Kryptowährungen sollten an solide Sachwerte wie Gold gekoppelt werden

von Harald Seiz9.03.2019Außenpolitik, Europa, Wirtschaft

Was erwarten wir von einer Währung? Sie soll vor allem sicher sein. Das Geld, das ich heute einnehme oder verdiene, soll morgen noch genauso viel Wert sein. Zumindest weitestgehend, wenn wir realistisch sind. Denn Inflation gibt es immer – doch die Gründe dafür sind höchst unterschiedlich, ja oft durch die Politik hausgemacht. Ein Beitrag von Harald Seiz.

Geld und Währungen erfüllen neben der Zahlungs- und Verrechnungsfunktion besonders auch eine Wertaufbewahrungsfunktion. Zu diesem Zweck muss die Währung aber stabil sein, sonst erhöhen Geschäfte und Firmen ständig ihre Preise, um auf ihre Weise den Ge-genwert zu erhalten. Inflation, die Urangst der Deutschen, war lange Zeit verschwunden. Hierfür hat die Deutsche Bundesbank zu D-Mark-Zeiten gesorgt. Dann hofften wir, die hohen Standards würden tatsächlich auch auf die Europäische Zentralbank übertragen. So hatte es uns die Politik versprochen, und einige Jahre lief es auch gut. Doch schließlich wurden nicht nur die Maastricht-Kriterien aufgeweicht, sondern auch die Politik für einen harten Euro. Nun ist seit knapp anderthalb Jahren die Inflation nach Deutschland zurückgekehrt, mit Raten von über zwei Prozent. Unser Geld wird also von Monat zu Monat weniger.

Es liegt auf der Hand, dass die Menschen bei solch unbefriedigenden Zuständen nach Lösungen und Auswegen suchen. Eine davon ist die Flucht in Sachwerte wie Immobilien oder Gold, in andere Währungen wie den Schweizer Franken oder Australischen Dollar. Die Möglichkeiten sind schier unendlich, genauso variantenreich, wie es Anlageprodukte und Investitionsziele gibt. Doch viele von ihnen eignen sich natürlich nicht als praktisches Zah-lungsmittel. Dafür wiederum haben sich seit einigen Jahren Kryptowährungen ins Spiel ge-bracht, die aber auch ein Spekulationsobjekt geworden sind mit teilweise atemberaubend-astronomischen Preissprüngen. In letzter Zeit jedoch gingen die Kurse steil bergab.

All das sorgt nicht für die Stabilität, die eine Alternative zu den offiziellen Fiatwährungen haben sollte. Was würde also passieren, wenn man die Kryptowährungen mit ihrem hervor-ragenden und höchstsicheren Blockchainmodus mit einem festen Anker versehen würde? Eine Möglichkeit dafür ist die Kopplung an einen soliden Sachwert, besonders Gold – seit Jahrtausenden ist sein Wert erwiesen und erprobt, quer über alle Zeiten und die meisten Kulturen hinweg. Ebenfalls über Jahrhunderte war die Verknüpfung an Gold gang und gäbe, und zwar oft durch den schieren Materialwert der Münzen garantiert und später zumindest durch die Kopplung der Papierwährungen an Gold. Bis vor gerade einmal 100 Jahren haben dies viele Staaten so praktiziert, auch das Deutsche Reich. Jeder Besitzer einer Reichsmark konnte sicher sein, den entsprechenden Goldgegenwert dafür in der Tasche zu haben, wenn er seinen Lohn oder seine Mieteinnahme erhielt. Denn Gold verfügt über eine bestechende Eigenschaft: Es lässt sich nicht vermehren wie Papiergeld. Der Wert von Gold ist sprichwört-lich, und so waren es anno auch die dahinterstehenden Währungen. Doch diese Zeiten sind vorbei, der Anker ist verloren gegangen.

Kryptowährungen, die in meinen Augen die große Zukunft der Währungen und Zah-lungsmittel darstellen, sollten daher die Praxis früherer Zeiten wieder aufgreifen können und mit Gold als festen Sachwert verbunden werden. Gerade weil sie so wichtig für unser Fi-nanzsystem sein sollten, aber leider im Kurs schwanken und durch viele Ungereimtheiten ins Gerede gekommen sind, würde die Fixierung an einen Standard helfen und Vertrauen schaf-fen. Die Kursausschläge wären nur noch so hoch wie bei dem dazugehörigen Sachwert.

Unzählige Staaten, Banken und Zentralbanken haben ihre Kryptowährungsprojekte reali-siert. Hinzukommen etliche Privatunternehmen, die mit einem ICO ihre eigenen Cryptos her-ausgegeben haben. Aktuelles Vorbild für eine Verknüpfung an einen Sachwert ist dabei aus-gerechnet Venezuela. Es hat seine neue Kryptowährung Petro an Öl geknüpft. Natürlich schwankt der Ölpreis auch, aber das „schwarze Gold“ kann im Wert nur begrenzt sinken. Insofern geht Venezuela den richtigen Weg, hat aber durch andere Elemente den Glauben an den Petro ruiniert, nicht zuletzt, weil es schließlich eine Diktatur ist. Weit mehr Vertrauen genießt da Australien. Hier ist es zwar nicht die Regierung oder die Zentralbank, die eine Kryptowährung mit einem Sachwert verbinden möchte, sondern der größte Goldminenbe-treiber, Perth Mint. Modernste Blockchaintechnologie vermählt sich hier mit dem traditionellsten und archaischsten Sachwert: Gold.

Ich bin davon absolut begeistert. Doch nun müssen auch unsere Gesetzgeber und Fi-nanzpolitiker handeln, wollen sie nicht nur den Euro wieder auf Kurs bringen, sondern auch Initiativen von Privatunternehmern in punkto Kryptowährungen ermöglichen. Auch für alter-native Währung zum Euro muss es machbar sein, sie an Gold zu knüpfen. Venezuela, nur rein technisch gesehen, und Australien machen es vor. Wir dürfen hier nicht den Anschluss verlieren, sonst entstehen solche Systeme anderswo, allen voran in den USA und Asien. Eigens dafür werden wir auf einem Parlamentarischen Abend beim Deutschen Bundestag für diese Idee werben. Denn Gold hat sich seit Jahrhunderten als solider Rettungsanker bewährt. Und diese Funktion kann es auch auf ein HighTech-Zahlungsmittel übertragen. Eine ausgezeichnete Verbindung.

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