Wie eine anständige Menschenjagd funktioniert

Harry Tisch14.05.2011Gesellschaft & Kultur

Die Doktrin deutscher Gutmenschen ist allmächtig, weil sie wahr ist. Und die Entwicklungen der vergangenen Wochen unterstreichen diese Wahrheit in einer Weise, die keinen Zweifel übrig lassen sollte.

Immer mehr Menschen in unserem Land befinden sich immer noch in Schockstarre ob der völkerrechtswidrigen Wildwestaktion der imperialistischen Yankees gegen den missverstandenen Kapitalismuskritiker Osama bin Laden. Besonders aufgeklärte und weitsichtige Genoss_innen wie Eyke Schreiber aus der “„Evangelischen Facebook-Gemeinde“(Link)”:http://www.facebook.com/update_security_info.php?wizard=1#!/home.php?sk=group_148544821878905 wissen punktgenau die Geschehnisse im richtigen historischen Zusammenhang zu deuten und attestieren den Soldaten, die den Friedenskämpfer in wenigen Sekunden vom Hindukusch aus über den Jordan befördert hatten, „Kadavergehorsam, wie man ihn von KZ-Wächtern kennt“. Was mittelbar auch beweist, dass nicht nur Bush, sondern mittlerweile auch Obama aus gutmenschlicher Perspektive mit Hitler verglichen werden kann. Bloß dass Letzterer niemals Zweifel an seiner Geburtsurkunde erweckt hatte.

Eine moralisch einwandfreie und anständige Menschenjagd

Man mag die Barbarei der Navy Seals auf den ersten Blick noch mit der mangelnden Bildung und politischen Reife der Menschen in den USA erklären können. Die Verfassung dieses Staates huldigt dem Kreationismus, er wurde von Öl stehlenden Indianerschlächtern gegründet und wird heute noch von Bibel schwingenden Fundamentalisten, Countrysängern und dem militärisch-industriellen Komplex beherrscht. Dennoch sollte dem kritischen Betrachter bei genauerer Betrachtung nicht entgehen, dass der Grundsatz „No Apology“ auch und gerade für sie nicht greifen kann, denn sie hätten jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich eingehend von deutschen Gutmenschen erklären und zeigen zu lassen, wie eine moralisch einwandfreie und anständige Menschenjagd funktioniert. Und es gibt aus der jüngsten Zeit kein besseres und erfolgreicheres Beispiel dafür als die “erfolgreiche Demontage des amerikahörigen schwarz-gelben Kriegsministers Karl-Theodor zu Guttenberg(Link)”:http://www.sueddeutsche.de/karriere/debatte-um-guttenbergs-plagiate-genug-gemenschelt-1.1096865. Die Fälle Bin Laden und Guttenberg helfen, anschaulich zu illustrieren, wie weit unsere intellektuellen Eliten den bigotten und rachsüchtigen Amerikanern zivilisatorisch voraus sind. Der Trend zum „Counterstrike für -Klugschwätzer- Intellektuelle“, besser bekannt als Dissertationsschnüffelplattform “PlagPedi Wiki(Link)”:http://www.abendblatt.de/hamburg/article1888410/Die-Besserwisser-sind-so-schlimm-wie-die-Betrueger.html, zeigt unmissverständlich, dass nur noch Bildungsferne den Tod eines Menschen begrüßen, der Tausenden anderen half, ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren, oder heimischen missverstandenen Opfern der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft einen “warmen Willkommensgruß(Link)”:http://www.taz.de/1/leben/film/artikel/1/zwischen-allen-fronten/ verweigern. Anständige hingegen wissen, dass es Zeichen einer humanen Gesellschaft ist, wenn progressive virtuelle Schwarmintelligenz jeden reaktionären heubegabelten physischen Lynchmob beschämt und den organisierten Jagdtrieb dem Kampf für das richtige Bewusstsein unterordnet.

Ein moralischer Appell an den Delinquenten

Im Unterschied zu Bin Laden, dem gesundheitlich von Jahren des erzwungenen Abtauchens gezeichneten Familienvater, war und ist Guttenberg beispielsweise nicht wehrlos. Hinter ihm stehen die gesamte Stärke des internationalen Monopolkapitals, die Rüstungsindustrie, die amerikanisch-zionistische Hintergrundmacht und seine Familie, die sich so fürsorglich um ihn gekümmert hatte, wie man es sonst nur vom antifaschistischen Arbeiter- und Bauern-Staat gegenüber seinen Bürger_innen kennt. Während Guttenberg vorsätzlich Täter einer gefälschten Dissertation war, wurde Bin Laden nach fester Überzeugung eines “nicht unerheblichen Teils der hiesigen Bevölkerung(Link)”:http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,258299,00.html selbst zum Opfer eines Fakes seitens der CIA und des Mossad, die ihm den 11. September in die Schuhe schieben wollten, obwohl er zu diesem Zeitpunkt “schon fast unter der Erde(Link)”:http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2007/05/bin-laden-ist-schon-lange-tot.html war – was seine extralegale Erschießung von vor zwei Wochen gleich als noch barbarischer erscheinen lässt, da sie dann zwangsläufig keine strafrechtlichen Konsequenzen hätte und allenfalls den Tatbestand der Störung der Totenruhe erfüllt. Und während die Navy Seals ihr verwerfliches, ungerechtes und selbstsüchtiges Ziel mit der brutalen Gewalt roher Schusswaffen gegen den Willen des Gejagten durchsetzen, verfolgt das heimische Gutmenschentum sein gerechtes, hehres und sittlich auf höchster Stufe stehendes Ziel auf dem Wege des “moralischen Appells an den Delinquenten(Link)”:http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nation_guttenberg/ selbst. Da es – “wie uns kürzlich auch der Genosse Gärtner gehörig belehrte(Link)”:http://www.theeuropean.de/stefan-gaertner/6656-der-gute-tod-von-gunter-sachs – keine „Hand Gottes“ gibt (und wenn, dann nur im Viertelfinale der Fußball-WM 1986), kann es in solchen Fällen seitens des Ertappten durchaus sogar zum Imperativ des Gewissens werden, die eigene anzulegen. Wem “so viel Moral auf einmal(Link)”:http://www.abendblatt.de/hamburg/article1888410/Die-Besserwisser-sind-so-schlimm-wie-die-Betrueger.html die Luft abschnüren sollte, möge sich damit trösten, dass er auf diese Weise weniger giftige Treibhausgase ausatmet.

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