Vorkriegszeiten

von Heinrich Schmitz28.04.2014Außenpolitik

Wer älter wird, blickt gern zurück. Aber geht das in diesen Zeiten? Unser Kolumnist schaut ob seines Geburtstags nach vorn und auf die drohende Kriegskulisse am Horizont.

Heute werde ich 56. Mein ganzes Leben lang kenne ich Krieg nur aus den Erzählungen meiner Eltern, die den 2. Weltkrieg als Kinder erleben mussten und jeweils einen Bruder verloren, aus fernen Ländern in der „Tagesschau“, aus Büchern wie „In Stahlgewittern“ oder als Fiktion aus Kino oder Fernsehen.

Ich dachte, das würde bis an mein Lebensende so bleiben. Ich dachte, die Schrecken der beiden Weltkriege, die Erfahrungen des Korea- und des Vietnamkrieges, die Atombombeneinsätze in Japan, der wenig erfolgreiche Krieg in Afghanistan und die Massaker in Afrika hätten gewirkt. Irgendwann müsste doch auch der Dümmste verstanden haben, dass Krieg einfach nur Scheiße ist. Zu Beginn der Krimkrise war ich noch der Meinung, dass außer dem Anschluss der Krim nichts weiter passieren würde. Scheint aber nicht so zu sein.

So wie es aussieht, soll mal wieder Krieg in Europa sein. Ist ja auch schon fast 70 Jahre her. Fast vergessen. War wohl doch nicht so schlimm. Selbst unser oberster Freiheitspräsident meint ja, wir müssten militärisch mal endlich was mehr mitmachen. Wir Weicheier.

Unser wackerer Außenminister Steinmeier ruft zwar zu Recht alle künftigen Krieger auf, „diesen Irrsinn zu beenden“, aber die stecken sich ganz fest die Finger in die Ohren. Krieg scheint wieder geil zu sein. Völkerrecht ist nur was für Juristen und andere Loser, nicht für echte Krieger. Vernunft? Nö, Kante statt Kant.

Sind die eigentlich alle bekloppt?

Kriegsrhetorik auf allen Seiten. Der Begriff „Säbelrasseln“ verniedlicht das Ganze. Wer kämpft heute noch mit Säbeln? John Kerry droht Russland, Sergej Lawrow droht der Ukraine, und der ukrainische Übergangsministerpräsident Arsenij Jazenjuk unterstellt Moskau, einen „dritten Weltkrieg“ beginnen zu wollen. Die einen machen ein fettes Manöver an der ukrainischen Grenze, die anderen eine „Anti-Terror-Operation“ in der Ostukraine. „Pro-Russische-Separatisten“ nehmen OSZE-Beobachter fest und bezeichnen sie schon mal als „Kriegsgefangene“. Die sind also schon im Krieg. Wer diese Leute sind, weiß man nicht. Die einen sagen so, die anderen so. Die Propagandamaschinen sind angefahren. Und so geht es immer weiter. Die Lust an der Provokation ist unverkennbar. Pubertäre Schwanzvergleiche auf beiden Seiten. Wer keinen Schwanz zum Vergleichen hat, droht mit irgendwelchen nebulösen „Sanktionen“. Irgendwann knallt’s dann aber richtig.

Sind die eigentlich alle bekloppt? Dabei sah es ja vorige Woche noch danach aus, als gäbe es einen vernünftigen Weg aus der Bredouille.

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