Fest im Sattel

von Hans-Ulrich Jörges11.02.2010Außenpolitik

Der Freiherr hat einen großen Freund: den Wähler. Und zwei große Feinde: die Medien und die Opposition. Da könnte Frau Merkel noch als dritter Feind dazukommen. Kein anderer Politiker könnte sie derzeit aus dem Amt fegen. Über die Kunduz-Affäre wird zu Guttenberg auf keinen Fall stürzen.

Die Frage, ob der Angriff auf die Tanklaster angemessen war, hat die Wähler, anders als die Medien und Parteipolitiker, überhaupt nicht interessiert. Das Urteil über Guttenberg in der Öffentlichkeit ist nicht schlechter geworden. Er führt die Liste der beliebtesten Politiker weiter vor Angela Merkel an. In der breiten Öffentlichkeit ist stärker wahrgenommen worden, dass er drei Dinge in der Afghanistanpolitik wesentlich verändert hat. Erstens: Er hat sehr deutlich gesagt, dass wir in Afghanistan einen Krieg führen und keine Wiederaufbau-Mission. Zweitens: Er hat offen ausgesprochen, dass es nur eine politische Lösung geben kann. Deshalb muss mit den sogenannten gemäßigten Taliban verhandelt werden. Und drittens hat er deutlich gemacht: Afghanistan wird nie eine Demokratie nach unserem Maßstab. Alle drei Punkte sind richtig.

Guttenberg ist unangreifbar

Guttenberg wird nicht über die Kunduz-Affäre stolpern, weil er für den Bombenangriff nicht selbst verantwortlich war. Allerdings könnte er über eine Lüge stolpern, wie das oft bei Affären der Fall ist. Nicht über die Affäre selbst stürzt ein Politiker, sondern darüber, dass er hinterher versucht, sie zu verschleiern und anfängt zu lügen. Aber wo sollte Guttenberg einer Lüge überführt werden können? Sicher, er kann angegriffen werden, und das wird er ja auch schon, weil er in kurzer Zeit sein Urteil über den Bombenangriff verändert hat, von angemessen zu unangemessen. Aber was sich in diesem berühmten Gespräch mit dem Generalinspekteur und seinem Staatssekretär abgespielt hat, die er dann gefeuert hat? Da muss man den Untersuchungsausschuss abwarten, in dem aber Aussage gegen Aussage steht. Das wird ihn nicht aus dem Sattel heben.

Guttenberg soll stürzen

Zwei Gruppen möchten Guttenberg stürzen sehen: die Opposition und die Journalisten. Aus der Sicht der Opposition ist er der gefährlichste und stärkste Politiker in der Koalition. Überlegt man, wer Frau Merkel einmal ersetzen wird, dann denkt man an Guttenberg. Bei einem großen Teil der Medien hat der Freiherr ein Problem dadurch, dass er erstens gegelt, zweitens jung, drittens wohlhabend ist, viertens ist er wohlerzogen und trägt fünftens Anzüge für 1000 Euro. Da kommt so viel zusammen für ein gesundes Vorurteil gegen einen alerten Konservativen, dass sich viele daran abarbeiten, den Mann zu kriegen. Dass jemand, der als Adliger eigentlich schwer verkäuflich sein müsste, die Beliebtheitsskala der Politik anführt, ist ein Rätsel oder ein Widerspruch, den viele Medien für sich nicht auflösen können. Ich für meinen Teil leide nicht darunter.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu