An den Pranger

von Heather De Lisle17.04.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien

Das deutsche Justizsystem bietet zu viel Täter- und zu wenig Opferschutz. Kinderschänder müssen lebenslang für ihre Taten büßen – ihre Resozialisierung ist nichts als ein Wunschtraum. Und auch eine Datenbank aller Pädophilen im Netz kann dazu beitragen, unsere Kinder zu beschützen.

Als Til Schweiger im Februar bei Markus Lanz ausrastete, habe ich in meinem Wohnzimmer einen Freudentanz gemacht. Ich hoffte, Schweigers Aussagen würden eine sarrazineske Debatte über Strafmaßnahmen für Kinderschänder und Sexualstraftäter in Deutschland herbeirufen. Schließlich hatte er das gesagt, was so viele von uns denken, aber keiner sich traut, in der Öffentlichkeit zu sagen – nämlich, dass es bestimmte Straftaten gibt, für die es keine Entschuldigung gibt und keine geben darf. Bestimmte Straftaten, für die man für immer und ewig weggesperrt bleiben muss. Dann kam auch Stefanie zu Guttenberg ums Eck mit einer Sendung, in der sie pädophile Internet-Täter auffliegen lässt. Da habe ich auch vor Freude getanzt. Aber passiert ist bis heute noch nichts – außer, dass sich manche Irrsinnige darüber beschwert haben, dass die Rechte der Täter durch solche Sendungen verletzt werden. Die Rechte der Täter? Da zitiere ich Herrn Schweiger: „Ich bin der Meinung, dass jemand, der eine Sexualstraftat begeht, sein Recht in dieser Gesellschaft verwirkt hat.“

Wie kann das sein?

Nun ist es wieder passiert. Ein Mann, der schon einmal auffällig geworden ist, ermordete und missbrauchte Kinder. Zwei Jahrzehnte lang. 40 Kinder soll er missbraucht haben. Fünf davon hat er anscheinend ermordet, um seine Tat zu vertuschen. Der als „schwarzer Mann“ bekannte Täter, der auch wohl für den Mord an Dennis verantwortlich ist, wurde jetzt endlich geschnappt. Die Polizei sagt, der Mann sei als Sexualtäter bekannt aber nicht vorbestraft. Deswegen durfte er bis jetzt frei rumlaufen. Er wurde sogar schon 2007 im Mordfall Dennis vernommen, hat aber bei der Vernehmung gelogen und wurde deswegen wieder freigelassen. Wieso wurden seine Aussagen damals nicht überprüft, frage ich mich. Ich frage mich auch, wieso dieses Monster, der als Sexualtäter bekannt war, nicht für seine früheren Taten bestraft wurde. Er stand nämlich schon vor Gericht, weil er zwei kleine Jungs in seiner Wohnung missbraucht hat. Damals kam er aber mit einer Geldstrafe davon und durfte sogar noch mit Kindern arbeiten. Ein paar Jahre später bekam er im Zusammenhang mit einer Kinderporno-Erpressungsklage lediglich eine Bewährungsstrafe. Deutschland, was ist hier los? Wie kann es sein? Wieso durfte dieses Monster weiter mit Kindern arbeiten, obwohl er auffällig geworden war? Laut Polizei hat er genau diese Tätigkeit als Betreuer benutzt, um die Wohnheime und Ferienlager auszuspionieren, aus denen er später seine Opfer entführte. Wie kann das sein? Ich werde hier nicht für die Todesstrafe plädieren; wir sind in Deutschland und ich weiß, dass das hier nicht geht. Wofür ich aber plädiere, ist eine lebenslängliche Strafe. 15 Jahre sind keine lebenslängliche Strafe. Und da die Sicherheitsverwahrung jetzt dank Brüssel auch vom Tisch ist, bedeutet das, dass der Täter in diesem Fall eventuell mit 55 Jahren wieder freikommt und weiter morden kann. Das ist eine Verhöhnung der Opfer. Der sexuelle Missbrauch von Kindern – egal in welcher Form – sollte immer die höchstmögliche Gefängnisstrafe bedeuten. Immer. Es kann nicht sein, dass man Kinder missbrauchen darf und dafür nur eine Geldstrafe bekommt. Oder Bewährung.

Ich möchte wissen, ob mein Nachbar ein Kinderschänder ist

Ich finde auch, dass ein Internetpranger her muss. Ich möchte wissen, ob ein vorbestrafter Kinderschänder in meinem Haus wohnt. Viele, die gegen eine Veröffentlichung solcher Listen im Internet sind, sagen, dass das System in Amerika nicht funktioniert, dass Unschuldige aus Wohnorten gehetzt werden, weil sie auf der Kinderschänder-Liste auftauchen. Das liegt aber daran, dass ein 19-Jähriger, der Sex mit einer 17-Jährigen hatte, als Kinderschänder angeklagt und verurteilt werden kann, weil die 17-Jährige nun mal als minderjährig gilt. Das kann hier in Deutschland nicht passieren, da man ab 16 einvernehmlichen Sex haben kann, ohne dass der Partner bestraft wird. Ich bin mir sicher, dass ein Internetpranger für Kinderschänder hier in Deutschland so strikten Auflagen unterliegen würde, dass wirklich nur die schuldigen Monster darin aufgelistet werden. Deutschland, schützt eure Kinder. Wie viele müssen noch sterben, bevor diese Gesellschaft der Gutmenschen bereit ist, „Stopp“ zu sagen? Wie viel Leid müssen die Mütter, die Väter und die Opfer noch ertragen? Wie lange wollt ihr noch wegschauen? Viele Prominente, u.a. Til Schweiger und Stefanie zu Guttenberg, arbeiten schon mit Charity-Einrichtungen für Opfer zusammen. Schön wäre es, wenn Deutschlands Promis sich auch für angemessene Strafen für die Täter einsetzen würden. Ich habe in dieser Woche mit vielen Leuten über den Fall Dennis gesprochen. Deutsche und Ausländer, Linke und Konservative. Eltern und welche, die es nie werden wollen. Alle sagten: Es muss sich was verändern in Deutschland. Ich kann mir nicht aussuchen, wie es weitergeht. Ich bin hier nur zu Gast in eurem Land und habe nicht das Recht, euch zu sagen, wie ihr euer Justizsystem zu gestalten habt. Das amerikanische System hat ja auch viele Fehler. Aber als Mutter habe ich dennoch Wünsche. Ich will einen Internetpranger für Kinderschänder. Ich will eine Mindeststrafe, die angemessen ist. Ich will nicht, dass Psychologen mir sagen, dass so ein Mensch therapiert werden kann. Ich will nichts von Resozialisierung hören. Ich will ein Justizsystem, dass auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat. Und ich möchte in einer Welt leben, in der die Opfer als Opfer behandelt werden und nicht nur das „Leid“ der Täter diskutiert wird. In einer Welt, in der diese Monster sich nicht trauen, unseren Kindern etwas anzutun.

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