Turmbau zu Babel vorerst eingestellt

von Anthony Harris31.12.2009Außenpolitik, Wirtschaft

Auch Dubai hat die Kreditkrise erwischt, weil es zu viel Geld geliehen hatte und es nicht sofort zurückzahlen konnte. “Kein Grund für pessimistische Prognosen”, sagt Anthony Harris, ehemaliger britischer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten. “In sechs Monaten könnte Dubai besser dastehen als vor der Krise.”

Ich kann die schwarzseherischen Nachrichten aus der internationalen Presse nicht bestätigen, denn all die Elemente, die Dubai in der Vergangenheit erfolgreich und stark gemacht haben, sind immer noch da. Da wäre zum Beispiel der hohe Ölpreis, welcher vorerst nicht sinken wird. Dubai ist noch immer das regional erfolgreichste Drehkreuz für Luftfahrt und Handel; der Flughafen fertigt 70 Millionen Passagiere pro Jahr ab. Es gibt ein nach wie vor wachsendes Finanzzentrum. Die Infrastruktur ist zwar noch nicht ganz ausgebaut, befindet sich aber auf einem mehr als zufriedenstellenden Niveau. Dubai bietet noch immer die größten Chancen für Wachstum und es gibt genügend wirtschaftlichen Überschuss, um in Übersee zu investieren. Angeschlagene westliche Unternehmen stellen eine Chance für uns dar und sind nach wie vor sehr attraktiv. Wenn die Aufregung nachgelassen hat und Dubai seine Nachbarstaaten wie in der Vergangenheit wieder mit Gütern und Dienstleistungen versorgt, befinden wir uns bereits auf dem Weg der Erholung.

Es gibt wieder Staus auf den Hauptstraßen

Man ist aber etwas ruhiger und vorsichtiger als vor dem “Crash”. Am stärksten macht sich die Ernüchterung in der sonst vor Selbstbewusstsein strotzenden Stadt am gebremsten Enthusiasmus bemerkbar; derzeit betont man eher die Stärke der Gemeinschaft der Arabischen Emirate, als – wie es sonst üblich ist – sich selbst hervorzuheben. Diese Ernüchterung führte vorerst zur Einstellung von ein paar der ambitioniertesten Bauprojekte; wie der Kanal und die “Dubai Waterfront”. Andere große Projekte der Stadt jedoch, wie der Jachthafen und das Gebiet um den “New Tower”, befinden sich in der Fertigstellung und entwickeln sich zu lebendigen Stadtzentren. Man hat schnell zum Alltag zurückgefunden im kleinen Emirat Dubai. Die Straßen und Plätze sind wieder belebt, es gibt sogar wieder Staus auf den Hauptstraßen. Bei dem ersten Schritt zur Überwindung der Krise gilt es nun herauszufinden, wie groß der
Schuldenberg wirklich ist. Man darf dabei eher von 25 bis 30 Milliarden Dollar ausgehen, 60 bis 80 Milliarden, wie es von manchem westlichen Medium propagiert wird, halte ich für stark überzogen. Es muss zudem rasch gehandelt werden. Zögern geht auf Kosten der Sicherheit und Stabilität des hiesigen Finanzmarktes.

In der Hauptstadt wartet man darauf, dass der kleine Bruder einen guten Deal zustande bringt

Der Vergleich mit anderen von der Krise gebeutelten Ländern wie Island, Lettland und Litauen ist nicht zutreffend. Diese Staaten haben keinen reichen Bruder, der für sie einspringen könnte. Die Hauptstadt Abu Dhabi übernimmt letztlich finanziell die Garantie für das zweitgrößte Emirat. 30 Prozent der hiesigen Investitionen stammen aus Abu Dhabi, alleine deshalb wird man es nicht zum Staatsbankrott kommen lassen. Es liegt aber an Dubai, einen entsprechenden Plan zu entwerfen, um aus der Krise zu gelangen. Abu Dhabi gibt hierbei lediglich Starthilfe. Die Gläubiger und Banken rechnen zwar bereits mit Finanzspritzen; staatliche Kredite sind allerdings nicht für gewerbliche Schulden vorgesehen, und so wartet man in der Hauptstadt darauf, dass der kleine Bruder Dubai einen guten Deal mit den Gläubigern zustande bringt. Man möchte schließlich den nächsten Kollaps nicht heraufbeschwören. Die Konsequenzen aus der Krise werden ähnlich wie die des Westens sein: Mehr Regulierung, weniger verrücktes Geld ausleihen. An den möglichen Ursachen wird sich aber nichts ändern: zentrale Regulierung durch die Scheichs, minimale demokratische Kontrolle. Sowohl die Einheimischen als auch die zahlreichen Arbeitsmigranten und Ausländer, die einen großen Teil der stark fluktuierenden Bevölkerung Dubais ausmachen, sind ohne jegliches politisches Mitbestimmungsrecht und begrüßen den bürokratisch-demokratischen Minimalismus. Obwohl dieser Mangel an Regulierung durchaus zur jetzigen Situation beigetragen hat – einige Leute sind einfach zu gierig geworden -, wird sich diesbezüglich nichts ändern. Es geht hier eben alles etwas schneller als in einer Demokratie.

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