Warum es in der Schweiz so schön ist | The European

Helvetophile Deutsche wünschen sich ein schweizerischeres Deutschland

David Harnasch26.06.2016Gesellschaft & Kultur, Medien

Den Genderwissenschaften werden allerlei Vorhaltungen gemacht. Ich vermute: Zu recht. Aber ein Konzept aus diesem Bereich ist evident nützlich, um die Welt zu verstehen und zu beschreiben: Trans.

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boing / photocase.com

Jakob Augstein ist ein Transproletarier

Viele Frauen aus meinem Freundeskreis sind Transprinziessinnen: Prinzessinnen, die versehentlich im Körper einer Tochter eines Versicherungsvertreters geboren wurden. Der „Freitag“-Herausgeber Jakob Augstein: Transproletarier. Ein Arbeiter, tragisch gefangen im Körper eines Millionenerben. Ich habe das Wochenende auf der Kunstmesse Art Basel verbracht. Und ich stelle fest: Ich bin Transschweizer. Um das zu präzisieren: Ich bin kein Deutscher Armutsflüchtling in der Schweiz (leider), denn ich lebe, arbeite und zahle Steuern in der Failed Stadt Berlin.

Helvetophile Deutsche wünschen sich ein schweizerischeres Deutschland

Deutsche Armutsflüchtlinge in der Schweiz sind keine Transschweizer, sie fühlen sich nicht wertgeschätzt und ausgegrenzt: „Manche Kunden bestehen im Business auf Schweizer Ansprechpartnern. Meine Kollegen hängen nur mit ihren Grundschulfreunden ab. Supermarktkassierer sind pampig.“ Obwohl ich nicht mal dort lebe, fühle ich mich sofort berufen, zu widersprechen: „Deine Kunden sind: Kunden. Also König. Deine Kollegen teilen mit Dir: Den Arbeitgeber, sonst nichts. Und Deine Anwesenheit ist keine tolle Nachricht für jemanden, der auf dem Arbeitsmarkt mit Dir um einen ungelernten Job konkurriert, für den 30 Euro per Stunde gezahlt werden. Reiß Dich zusammen! Du bekommst dreimal so viel Geld, zahlst halb so hohe Steuern und bekommst einen gewaltigen Haufen Rente! Niemand hat Dich gewaltsam verschleppt!“

Helvetophile Deutsche hingegen wünschen sich ein schweizerischeres Deutschland: 20% Steuern, 2.500 Euro Sozialhilfe und Plebiszite. Ich bin auch sehr für 20% Einkommenssteuer. Und sehr gegen Volksabstimmungen in Deutschland. Schweizer sollen gerne direkt entscheiden, welche Gesetze sie haben wollen. Wenn Deutsche das tun, gehen erfahrungsgemäß zweckentfremdete Viehzüge in den Osten.

Meine Schweizerschaft wird defizitär sein

Als Transschweizer werde ich hoffentlich bald eine Nationalitätsangleichung absolvieren: Nach Basel ziehen. Meine Schweizerschaft wird defizitärer sein, als die physischen Männlichkeitsmerkmale einer korrigierten Transfrau. Ich werde niemals perfektes Schwitzerdütsch sprechen, ich werde nicht wählen oder kandidieren dürfen. Vor die Wahl gestellt, in Deutschland wählen zu dürfen, oder von Schweizern regiert zu werden, weiß ich sofort, was ich mache. Die Erste Welt beginnt 60 Kilometer südlich von Freiburg.

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