Untergang mit Glanz und Gloria

von Heather De Lisle1.05.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien

Donald Trump überlegt, für die Präsidentschaft zu kandidieren – ein Horrorszenario. Für die Zukunft der Republikaner wäre die Casino-Krawallkanone eine tragische Figur. Auch wenn Obama eine schlechte Figur abgibt – kein normaler Amerikaner würde für The Donald stimmen.

Diese Woche bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Donald Trump in Wirklichkeit ein Obama-Fan sein muss. Anders kann ich mir den Unsinn nicht erklären, den er verbreitet. In seiner Rede in Las Vegas sagte „The Donald“ (wie wir Amis ihn nennen) viele Dinge, die ich auch unter Freunden sage. Zum Beispiel, dass die Chinesen uns nur verarschen. Oder dass die Saudis die Ölpreise künstlich in die Höhe treiben. Oder dass der jetzige Präsident „schwach“, „inkompetent“ oder „bescheuert“ ist. Ich bin aber keine Politikerin, also darf ich auch solche Sachen sagen. Obwohl es schön ist, dass endlich mal jemand Klartext redet, bin ich mir nicht ganz so sicher, ob The Donald als Präsident uns nicht innerhalb von 48 Stunden in mehrere Kriege führen würde.

Hart aber fair?

Zugegeben: Trumps Wiedererkennungswert trägt wahrscheinlich zu seiner Popularität bei – und auch dazu, dass die Medien so viel über ihn berichten. Der Mann hat unzählige Milliarden und seine eigene Hit-Sendung im Fernsehen. Er ist als harter aber fairer Chef bekannt, und als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Vielleicht sehnt sich Amerika im Moment danach. Auf der politischen Bühne ist er erst vor Kurzem richtig aufgetaucht, als er die unsinnige Debatte über Obamas Geburtsurkunde wieder zum Thema machte. Ich mag Obama nicht, aber ich bin nicht naiv genug zu glauben, dass jemand ohne die richtigen Qualifikationen Präsident werden kann, auch nicht in Amerika. Viele Konservative – überwiegend aus der Ecke der Tea Party – waren aus mir unersichtlichen Gründen davon überzeugt, dass Obama in Kenia geboren wurde und nicht in Amerika. Damit wäre er nicht als Präsident wählbar gewesen. Man darf nur Präsident werden, wenn man entweder in Amerika geboren wurde, auf amerikanischem Boden (z.B. auf einer Militärbasis wie ich) oder im Ausland, während die Eltern offiziell im Dienste der Regierung unterwegs waren (z.B. Diplomaten oder Spione). Nun wurden aber nicht zuletzt dank Donald Trump ein für alle Mal diese Spekulationen widerlegt. Das Weiße Haus hat in der vergangenen Woche endlich Obamas Geburtsurkunde veröffentlicht. Wieso er das nicht schon viel früher getan hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wollte Obama mal wieder die Konservativen blöd aussehen lassen. Leider kümmern wir uns selber immer häufiger darum.

Kinderschreck Donald

Der Grund, wieso ich mich über Donald Trump ärgere, ist, dass er die Republikaner in Amerika blöd aussehen lässt. Und er erschreckt damit Wähler, die wir unbedingt brauchen. Sollte er die Nominierung gewinnen, haben wir ein Problem – denn viele Wähler werden lieber gar nicht wählen, als sich zwischen den zwei Übeln Obama und Trump zu entscheiden. Und wenn er die Nominierung nicht gewinnt, haben wir ein noch größeres Problem – denn dann hat Obama eine zweite Amtszeit garantiert. Wenn Trump nämlich als Independent in den Rennen startet, wird er alle ultra-konservative Stimmen auf sich ziehen. Stimmen, die sonst auch einen gemäßigten Kandidaten wie Mitt Romney gehören würden. Denn selbst ein Mormone ist besser als Obama. Tatsache bleibt, dass The Donald in der letzten Rasmussen-Umfrage vom 28. April an erster Stelle liegt, vor Mitt Romney und Mike Huckabee. Miss Alaska Sarah Palin schafft nicht mal die 10-Prozent-Hürde. Egal ob wir es wollen oder nicht (und offensichtlich wollen es doch ein paar Amis): The Donald scheint zumindest eine Chance auf die Nominierung zu haben. So etwas gibt es nur in Amerika.

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