Geld oder Leben

von Heather De Lisle17.07.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien

Barack Obama hat gedroht, lebenswichtige Sozialleistungen einzufrieren, wenn es bis zum 2. August keine Einigung in der Schuldenfrage der USA gibt. Das ist natürlich Quatsch. Doch wer löst eigentlich die dringenden Probleme, wenn alle nur mit Streitigkeiten beschäftigt sind?

Nach einer viel zu kurzen Sommerpause bin ich jetzt wieder in Berlin und merke, dass sich nicht viel verändert hat. Damaskus schießt weiterhin auf Demonstranten, Griechenland ist immer noch pleite und wir sind auf dem besten Weg dahin. Eigentlich müsste ich jetzt einen Artikel über die Schuldenkrise schreiben, aber mir fehlt einfach das nötige Wissen. Ja, ich bin zwar Journalistin und ja, die USA ist mein Hauptgebiet – aber die Wirtschaft ist ein Fach für sich und ich verstehe nicht viel davon.

Schockierende Bockigkeit

Aus der Perspektive eines Laien kann ich nur sagen, dass ich das, was in den vergangenen Tagen passiert ist, schockierend finde. Barack Obama hat damit gedroht, die Social-Security-Auszahlungen – also die Renten – zu stoppen, wenn die Republikaner keinen Kompromiss eingehen. Selbst als Laie weiß ich, dass die Schuldenobergrenze, wenn sie erreicht wird, die Regierung nicht daran hindert, Geld auszugeben. Sie hindert die Regierung nur daran, mehr Geld auszugeben, als eingenommen wird. Es gibt garantiert eine lange, lange Liste voller Ausgaben, die weniger dringend sind als die Rentenauszahlungen. So etwas anzudrohen erscheint mir unnötig und einfach krude. Wieso muss er den Omis und Opis der Nation so einen Schrecken einjagen? Und dann so tun, als seien die Republikaner dran schuld? Als ob das nicht schlimm genug wäre, meldete sich die demokratische Kongressabgeordnete Sheila Jackson Lee aus Texas zu Wort mit der Behauptung, die Republikaner stellen sich nur bockig, weil Obama Afro-Amerikaner sei. Ich dachte zuerst, ich lese nicht richtig. Aber es ist wahr. Miss Jackson Lee ist der Meinung, dass die Republikaner im Kongress die Schuldenobergrenze nicht erhöhen wollen, weil sie Angst vor dem schwarzen Mann haben. Ich weiß nicht, wer für diese Frau gestimmt hat, aber man sollte sie schleunigst wieder abwählen. Ich bin ja dran gewöhnt, schwachsinnige Statements von den Demokraten zu hören, aber das toppt jetzt wirklich alles.

Wer löst die Probleme, wenn alle streiten?

Fakt ist, dass wir alle pleite sein werden, wenn nicht bald etwas passiert. Fakt ist auch, dass die Demokraten und Republikaner sich nicht einigen können, wie man das am besten verhindert. Ich bin kein Wirtschaftsexperte, aber selbst ich weiß, dass dieser Stillstand nicht ewig halten kann. Alle Republikaner als rassistisch zu beschimpfen und den Rentnern ihr Geld wegzunehmen, sind auch keine Lösungen. Können wir einfach mal mit dem Schwachsinn aufhören und damit anfangen, das Problem zu lösen?

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