Ich war beliebt und damit gefährlich. Gabriele Pauli

Gefangen in der Endlosschleife

Die angemessene Vergütung von Künstlern und Produzenten ist seit jeher ein Streitthema. Bereits bei der Einführung der CD wurde heftig darüber diskutiert, Gleiches passiert heute im Zeitalter des Online-Streamings. Doch wir sollten die Diskussion nicht mehr einfach mit der Haltung „Mehr ist nicht übrig“ abfrühstücken.

Als Verwertungsgesellschaft sind wir es gewohnt in der Debatte über neue Vertriebsmodelle für Musik oftmals als Bremse der Entwicklung und als Hemmschuh für die verwertende Industrie wahrgenommen zu werden. Dies war bei der Einführung der CD nicht anders als beim Aufkommen der ersten Downloadportale und ist nun auch wieder in der aktuellen Diskussion zum Thema „Streaming – Nutzen statt Besitz“ ein oft gehörter und von verschiedensten Seiten gern wiederholter Vorwurf.

Anlass genug, noch einmal einen Schritt zurück zu treten und auf einige ganz grundlegende Tatsachen hinzuweisen, die in den Beiträgen zu der Thematik oftmals – wenn nicht unterschlagen – so doch nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Komponisten und Textdichter sorgen mit ihren schöpferischen Tätigkeiten für den Ursprung eines jeden Musiktitels. Ohne sie gäbe es keine Interpreten, Stars, Sternchen, Top 100, Diskotheken, Konzerte, keine Klassik und keinen Rock. Ihre Werke sind die Grundlage der gesamten Musikwirtschaft und damit ein wesentlicher Faktor des kulturellen Schaffens überhaupt. An ihrer Seite stehen die Musikverlage, die bei der Vermarktung der Musikwerke entscheidend mitwirken. Es ist daher nur mehr als verständlich, dass für diesen Beitrag auch eine angemessene Vergütung gefordert wird.

Für alle Beteiligten gilt dabei die simple Erkenntnis, dass sie nur dann Zeit, Geist und Geld in die Schöpfung und Vermarktung neuer Musikwerke investieren können, wenn es ihnen ermöglicht wird, von ihren schöpferischen Tätigkeiten und ihren Investitionen ihr Leben zu bestreiten.

Nichts hat sich bewahrheitet

Eine der wesentlichen Einnahmequellen der schöpferisch tätigen Komponisten und Textdichter sowie ihrer Verlage, war dabei über lange Zeit der Vertrieb von musikalischen Inhalten über Schallplatte und CD. Seit dem Jahr 2000 aber werden stetig weniger Tonträger verkauft, weil Musikwerke zunehmend online angeboten und konsumiert werden. Was bedeutet dies für Musikurheber und Verwerter?

Erfolgt die Vermarktung von Musik in Form des Verkaufs als Download, lässt sich beobachten, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittlerweile, sowohl aus dem Blickwinkel der Verwerter als auch was die angemessene Beteiligung der Urheber betrifft, relativ etabliert sind. Im Hinblick auf die Frage der Vergütung unterscheidet sich dieser Bereich nicht mehr wesentlich von dem klassischen Tonträgergeschäft. Fast vergessen sind die Auseinandersetzungen der Vergangenheit in denen – wie auch jetzt wieder – immer von einer vermeintlichen Verweigerungshaltung der GEMA die Rede war und vor einem unwiderruflichen Verlust des Anschlusses an das digitale Zeitalter gewarnt wurde.

Im Rückblick betrachtet hat sich keine der damals propagierten düsteren Zukunftsvisionen bewahrheitet.

Für die im Vordringen begriffenen Streaming-Geschäftsmodelle wiederholt sich die Geschichte. Erneut stehen sich Urheber und Verwerter gegenüber und wieder wird – mit vergleichbaren Argumenten – um die Frage der Angemessenheit der Vergütung gerungen. Erstaunlich daran ist lediglich, dass, gerade mit der Erfahrung, die beide Seiten bereits in der Auseinandersetzung über die Downloadvergütung gewinnen konnten, gegenüber der Urheberseite dabei wieder der Vorwurf der Verhinderung und der Verweigerungshaltung im Raum steht. Dies ist vor allem deshalb verwunderlich, da es bereits jetzt zahlreiche lizenzierte Streaming-Dienste gibt.

Musik hat einen Wert an sich

Die dahinter stehenden Geschäftsmodelle sind in ihrer Vielfalt jedoch noch nicht so etabliert, dass bereits heute alle Parteien sicher sein könnten, dass jedes von ihnen funktioniert – und zwar auch unter Berücksichtigung einer angemessenen Vergütung der beteiligten Urheber. Der Schluss daraus kann nun aber gerade nicht sein, dass jeweils nur diejenige Vergütung als „angemessen“ betrachtet wird, mit der sich jedes von ihnen für den Verwerter gerade noch rechnet.

Musik hat einen Wert an sich und muss ihn auch haben. Andernfalls können es sich die Komponisten und Textdichter schlicht nicht leisten, kreativ tätig zu sein. Auch der Schwierigkeit, dass die Verwerter in der Online-Welt gegen Anbieter antreten, die Inhalte illegal ohne jede Vergütung an die beteiligten Rechteinhaber zur Verfügung stellen, kann nicht mit unangemessen niedrigen Konditionen im Rahmen der Lizenzierung begegnet werden. An dieser Stelle sind vielmehr alle Beteiligten aufgefordert gemeinsam für ein Umfeld zu sorgen, in dem ein fairer Wettbewerb herrscht.

Die Diskussion über die Angemessenheit der Vergütung ist also genauso normal wie wichtig. Sie kann aber nicht mit Argumenten wie „Mehr ist nicht übrig“ oder „Besser irgendetwas als gar nichts“ geführt werden.

Die GEMA als Vertreter der Musikurheber und Verlage unterstützt dabei grundsätzlich jede innovative Entwicklung, weil jede Neuerung für Urheber und Verwerter gleichermaßen neben allen Risiken immer auch große Chancen bietet.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Stefan Zilch, Dieter Gorny.

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