It’s the teacher, stupid!

von Hasso Mansfeld17.04.2014Gesellschaft & Kultur

Lehrer zu sein, gehört zu den wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft. Doch Deutschland sucht systematisch sicherheitsbedürftige, chancenaverse Lehrkräfte aus.

Meine Schulzeit war der absolute Horror. Echt schlimm: 14 Jahre Terror und Frust. Ich war einer dieser Schüler, die vorgekaute „Wahrheiten“ nicht einfach akzeptieren wollten, nur weil sie von vermeintlichen Autoritäten kamen. Ich hatte schon damals den Hang, alles zu hinterfragen, und gab mich mit keiner Antwort leicht zufrieden. Meine Lehrer dankten mir das auf ihre Weise. Schlechte Noten, Strafarbeiten, blaue Briefe, Nachsitzen, persönliche Gemeinheiten.

Ein Lateinlehrer etwa, der seine Probleme mit mir hatte, setzte mich vor die Tür. Im Anschluss fragte er den Unterrichtsstoff ab. Und wen fragte er? Mich! Da ich draußen davon nichts mitbekam, setzte es wegen „Leistungsverweigerung“ eine 6. Ein anderes Mal, im Kunstunterricht, hatte ich ein Bild abgegeben, das mit einer 3- bewertet wurde. Ich warf die Zeichnung in den Müll. Eine Schülerin nahm sie später heraus und gab sie, das ist nicht erfunden, als die ihre ab. Ergebnis? Eine glatte 2!

Diskussionen abyssaler Tiefe

Willkür und Machtmissbrauch, stures Auswendiglernen und die Austreibung freier Gedanken, nicht zuletzt Beleidigungen und persönliche Verletzungen, das verbinde ich mit meiner Schulzeit. Ich zögere ein wenig, das zuzugeben, aber immer wenn ich irgendwo von einem Amoklauf in einer Schule lese, schauert es mich, ich denke: „Das hättest auch du sein können.“ In den naturwissenschaftlichen Fächern hatte ich ein 5er-Abo. In den anderen Fächern selten eine bessere Note als 3. Das Abiturzeugnis wurde am letzten Schultag in der Rangfolge der Durchschnittsnote verteilt: nach mir bekamen nur noch zwei Mitschüler ihr Zeugnis überreicht. Meine Lehrer waren sich einig und sagten es mir zum Abschied auch noch offen ins Gesicht: „Aus dir wird nix.“ Heute bin ich Diplom-Ingenieur mit Prädikatsexamen und seit 15 Jahren Unternehmer.

So viel zu meinen persönlichen Erfahrungen, die mit ein Grund dafür sind, warum ich die Bildungsdebatten unserer Tage sehr aufmerksam verfolge. Dreigliedriges Schulsystem oder integrierte Gesamtschule? Pardon: integrierte, integrative oder kooperative Gesamtschule, beziehungsweise integrativ-integrierte oder integrativ-kooperative Gesamtschule? Hauptschule, Realschule oder Realschule plus? Ganztagsschule, und wenn ja, freiwillige oder verpflichtende? G-8 Abitur, G-9 Abitur, Waldorfschule? Und so weiter und so weiter …

Wann immer in Deutschland über Bildung gesprochen wird, werden in abyssaler Tiefe Schulformen diskutiert. Und man streitet über formale Fragen, wie etwa die optimale Klassengröße, ob Psychologen und Sozialarbeiter benötigt werden, ob frontal oder in Gruppen unterrichtet wird, gar was die Cafeteria serviert. Sowohl die Hamburger Bildungsreform wie auch die Gegeninitiative „Wir wollen lernen“ sind typische Beispiele dieser technokratischen Haltung, die von DER zentralen Größe im Bildungswesen konsequent absieht: von der Qualifikation des Lehrers. Eine Einsicht, die Einstein noch so prägnant zu formulieren wusste: „Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und am Erkennen zu erwecken“, kommt in der Bildungsdebatte so gut wie gar nicht vor.

Das ist außerhalb von Deutschland ein wenig anders. In einer

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