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Der unerklärte Krieg

Was Barack Obama versäumt hat, holt nun ausgerechnet ein Republikaner nach. Senator Rubio erklärt den Amerikanern, was die US-Armee eigentlich in Libyen macht: einen Diktator aus dem Amt jagen. Und der ist unter anderem auch für das Lockerbie-Attentat verantwortlich.

Marco Rubio ließ diese Woche mein Repulikanerin-Herz höherschlagen, als er sich als offenbar einziges Parteimitgleid outete, der noch die cojones hat, Klartext zu reden. In einem Brief an den US-Senat fordert er die Abgeordneten auf, den US-Miltär-Einsatz in Libyen offiziell zu genehmigen, und zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, Gaddafi endlich aus dem Amt zu jagen.

Dass Rubio, der erst im November in den Senat gewählt wurde, einen solchen Alleingang wagt, finde ich super. Und auch notwendig. Denn wie so oft seit 2008 hat Barack Obama es versäumt, dem amerikanischen Volk zu erklären, was er zum Teufel noch mal macht. Irgendwie machen wir in Libyen mit, aber irgendwie auch nicht. Irgendwie unterstützen wir die Rebellen dort, aber irgendwie auch nicht. Rubio ist der Meinung, dass eine Welt ohne Gaddafi in unserem Interesse wäre.

Die USA sind eine Nation mit außergewöhnlichen Kräften

Offensichtlich hat er als Einziger nicht vergessen, dass Gaddafi verantwortlich war für das Attentat auf den Pan-Am-Flug 103, in dem unter anderem 189 Amerikaner ermordet wurden. Die Tatsache, dass Gaddafi sich dafür entschuldigt hat, macht es nicht ungeschehen. Und wenn Gaddafi gewinnt, bedeutet das ein Ende des „Sandsturms der Veränderung“ in den arabischen Ländern. Wenn die Demonstranten und Rebellen in der Region merken, dass der Westen tatenlos zusieht, während ein Tyrann sein eigenes Volk schlachtet, dann werden sie verständlicherweise nicht mehr bereit sein, ohne Rückendeckung ihr Leben zu riskieren. (Okay, der Westen sieht nicht vollkommen tatenlos zu, aber unter Hilfe haben die Rebellen, glaube ich, etwas anderes verstanden.)

In seinem Brief erinnert Rubio auch daran, dass Amerika nicht einfach irgendein Land ist, sondern eine außergewöhnliche Nation mit außergewöhnlichen Kräften. Und dass damit auch besondere Verpflichtungen verbunden sind. Obama mag zwar die EU davon überzeugt haben, dass Amerika nicht mehr die Weltpolizei ist, aber wenn wir’s nicht sind, wer dann?

Rubio weiß, was es heißt, unterdrückt zu werden

Als Sohn zweier Exil-Kubaner weiß Marco Rubio sehr wohl, was es heißt, unterdrückt zu werden. Seine Familie konnte Fidel Castro entkommen und fand in Amerika ihre Zukunft. Sein Vater jobbte als Barkeeper, seine Mutter als Putzfrau in einem Hotel. Das College konnte sich Rubio nur leisten mit Hilfe eines Stipendiums. Vielleicht ist es seine Herkunft, die ihn dazu treibt, den Mund aufzumachen wo andere lieber schweigen. Vielleicht wurde er aber auch einfach anders erzogen. Nicht wie die meisten Schlipsdeppen in Washington, die mit Geld geboren wurden und mit Geld auch sterben werden.

Mein Fazit: Gaddafi muss raus, Rubio muss rein. Und zwar am liebsten als Präsidentschaftskandidat 2012.

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