Was Frauen wollen – online

Hasso Mansfeld20.03.2015Gesellschaft & Kultur

Sie nutzen Online-Dating-Angebote wie Tinder oder Elitepartner und würden gerne Ihre Erfolgsquote verbessern? Unser Kolumnist Hasso Mansfeld weiß, wie!

Heute ist Frühlingsanfang, die steigenden Temperaturen lassen nicht nur Blumen, sondern auch Hormone sprießen. Das ist jetzt auch statistisch bewiesen: Laut der Studie eines Datingportals steigt bei 79 Prozent aller Singles im Frühling die Sehnsucht nach einem Partner. Hochsaison also für Internet-Angebote, die dem Flirten, Werben und Buhlen eine Plattform geben. Für so ein Angebot habe ich vor geraumer Zeit publizistisch gearbeitet und mich mittels einer statistischen Untersuchung der Frage gewidmet, was Frauen wirklich wollen. Dabei haben wir ausgewertet, welche Profile der männlichen Nutzer die meisten Rückmeldungen bekamen. Gemessen wurde schlicht, auf welche Wörter und Begriffe die meisten Zuschriften erfolgten. Die Erkenntnisse der Studie sind geeignet, auf Tinder, Elitepartner, Parship & Co. deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen. Probieren Sie es aus!

Rotwein statt Pommes rot-weiß

Vor Anfragen kaum retten können sich Männer, in deren Selbstbeschreibung die Worte „verlässlich“ und „Freundeskreis“ fielen. Das ultimative Reizwort ist aber „Kultur“. Ganz oben rangieren auch „privat“ und „Küsse“. Viele Rückmeldungen bekommen Männer, in deren Profil etwas über „Kunst“ oder „Rotwein“ steht. Emotionale Begriffe ziehen auch; besonders „Geborgenheit“ oder „früher“. Ebenfalls Spitze sind die Begriffe „handwerklich“, „miteinander“ und „Kind“. Sie stehen für Typen, die zupacken können, aber nicht egoistisch ihre Interessen verfolgen.

Die Botschaft der Top-Reizwörter? Frauen suchen gesellige Kerle, die Rotwein mehr schätzen als Pommes rot-weiß. Rotwein wird mit gutem Einkommen und hohem Status assoziiert, genau wie „Kultur“ und „Kunst“. Natürlich wollen Frauen ihrem Mann auch vertrauen können. Das geht nur mit einigermaßen zuverlässigen Typen – und wenn die das wenig maskuline Wörtchen „Geborgenheit“ fallen lassen, werden sie kaum drei parallel laufende Affären haben.

Eine Frau kontrolliert ihren Sex

Charakter und Status geben also den Ausschlag. Aber warum wird der Sex totgeschwiegen? Wird er nicht. Die Frau denkt die Sache nur vom Ende her: der Reproduktion. Die Top-Reizwörter „Geborgenheit“, „miteinander“ und „Kind“ verweisen auf Sex.

„Eine Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex“, so die Schriftstellerin Esther Vilar. Der von Frühlingsgefühlen tyrannisierte Mann will aber ohne Verzögerungstheater ins Ziel kommen. Egal ob bei Tinder oder “neu.de”:http://www.neu.de. Falls er klug ist, schreibt er ein paar Reizwörter aus der Studie in sein Profil. Die zielen mitten ins Gefühlszentrum der Frau – und dort findet der erste Schritt Richtung Bett statt.

Und mit welchen Begriffen katapultiert man(n) sich ins Abseits? „Seitensprung“ und „Maschine“ belegen die letzten Plätze. Kaum besser positionieren sich die Telefonsex-Vokabeln „geil“, „diskret“, „sexuelle“. Achtung: Ein Mann sollte nie „cool“ oder „mollig“ schreiben – beide Wörter stehen ganz weit unten. Und noch mal Achtung! Rechtschreibfehler zerstören die Anziehungskraft: Im Kellergeschoss der zugkräftigen Begriffe stehen viele Einträge, die dort wegen der verkehrten Schreibweise gelandet sind, etwa „Erlichkeit“ oder „binn“. Klar, welche Frage sich die Frau da stellt: Wer nicht mal einfache Wörter richtig schreiben kann, was kann der überhaupt?

Frauen geht es ums Geld

Was jemand kann, lässt sich an seinen Hobbys ablesen. Können zählt für Frauen aber nicht. Respekt-Sportarten wie Judo, Karate oder Kickboxen rangieren in der weiblichen Gunst auf sehr niedriger Stufe. Noch schlechter kommen Tuning und Motocross, den letzten Platz belegt „ficken“. Das Spitzentrio der Hobby-Auswertung bilden „Kabarett“, „Architektur“ und „Kamin“. Auch wenn der Kamin in Wahrheit bei den Großeltern steht: trotzdem hinschreiben. Es kann nicht schaden.

Was hinter dem weiblichen Antwortverhalten steckt? Wenn man die Studie genau betrachtet, gelangt man zu zwei Interpretationen. Die schmeichelhafte: Frauen geht es um den Charakter. Die brutale: Frauen geht es ums Geld. Kultur- und Weinleidenschaft stehen für ein bestimmtes Typenprofil, sie beschreiben aber auch das Interessenfeld der Oberschicht. Wer die schönen Künste und die feinen Tropfen schätzt, ist in der Regel wohlhabend. In der brutalen Interpretation der Studie sind Geld und Status für Frauen entscheidend. Ein hoher sozialer Rang und gut gefüllte Konten machen einen Mann unabhängig von den gesellschaftlichen Zwängen. Unabhängigkeit ist ein typisches Alpha-Merkmal. Das instinktive Unbewusste der Frau ist beinahe gezwungen, unabhängige und wohlhabende Männer anziehend zu finden.

Ehrlichkeit wirkt unattraktiv

Und was bei der Frage angeben, wie „sie“ sein soll? Man hält sich lieber vage. Auf die Spitzenplätze kommen in der Studie „Glück“, „genießen“ und „positiv“. Also keine Beschreibungen der Wunschpartnerin, sondern der erträumten Zweisamkeit. Falls es doch auf einen Wunschzettel hinausläuft, goutieren Frauen einen Mann, der eine „natürliche“, „attraktive“ oder „zufriedene“ Partnerin sucht. Das sind Vokabeln mit wenig eindeutiger Aussagekraft, da jeder hineininterpretieren kann, was er will. Dass sie bestens positioniert sind, leuchtet trotzdem ein, denn welche Frau will nur für ihren Körper oder andere klar benennbare Eigenschaften geliebt werden? Kurzum: Wer die Wunschmerkmale ehrlich auf den Punkt bringt, wirkt unattraktiv.

Ein Mann auf Partnersuche muss abwägen, was er von sich gibt – eine Frau nicht. Die Studie des Datingportals belegt, dass Männer nicht sonderlich auf Reizwörter reagieren und ihnen die Hobbys der Frau egal sind. Für Männer zählt vor allem das Aussehen: Je mehr der geschätzte Body-Mass-Index der Frau dem Optimalwert entspricht, desto mehr Männer interessieren sich für sie. Das weibliche Begehren hingegen ist feiner gewebt. Deshalb gilt für den Mann: Wer beim Online-Dating punkten will, muss kein George Clooney sein, sondern seine Karten richtig ausspielen, das heißt, die Worte richtig wählen.

Fazit: Frauen interessiert weniger, wie ein Mann aussieht, oder wie alt er ist – sondern was er kommuniziert und welchen sozialen Status er hat.

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