Schönheit ist zu einem Gebot geworden – sie ist kein Vergnügen mehr. Susie Orbach

Wir brauchen Fachkräfte, aber auch klare Regeln

Die deutsche Wirtschaft boomt. Doch der Fachkräftemangel in nahezu allen Branchen droht zum größten Hindernis für die weitere erfolgreiche Entwicklung zu werden. Da liegt es nahe, allen Fachkräften weltweit, die sich vorstellen können, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, ein Angebot zu machen, schreibt der Vizepräsident des Bundestages, Hans-Peter Friedrich.

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Das wichtigste Rezept gegen Fachkräftemangel ist die Ausbildung vor Ort. Die erste Priorität muss aber jenseits der Akquise von Fachkräften aus dem Ausland die Ausbildung und Qualifikation der in Deutschland lebenden Menschen haben. Die berufliche Bildung in Deutschland und die Qualifikation durch die Unternehmen müssen auch in Zeiten der Digitalisierung ihren Wert und ihre weltweite Vorbildfunktion behalten.

Soweit dieses inländische Potenzial nicht ausreicht, gilt es den Blick auf die Millionen arbeitsuchenden Jugendlichen in der Europäischen Union zu richten. Die Möglichkeiten innerhalb der EU sind noch nicht ausgeschöpft. Wir sollten nicht nur den Binnenmarkt für Güter und Dienstleistungen, sondern auch den europäischen Binnenarbeitsmarkt als Chance für die weitere Integration Europas erkennen. Erst danach ist es sinnvoll, Fachkräfte aus der ganzen Welt anzuwerben.

Qualifikation in der EU dient der gesamten Gemeinschaft

Wichtig dabei ist es, den betroffenen Nachbarländern das Gefühl zu nehmen, wir würden ihnen die Besten wegnehmen. Vielmehr muss ein Bewusstsein dafür entstehen, dass wo immer in Europa junge Menschen qualifiziert werden, dies der gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zu Gute kommt und auch den Herkunftsländern dient, in die sie einst zurückkehren werden.

Soweit auch dieses europäische Arbeitskräftepotenzial nicht ausreicht, um den Facharbeitermangel zu beheben, sollten wir die Chance ergreifen und über die europäischen Grenzen hinweg aktiv werden. Dabei muss jedoch von vornherein sichergestellt werden, dass die zuwandernden Arbeitskräfte auf dem heimischen Markt auch wirklich gebraucht werden und nicht in den sozialen Systemen landen.

Punktesysteme funktionieren nicht – das hat die Praxis gezeigt

Jeder, der kommen will, muss daher ein konkretes Arbeitsplatzangebot nachweisen. Um dies zu erreichen, muss die deutsche Wirtschaft dabei unterstützt werden, weltweit geeignete Arbeitskräfte zu suchen und ihnen ein Jobangebot zu machen. Alle bürokratischen Hürden müssen rigoros abgebaut werden. Der Kontakt zum zukünftigen Arbeitgeber in Deutschland muss durch die deutschen Botschaften und Auslandshandelskammern im Anwerbeland ebenso verbessert werden, wie die Möglichkeiten, in Deutschland vor Ort einen geeigneten Arbeitsplatz zu suchen.

Auf den Nachweis eines konkreten Arbeitsplatzangebots kann freilich nicht verzichtet werden. Punktesysteme, die Arbeitskräfte unabhängig von einer konkreten Nachfrage in den deutschen Arbeitsmarkt führen, sind indes nicht geeignet, sicherzustellen, dass die Fachkräftenachfrage und das Qualifikationsniveau der zugewanderten tatsächlich deckungsgleich sind.

Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass die über Punktesysteme Eingewanderten oft den von ihnen angestrebten Arbeitsplatz nicht finden und entweder den Sozialsystemen zur Last fallen oder sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten, ohne einen Beitrag zur Linderung des Facharbeitermangels zu leisten. Die Aufgabe, vor der wir stehen, besteht darin, die deutsche Wirtschaft voranzubringen und gleichzeitig unsere Sozialsysteme nicht zusätzlich unnötig zu belasten.

Quelle: XING

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dokumentation - Texte im Original, Rainer Wendt, Herbert Ammon.

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