Die Fähigkeit, nicht zu trauern

Harry Tisch10.09.2011Gesellschaft & Kultur

Seit zehn Jahren bemühen sich deutsche Journalisten mutig und unter Einsatz der eigenen Reputation, endlich Licht hinter die Anschläge des 11. September zu bringen. Ihr Drang nach Wahrheit ist so stark, dass dabei sogar die Trauer vergessen geht.

Der Blick sprach Bände und war kennzeichnend für sein Versagen, als er während des Vorlesens im Kindergarten von den Flugzeugen erfuhr, die im World Trade Center eingeschlagen waren. Bush hätte in jenem Moment einen Heribert Prantl oder zumindest Elmar Theveßen in seinem Beraterstab gebraucht, um die Situation auch nur annähernd adäquat handlen zu können, aber ohne sie fehlten ihm und seiner Administration von Beginn an jene Kompetenz und Weitsicht, die deutsche Journalisten und fortschrittliche Politiker bereits kurz nach den Anschlägen bewiesen hatten. Die Leichen waren noch nicht mal kalt, da verstanden es bereits Geistesgrößen wie “Eugen Drewermann”:http://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Drewermann, den Zusammenhang mit Hiroshima herzustellen, die „Nationalzeitung“ rief Dresden in Erinnerung, und auch die Reaktionen von Roger Willemsen, Wolfgang Benz oder Boris Becker zeigten, dass wir aufgeklärt genug sind, um nicht die Globalisierung, den Kapitalismus und den amerikanischen Kulturimperialismus als die wahren Ursachen für Ereignisse wie an 9/11 zu vergessen oder wie die Öffentlichkeit in den USA hinter der kleinbürgerliche Sentimentalität kindlicher Gemüter zu verbergen. -Der Führer- Der Pfaffe in der Nikolaikirche hatte es korrekt erfasst, als er am 12.9.2001 deutlich machte: „Die Amis haben es sozusagen jetzt mal zurückbekommen.“

Wahrheit und Weitsicht

Erfreulich, dass der Umgang der deutschen Medien und Eliten dieser Linie auch nach 10 Jahren noch treu geblieben ist und wiederum durch die schonungslose Ansprache jener Missstände und Fehler glänzt, die Amerikas Reaktion auf 9/11 kennzeichneten. Alte Rezepte und – wie viele aufmerksame Genossen und Kameraden hinzufügen würden: alttestamentarische – Rachsucht statt selbstkritischer Bestandsaufnahme konnten einfach nichts bewirken außer Tod und Verderben und dass 20 Prozent der Afghanen heute immer noch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Doch selbst Obama weist nicht die Größe auf, sich diesen unbequemen Wahrheiten zu stellen. Selbst die Argumente der Truther bekommen Raum, kein Wunder: Es werden so viele Lügen von den Herrschenden erzählt, insbesondere den Hintergrundmächten, dass es eigentlich für einen anständigen Intellektuellen nicht mehr zu rechtfertigen ist, die offizielle Version zu glauben. Die vielen offenen Fragen wurden nie beantwortet. In jedem Comic oder Actionfilm fliegen nach Crashs sofort ganze Straßenzüge durch die Luft – warum standen ausgerechnet am 9/11 die Türme noch stundenlang in der Gegend rum? Feuer schmilzt kein Stahl – ist das nicht Beweis genug, dass eine Sprengung und nicht eine Folge des Brandes die Türme einstürzen ließ? War nicht diese Truther-Erkenntnis der ersten Stunde der Grund, warum in der offiziellen Fassung vom Schmelzen gar nicht erst die Rede war? Warum hat die Untersuchungskommission nicht detailliert zu allen Ungereimtheiten Stellung genommen, die führende Journalisten wie “Andreas von Bülow”:http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_von_B%C3%BClow oder “Helga Zepp-La Rouche”:http://de.wikipedia.org/wiki/Helga_Zepp-LaRouche schon kurz nach den Ereignissen entdeckt hatten? Wurden nicht vielleicht über Wochen hinweg unbemerkt Sprengladungen von Klofrauen und Heizungsmonteuren angebracht, die alle kurz vor dem 11. September ihren Vorruhestand auf den Bermudas antraten, obwohl sie zuvor nicht einmal Mindestlohn bezahlt bekommen hatten? Und wurde Bin Laden nur deshalb nicht angeklagt, weil er im September 2001 schon längst tot war – was seine nachträgliche Ermordung im Juni dieses Jahres nicht weniger völkerrechtswidrig macht?

Was Charlotte Roche wohl dazu denkt?

Leider konnte auch diesmal aus Termingründen nicht jeder wertvolle Debattenbeitrag für das dankbare Publikum aufbereitet werden, der uns neue Sichtweisen auf die Ereignisse erschließen hätte können. So musste Charlotte Roche ihre Teilnahme an der Anne-Will-Sendung zum 10. Jahrestag absagen, deren Rahmen sie gerne genutzt hätte, um eine fachmännische Stellungnahme zu der Frage abzugeben, ob Menschen noch ungestört an Sex denken können, während sie aus dem 100. Stockwerk eines Wolkenkratzers springen – oder diesen auf der Bordtoilette eines von Dschihadisten higejackten Flugzeugs genießen können. Auch Nina Hagen konnte uns noch nicht zur besten Sendezeit schildern, was die Außerirdischen und die Chemtrails mit der ganzen Sache zu tun hatten. Es wird vor dem Hintergrund all dieser skandalösen Zusammenhänge jedenfalls wohl noch sehr lange dauern, bis die kritische Öffentlichkeit in aller Welt in der Lage sein wird, den Amerikanern den 11. September zu verzeihen. Denn ähnlich wie deutsche Intellektuelle stets ein wachsames Auge darauf haben müssen, dass die Juden die Lehren aus Auschwitz nicht vergessen, so darf es nie wieder so weit kommen, dass die vordergründige Anteilnahme mit 3.000 Toten im World Trade Center den Blick auf die Ursachen des Terrors verstellt, die in der imperialistischen Kriegspolitik der USA und der ausbeuterischen Natur des Kapitalismus liegen. Diese Weisheit und dieser Weitblick sind es aber, die uns auch im Hinblick auf die Toten des 11. September die Fähigkeit und Stärke verleihen, nicht zu trauern.

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