Es ist ein guter Brauch, sich in die Arbeit des Amtsnachfolgers nicht einzumischen. Wolfgang Schäuble

Arschkarte für die SPD

Wofür gibt es überhaupt die SPD? Immer weniger Menschen wissen darauf eine Antwort, die Partei tut es auch nicht. Dabei wäre es doch so einfach: Sarrazin hat vorgedacht, wo es hingehen kann. Er trifft den sozialistischen Zeitgeist besser als gedacht. Die Zukunft der Sozialdemokratie liegt im Sozialdarwinismus!

Die SPD hat ein ernstes Problem. Immer weniger Wähler sind in der Lage, sich selbst die Frage zu beantworten, wofür sie überhaupt noch gut sein soll.

Der intellektuellen Elite, der sie sich – selbst unter Inkaufnahme der Verprellung treuester Anhänger unter den Malochern – über Jahrzehnte hinweg erfolgreich angebiedert hatte, ist sie längst nicht mehr chic genug. Das liegt nicht mehr nur daran, dass weite Teile der SPD-Wählerschaft den Kindern der Wohlstandsbourgeoisie einfach als zu unfein erscheinen. Zu sehr haben sich die übrig gebliebenen Bedenkenträger, die es ab und an noch wagten, dezent auf die möglichen Folgekosten linksutopistischer Politik hinzuweisen, auch als Spaßbremsen erwiesen.

Regierungsbeteiligung ade

Das Recht auf reine Lehre wollen sich gerade die Menschheits- und Planetenretter aus den besser verdienenden Kreisen nicht nehmen lassen und ziehen der sozialdemokratischen Sissy-Boy-Variante bei Wahlen längst die volle Dröhnung in Form der Grünen vor. Da sich nicht unerhebliche Teile der Unionsspitze – teils aus purem Opportunismus, teils auch nur aus Angst vor medialem Gegenwind – gerne „modern“ gerieren und dies durch Unterwürfigkeit gegenüber dem links-grünen Zeitgeist bzw. schwarz-grüne Experimente unterstreichen, geht der SPD perspektivisch möglicherweise sogar die Funktion als Mehrheitsbeschaffer für grüne Regierungschefs flöten.

Geht man zusätzlich davon aus, dass der harte Kern der Sozialutopisten sich nach dem Inkrafttreten der „Agenda 2010“ dauerhaft der SED-Nachfolgepartei zugewandt hat und lieber Kommunismusdebatten und Antisemitismus schluckt, als sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit weiterer Umverteilungspolitik zu stellen, ist auch dieses Spektrum für die SPD verloren.

Dass die Partei folgerichtig versuchen würde, zumindest jene „kleinen Leute“ zu binden oder zumindest von der Wahlenthaltung oder Protestwahl abzuhalten, die man zuvor bestenfalls einmal jährlich am 1. Mai zu Gesicht bekommen hatte, war zu erahnen. Zahme Kritik der Genossin Nahles an der grünen Schickeria, der Versuch, gegen die Dogmen der Klimareligion ein klammheimliches Ja zum Kohlebergbau in den Anti-Atom-Konsens zu schmuggeln und am Ende der Verzicht auf den Ausschluss des Genossen Sarrazin gingen aber an den Träger_innen des gesellschaftlichen Anstands nicht unbemerkt vorbei.

Prompt sah die Partei der kritischen Intelligenz künftige Koalitionen gefährdet und der Brandenstein Blog, neben der Facebook-Seite von Ruprecht Polenz Hochburg des Anstands und der Moral im Lande, diagnostizierte messerscharf, dass sich die SPD gemeinsam mit der rassistischen und rechtsextremistischen CSU zunehmend aus dem demokratischen Spektrum verabschieden würde.

Mehr Sozialdarwinismus

Dass sich Sarrazin in seinen Schlussfolgerungen und Forderungen kaum von jenem zeitgeistigen sozialistischen Grundkonsens unterscheidet, den der fortschrittliche Teil des bürgerlichen Lagers rund um Die Grünen und deren Fans unter Schwarzen und Gelben trägt, ändert nichts daran, dass er in den Reihen der Eliten längst zum Symbol für das Gegenteil des Guten geraten ist.

Kindergartenpflicht, (Ganztags-)Schulzwang, Kopftuchverbot, keine Befreiung von Unterrichtsinhalten aus religiösen Gründen: Das alles ist im Grunde ein alter Hut, der nur von regressiven Kräften, religiösen Fanatikern, Bush-Anhängern, Zionisten und Anarchokapitalisten infrage gestellt wird. Auch dass Sarrazin erreichen möchte, dass primär die Angehörigen des intellektuellen Großbürgertums Kinder bekommen, sollte eigentlich keinen fortschrittlichen Protest entfachen, da dies perspektivisch die beste Wählerbeschaffung für Grüne und Gleichgesinnte darstellen würde. Bereits der Genosse Rawthorne hatte vor einem Geburten-Djihad derer gewarnt, die noch im falschen Bewusstsein gefangen sind und nach gezielten staatlichen Gegenmaßnahmen gerufen.

Es ist aber ein Trugschluss, zu denken, dass man „das noch sagen dürfen“ sollte. Es wäre schlichtweg unvorsichtig. Vordenker_innen der „Ökologiebewegung“ haben längst erkannt, dass Sozialdarwinismus und staatliche Geburtenpolitik in noch viel größerem Umfang erforderlich sind, als Sarrazin sich das vorstellt.

So etwas sollte aber nicht zu Wahlkampfzwecken durch die Gegend gegrölt werden, nur um ein paar ungebildete teutonische Proleten bei Laune zu halten, sondern zielstrebig angesteuert werden, um das Klima zu schützen und den Planeten zu retten. Dabei sollten aber tunlichst nicht die nützlichen Idioten Naiven und Blauäugigen, beispielsweise aus den Kirchen, durch eine zu deutliche Ansprache vergrätzt werden. Es sollte doch bei Bedarf später immer noch keiner was gewusst haben können …

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Harry Tisch: Befreiung des Stoffwechsels

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