Eine Regierung, die alle Bürger verdächtigt, sollte abtreten und sich ein anderes Volk suchen. Volker Beck

Neue Wege in der Bildung

Die Linke hat es geschafft: Unter dem Deckmantel der Bildung lernen Millionen Schulkinder die Mär vom ökologischen Sozialismus. Multiperspektiv ist das Stichwort der Stunde.

Die Knechte der Ausbeuterklasse laufen Amok ob der für sie unvorteilhaften Entwicklungen im gesellschaftlichen Bewusstsein, das in unserem Lande Platz ergreift. Frankfurts FDP-Chef Dirk Pfeil behauptet zu Unrecht, seine Partei hätte die Bildung im Lande in nur zwei Jahren an der Regierung so gerecht umverteilt, dass statt 15 Prozent wie 2009 jetzt nur noch zwei oder drei Prozent der Kapitalistenpartei ihre Stimme geben.

Es waren vielmehr zielgerichtete, tief in deutschen und europäischen Traditionen verwurzelte Bildungspolitik und Volkserziehung durch die fortschrittlichen Kräfte, die dazu führen, dass der marktradikale Ungeist keine Basis mehr in den Massen hat und dass immer mehr Schulabgänger_innen erfolgreich den kapitalistischen Verwertungsinteressen entzogen werden können.

In § 1 des Reichsschulpflichtgesetzes vom 6. Juli 1938 heißt es: „Im Deutschen Reich besteht allgemeine Schulpflicht. Sie sichert die Erziehung und Unterweisung der deutschen Jugend im Geiste des Nationalsozialismus.“ Auf diese Weise schob der damalige sozialistische Staat dem Homeschooling-Unwesen und der privaten Konkurrenz einen Riegel vor, um die Weitergabe sozial unerwünschter Auffassungen durch die oft noch in regressiven Denkstrukturen verhafteten Familien zu bekämpfen.

Ökologisch veredelter Sozialismus

Mit explizit Nationalem kann das Schulpflichtsystem zwar heute nicht mehr unbedingt aufwarten, dafür unterweist es die Jugend in ökologisch veredeltem Sozialismus, und das mit deutscher Gründlichkeit. Auf diese Weise wirkt das heimische Bildungswesen bewusst den anmaßenden Wünschen des Marktes entgegen und bildet stattdessen eine intellektuelle Elite heran, die notfalls in der Lage ist, Defizite im praktischen und faktischen Wissen durch ein Mehr an Meinungsfreude und korrektem politischen Bewusstsein auszugleichen.

Eine neue Zeit, die vom neuen Menschen geprägt wird, verlangt beispielsweise neue Berufsbilder. Eines davon ist jenes des Klimaschutz(abschnitts)bevollmächtigten, im Volksmund auch „Ökoblockwart“ genannt. Vor allem in Hamburg, wo allgemeinbildende Schulen „Klimapläne“ entwerfen und Schüler deren Umsetzung kontrollieren, werden Heranwachsende gezielt auf eine tragende gesellschaftliche Aufgabe vorbereitet, ohne die noch keine sozialistische Ordnung auf deutschem Boden dauerhaft hätte bestehen können.

Auch für die Ausbildung zum „Nahost-Experten“ bietet das staatliche Zwangsschulsystem die besten Voraussetzungen. Die Schulbuchverlage Cornelsen, Westermann und Klett stellen den Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn nach eigenen Worten „multiperspektivisch“ dar – und damit auf eine Weise, in der jeder Schüler wählen kann, ob ihm die Lesart der Hamas, der Fatah, des SS-Uropas, des 68er-Großvaters oder der Bionade-Mutter am meisten zusagt.

Ein Zuviel an Multiperspektivität darf Schülern allerdings auch nicht zugemutet werden, da ansonsten die Gefahr der Entwicklung des falschen Bewusstseins besteht.

Deshalb wäre es nicht akzeptabel, Schülern beispielsweise die Sichtweise von Eltern aus Sderot oder Ashdod bezüglich der palästinensischen Friedensbereitschaft zur Kenntnis zu bringen. Auch wäre es kontraproduktiv, an Schulen mit „Klimaschutzplänen“ die Perspektive von Skeptikern darzustellen, die ernste Zweifel an der These von der „menschengemachten Erderwärmung durch CO2“ äußern. Denn selbst wenn es 31.000 Wissenschaftler, darunter Nobelpreisträger für Physik, sind, die diese für einen Schwindel halten, erkennen 97 Prozent sie an – sodass 1.002.333 „Klimawissenschaftler_innen“ ihnen dann logischerweise widersprechen müssen. Vielleicht ist sogar die Putzfrau eine davon.

Multiperspektivität heißt auch nicht, der Evolutionstheorie den Kreationismus oder die These vom Intelligent Design gegenüberzustellen (wobei jeder, der zwischen letzteren beiden Auffassungen einen Unterschied erkennt, alleine schon deshalb als höchst verdächtig betrachtet werden muss!), um Schüler dann wählen zu lassen, was ihnen davon am ehesten zusagt. Und auch im – kürzlich dankenswerterweise durch einen im Lenin’schen Geist der Partei dienenden EGMR bestätigten – Zwangssexualunterricht darf der Grundsatz nicht so missverstanden werden, dass Abstinenz oder Treue als Alternativen zum „Ausprobieren“ der Sexualität in Kenntnis aller Mittel zur Empfängnisverhütung angesprochen werden dürften. Erst recht darf der Kapitalismus niemals als freiheitliche Alternative zu staatlicher Verteilungs- und Nachhaltigkeitspolitik dargestellt werden.

Entgegen der Querschüsse seitens der F.D.P. oder der Arbeitgeberverbände ist die Bildungspolitik in unserem Lande also wegweisend: weg von Formalqualifikationen wie Lesen, Schreiben und Rechnen, weg von kapitalistischen Schlüsselqualifikationen wie Freundlichkeit oder Leistungswille, hin zum bestens konditionierten Pawlow’schen Kläffertum, das anschlägt, sobald bestimmte Reizworte – wie „Papst“, „Israel“ oder „Republikaner“ – fallen. Auf diese Weise bleibt Deutschland zumindest ein idealer, inspirierender Standort für die Zunft der Satiriker.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Harry Tisch: Befreiung des Stoffwechsels

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