Buona sera. Jorge Mario Bergoglio

Palästina in die EU!

Palästina will in die UN aufgenommen werden. Doch warum anhalten, wenn der Wagen einmal rollt? Auch die EU würde sich über den neuen Nachbarn freuen.

Der Genosse Kamerad Fulda hat mit seinen salbungsvollen Worten den Nerv der Volksgemeinschaft getroffen: Um dem armen unterdrückten Volk der Palästinenser eine Zukunft frei von diebischen, kriegslüsternen und Willkür übenden Zionisten zu ermöglichen, muss Deutschland der Aufnahme eines palästinensischen Staates in die UNO zustimmen.

Erst wenn gewährleistet ist, dass israelische Regierungsmitglieder – zusammen mit Bush und dem Papst – nach Den Haag kommen, sobald sie verhindern, dass Friedensaktivisten der Bevölkerung in Gaza abgelaufene Medikamente, Militärtechnologien oder pyrotechnische Artikel liefern oder wenn sie ihren schleichenden Völkermord mit Weizen, Bekleidung und Milchpulver fortsetzen sollten, ist der Grundstein für soziale Gerechtigkeit und Frieden gelegt.

Dem Westen ein Vorbild

Durch die Wiederherstellung der Grenzen von 1967 kann dann nicht nur den illegalen Siedlungen in Judäa und Samaria mit offizieller Billigung seitens der UNO der Garaus gemacht werden – was schon mal einen Präzendenzfall für die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen von 1937 abgeben könnte -, nein, auch würde der palästinensischen Jugend die Möglichkeit gegeben, dem Westen ein Vorbild zu bieten.

Während hiesige Jünglinge ständig zu Hause vor der Spielekonsole abhängen, auf LAN-Partys World of Warcraft zocken und nur zur Wahl der Piratenpartei das Haus verlassen, hätte das palästinensische Jungvolk mit den Grenzen von 1967 die Chance, lebensecht und ohne auf eine funktionierende Internetverbindung angewiesen zu sein auf Passagierflugzeuge, Schulen und Kindergärten zu ballern.

Leider greift der Genosse Kamerad Fulda aber etwas zu kurz, wenn er lediglich verlangt, dass der neue, einseitig ausgerufene Palästinenserstaat in die UNO aufgenommen wird. Vielmehr wäre es sinnvoll und zielführend, ihn bei dieser Gelegenheit auch gleich in die EU aufzunehmen.

Wie die letzten Wahlen und dabei vor allem das Abschneiden der rechtsextremen, populistischen FDP gezeigt haben, ist das Verlangen der Menschen in unserem Land nach einer solidarischen Verteilungspolitik auch auf gesamteuropäischer Ebene nicht so schnell zu stillen. Offenbar werden – wie das Beispiel Griechenland offenbart – kreative Haushaltsführung und innovative Konzepte zur Arbeitsteilung (Es bezahlt ein anderer als der, der feiert!) mit großer Bewunderung zur Kenntnis genommen.

Und gerade das sollte dem neuen Palästinenserstaat nicht zum Nachteil gereichen! Wie der Genosse Kamerad Fulda richtigerweise darlegte, genügt bereits jetzt die Verwaltungsstruktur in den Palästinensergebieten den Erfordernissen eines modernen Staatswesens. In manchen Bereichen sind sie Griechenland sogar voraus.

Während Griechenland mit Rentenzahlungen an Tote einen wichtigen Schritt zur Gleichstellung getan hatte und damit der Diskriminierung in ihren Lebensfunktionen Herausgeforderter den Kampf angesagt hatten, denkt Palästina schon einen Schritt weiter.

Nicht nur die Versorgungsleistungen für die Hinterbliebenen im Djihad gegen Israel gefallener Märtyrer, für die zum Teil auch ausländische Sponsoren gefunden werden konnten, unterstreichen, wie sehr das in Entstehung begriffene Staatswesen dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit verhaftet ist.

Fiskalpolitische Nachhaltigkeit

Auch dass die soziale Versorgung von Leistungsträgern zum Teil outgesourct wird, zeigt, wie stark Palästina an einem fiskalpolitischen Nachhaltigkeitskonzept interessiert ist. Während Angehörige regulärer Militäreinheiten im Schnitt monatlich 2.704 Shekel an Sold erhalten und zivile Beamte auf 2.882 kommen, dürfen sich auf Kosten des zionistischen Raubstaates in israelischen Gefängnissen untergebrachte –Terroristen- Freiheitskämpfer einer monatlichen Zuwendung aus dem palästinensischen Staatshaushalt in Höhe von 3.129 Shekel erfreuen, an denen sich jetzt schon die EudSSR mittelbar durch Zuwendungen für die Autonomiebehörde beteiligt.

Wer weiß, vielleicht wächst auf diese Weise bereits eine Elite heran, die später mit gutem Beispiel vorangeht und sich mit Freuden einer Reichensteuer unterwirft.

Auch der kulturelle Austausch und interreligiöse Dialog mit Europa könnte durch eine EU-Mitgliedschaft Palästinas intensiviert werden. Der TV-Sender der Autonomiebehörde knüpft bereits jetzt an alte europäische Traditionen an, indem er antizionistische Terrorwiderstandsakte verherrlicht oder – im Mittelalter vor allem in katholischen Regionen beliebte – Ritualmordlegenden Brauchtümer wiederbelebt.

Alles in allem ist der Jubel über einen einseitig ausgerufenen Palästinenserstaat ohne jüdische Bevölkerung berechtigt. Und wir Europäer brauchen uns auch keine Sorgen darüber zu machen, dass Unmut entstehen könnte, wenn dieser schon bald mit unter den Euro-Rettungsschirm kommen sollte. Wir haben jahrhundertelang durch die Geschichte hindurch vorgezeigt, wie man Juden selbst dann die Schuld an jedweder Form von Unwägbarkeiten zuschanzen kann, wenn gar keine mehr da sind.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Harry Tisch: Befreiung des Stoffwechsels

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