreiben. Es ist eben ein Debattenmagazin. Selbst die gröbsten Angriffe in Form von Leserbriefen werden veröffentlicht, sofern sie nicht gerade einen strafbaren oder jugendgefährdenden Inhalt haben. Dass das mal so gewesen wäre, kann ich allerdings nicht sagen. Für mich sind diese Leserbriefe immer spannend, ganz gleich ob sie positiv oder negativ sind. Denn in beiden Fällen zeigen sie, dass meine Kolumne nicht nur gelesen wird, sondern auch jemand darüber nachdenkt und sich die Mühe macht, seine Meinung dazu zu sagen. Niemand muss meine Meinung teilen und jeder soll die in den Kolumnen dargestellten Fakten kritisch überprüfen. Niemand ist perfekt und niemand ist im Besitz der einzigen Wahrheit. Dass 3 Juristen 4 Meinungen haben, ist schon sprichwörtlich, und was Sie bei mir lesen, ist nur meine Meinung. Zwar möglichst mit Nachweisen versehen, aber nicht alternativlos.

Demokratie lebt von Meinungsvielfalt. Wer regelmäßig The European liest, wird nicht bestreiten können, dass die Kolumnisten ein breites Meinungsspektrum abdecken. Wer da meint, von „Lügenpresse“ sprechen zu müssen, der will vermutlich keine anderen Meinungen hören, sondern nur seine eigene. Diese antidemokratischen Plärrer können noch so viel rufen, sie seien das Volk, sie sind es nicht. Und alle anderen sollten bei Wahlen dafür sorgen, dass sie es auch nicht werden. Dann wäre nämlich schnell Feierabend mit einer freien Presse, mit Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt. Erst dann würde gleichgeschaltet.

Solange das nicht geschieht, werden Sie auch künftig jeden Samstag von mir lesen.

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