Quod licet lovi …

Harry Tisch20.02.2011Gesellschaft & Kultur

Was ist da los, wenn sogar ein Sklave der reaktionären Klasse und Kriegstreiber wie Guttenberg das Stilmittel der Intertextualität entdeckt? Da versucht die herrschende Klasse wieder bloß zu verschleiern, dass sogar die Wissenschaft vom Klimawandel eben genau nach diesem Muster funktioniert.

h1. Your title here… Auch wenn ihm das umwerfende Charisma des Genossen Torsten Schäfer-Gümbel fehlen mag: Der Genosse Andreas Fischer-Lescano könnte mit seinen Enthüllungen über die Dissertation des revanchistischen Kriegsministers Karl-Theodor zu Guttenberg nicht nur für sich selbst und das Bluthilde-Plagiat „Institut Solidarische Moderne“ wirksam deren Recht auf 15 Minuten Starruhm geltend gemacht haben, sondern auch der fortschrittlichen Sache – zumindest vorübergehend – einen großen Dienst erwiesen haben. Zum einen wurde an eine bewährte Tradition des antifaschistischen Staates der solidarischen Moderne a.D. angeknüpft, in dem Bütteln des Klassenfeindes konsequent der Weg zum akademischen Titel versperrt wurde, währenddessen – wie wohl auch der “Genosse Gysi(LINK)”:http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gregor_gysi_hat_auch_einen_doktor/ gerne bestätigen wird – ein sozial gerechtes Bildungssystem und ein leistungsfähiges Hochschulwesen, beispielsweise in Gestalt der Juristischen Hochschule Potsdam – wahrhaftiges wissenschaftliches Arbeiten ermöglichten.

Kriegstreiber Guttenberg

Zum anderen illustriert der Eindruck, den die Kampagne des fortschrittlichen Lagers erwecken möchte, die Überzeugungskraft des Sozialismus: Sogar ein Sklave der reaktionären Klasse und Kriegstreiber wie Guttenberg entdeckt das Stilmittel der Intertextualität in einer Weise für sich, wie sie zuvor nur durch die ehrwürdige Genossin Hegemann perfektioniert worden war. Dass sich beispielsweise kein Verweis auf die Urheberschaft der Genossin Barbara Zehnpfennig bezüglich eines zitierten Artikels fand, könnte allerdings damit zu tun haben, dass 1997, als sie diesen verfasste, noch nicht feststand, ob die Dame sich nicht Jahre später in Barbara Fünfcent umbenennen werden müsse. Der große Antifaschist Genosse Willy Hundertmark hatte ja bereits 2002 kurz nach Einführung des Euro das Zeitliche gesegnet und informierte Beobachter schwören Stein und Bein, die Angst, auf seine alten Tage noch mal den Namen ändern zu müssen, hätte dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Außerdem hätte Guttenberg dadurch am Ende noch den Eindruck erweckt, das Projekt der Europäischen Währungsunion infrage stellen zu wollen. Nun wollen die rückständigen Apologeten Guttenbergs den Eindruck erwecken, die Kritiker hätten keine Ahnung, wie akademisches Arbeiten funktioniere! Dass nicht jeder das Rad neu erfinden könne. Dass es eben ein Thema gäbe, der Doktorand irgendeine einigermaßen originelle These aufstellen und dabei irgendwie ein paar Hundert Seiten vollkriegen müsse. Dass es klar wäre, in dieser Situation eben ganze Absätze abzuschreiben. Und dass sogar die gesamte „Klimaforschung“ auf diesem Prinzip beruhe.

Die Parteilichkeit in der Metaphysik

Diese Leute liegen wie immer völlig falsch. Bürgerliche Wissenschaft ist weder in der Lage, brauchbare Thesen zu begründen, noch würde sie jemals eigenständige, von ihrem Klasseninteresse losgelöste Wissenschaft betreiben können. Sozialistische Wissenschaft hingegen beruht auf den unwiderlegbaren Erkenntnissen der Klassiker wie Marx, Engels, Lenin, Reich, der Frankfurter Schule oder des großen Metaphysikers Josef W. Stalin, der – wie schon der Genosse Ernst Bloch zu Recht feststellte – als Erster die Parteilichkeit in die Metaphysik einführte. Von daher ist es kein bloßes Abschreiben, wenn fortschrittliche Persönlichkeiten ebenso fortschrittliche Wissenschaftler_innen zitieren, sondern eine originäre Neuschöpfung im Geiste der Partei und ihrer Direktiven. Und was für fortschrittliche Persönlichkeiten recht ist, um eine Argumentationsgrundlage zu gewinnen, zum Wohle des Planeten “die soziale Verteilungsgerechtigkeit der glorreichen Tage des Kriegskommunismus(Link)”:http://www.telegraph.co.uk/earth/copenhagen-climate-change-confe/8165769/Cancun-climate-change-summit-scientists-call-for-rationing-in-developed-world.html zu fordern, ist noch lange nicht billig für regressive Kräfte, die im Auftrag der Yankees die längst fällige bedingungslose Kapitulation vor den Taliban hintertreiben. Wie der Lateiner sagen würde: „Quod licet lovi, non licet Bon Jovi“ – oder so ähnlich … Es wird Zeit, dass endlich das progressive Lager wieder die Agenden der Wissenschaft und Forschung wahrnimmt. Die Universität muss – und die Kulturrevolution von 1968 hat dafür auch in den kapitalistischen Ländern erstklassige Vorarbeit geleistet – wieder vollständig zum Hort des Klassenstandpunkts werden, zum Ort der Zurüstung gefestigter Kader und unbeugsamer Tschekisten für den revolutionären Kampf und zur No-Go-Area für bürgerliche Diversanten! Das entschlossene Vorgehen der kritischen Intelligenz gegen Guttenberg ist dabei ein wichtiger Schritt. Wenn er fällt, werden auch seine Frau im Privat-TV und die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan nicht mehr zu halten sein…

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