Es können Brücken gebaut werden zwischen Müsli-Essern, Wertkonservativen und Brioni-Trägern. Peter Müller

Dislike

Die US-Wirtschaft geht langsam aber sicher den Bach runter und der Präsident denkt scheinbar nur an seine Wiederwahl. Während die Schulden steigen, sitzt Obama beim Facebook-CEO Zuckerberg und gibt sich lässig. Selbst seinen Freunden kann das nicht gefallen.

Das reichste Land der Erde ist pleite, Amerika hat immer noch keine Strategie für Libyen entwickelt, der Dollar verliert massiv an Wert und die Arbeitslosigkeit in den USA steigt unaufhaltsam. Man könnte sich – angesichts dieses Schreibtischs voller Probleme – eigentlich denken, dass der Präsident Besseres zu tun hat, als Mark Zuckerberg einen Besuch abzustatten. Aber nein. Genau wie vom ersten Tag seiner leider erfolgreichen Kampagne 2008 an, ist Barack Obamas erste Priorität er selbst und sein Image. Das amerikanische Volk und sein Leid scheinen ihm nicht besonders wichtig zu sein. Das libysche Volk sowieso nicht.

Obama gibt den lässigen Typ, derweil geht die Wirtschaft den Bach runter

Schon die Schlagzeilen machten mich stutzig. „Barack Obama als erster US-Präsident zu Besuch bei Facebook!“ Da die Seite erst ab 2008 wirklich bedeutend war, ist es wenig erstaunlich, dass kein anderer Präsident in der Zentrale aufgetaucht ist. Weitere unsinnige Sätze in der Berichterstattung: „Obama ist der erste Präsident mit einer eigenen Seite bei Facebook!“ „Kein anderer US-Präsident hat Facebook genutzt, um mit seinen Wählern zu kommunizieren!“ Natürlich hat noch kein anderer das gemacht. Die Seite gab’s ja auch nicht vorher.

Obamas Auftritt bei Facebook – als cooler, lässiger Typ mit hochgekrempelten Ärmeln – ist ein Schlag ins Gesicht für das amerikanische Volk. Die Wahlkampfsaison ist noch nicht einmal eröffnet, und schon schmeißt er sich ins Zeug, voll Zuversicht, dass seine „Freunde“ aus 2008 sich noch einmal blenden lassen von schönen Worten und Wolkenschlössern. Das, was Obama aber nicht versteht, ist, dass Facebook nicht mehr allein von Demokraten besucht wird. Die Tea Party, Sarah Palin und zahlreiche konservative Bewegungen sind auch auf der Social-Networking-Seite unterwegs. Und sowieso neigen Facebook-User dazu, von einem Tag auf den nächsten das Interesse an etwas zu verlieren. Oder weiß irgendjemand noch, wie diese Guttenberg-Bewegung hieß?

Der Schuldenberg wächst

Aber viele Facebook-Mitglieder wären vermutlich schon froh darüber, wenn der Präsident sich erst mal um die Wirtschaft kümmert, anstatt Wahlkampf zu machen. Erst am Montag wurde der Bonitätsausblick herabgestuft, Amerika steht kurz davor, die Top-Bewertung zu verlieren. Wenn Obama jetzt nichts unternimmt, erreicht das Haushaltsdefizit bald 100 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Und das verdient nicht mal bei Facebook ein „Like“.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Heather De Lisle: Der BlackBerry-Aufstand

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