Die Religion des 21.Jahrhunderts

von Hans-Martin Esser28.01.2019Gesellschaft & Kultur, Medien

Vor ziemlich genau 600 Jahren gab es Johanna von Orléans. Jede Religion benötigt ihre kindlichen Helden. Dass der Umweltschutz sich selbst als Religion sieht, erkennt man an Greta Thunberg, befindet Hans Martin Esser.

Malala war gestern

Stand Malala Yousafzai noch für existentielle Anliegen in der sogenannten dritten Welt, verkörpert Greta Thunberg die satte Selbstüberhöhung in der Endmoräne westlicher Gefühligkeit. Die eine gefährdet sich mit dem Schulgang, die andere provoziert mit Schwänzen. Diese verkörpert den Aufstiegswillen, jene eine diffuse Angst.

Kinder sind als Werbeträger unschlagbar – und unschlagbar manipulativ. Traut sich mal jemand zu sagen, dass man mit dieser selbstverliebt-penetranten Art der guten Sache mehr schadet als nützt? Umwelt- und Naturschutz sind aufgrund des Klimawandels wichtig, aber bitte so nicht.
Ich hoffe, dass dieses Medienphänomen so schnell vorübergeht wie Tamagotchis. Dass Umweltschutz die Religion des Westens im 21.Jahrhundert ist, sieht man an dieser Form des peinlich-nervenden Fanatismus. Wenn selbst SPIEGEL-Leserbriefschreiber derlei albern und unsympathisch finden, ist wohl klar – so bitte nicht.

So fällt in der Berichterstattung auf, dass sich die Überschriften substanziell von den Kommentaren unterscheiden.

Gefühlige Panikmache

Mit Argumenten halten sich Umweltaktivisten der Gegenwart nicht auf. Sie machen in erster Linie Angst und sind damit möglicherweise methodisch den Rechtspopulisten näher, als sie es denken, wenn sie es denn wirklich unbewusst machten.

In welchem Kontext erwartet man Sätze, die zur kollektiven Angst aufrufen, weil man selbst in Panik ist: beim Fachmann für Psychologie oder unter Beifall während des Weltwirtschaftsforums? Wem ließe man so eine – abgelesene – Philippika durchgehen, unkritisch und unhinterfragt?

Greta Thunberg, so sagt sie selbst, rede ungern mit anderen Menschen. Warum reden, wenn man predigen kann? Statt Argumente zu wechseln, wird ex Cathedra diktiert. Wer nicht diskutieren will und mit Angst kommt, hat offensichtlich keine guten Argumente auf seiner Seite. Man stelle sich vor, ein Priester, ein katholischer noch dazu, käme mit einer solchen Rede: „Habt Angst. Ende der Debatte.“ Dies ist ja wohl kaum eine frohe Botschaft. Das Ganze klingt aber weniger nach Kirche anno 2019, sondern eher nach einer rechten Demo.

Das Perfide: niemand sagt, wenn es sich bei der Inszenierung um eine Schmierenkomödie handelt – Greta Thunberg ist ja noch ein Kind.

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