4 Strategien für den FC Bayern

von Hans-Martin Esser28.12.2018Innenpolitik, Medien, Sport, Wissenschaft

Das Betriebsgeheimnis des FC Bayern ist es bis heute geblieben, Spieler zu verpflichten, die sich mit dem Verein identifizieren und als Team mögliche nuancenmäßige individuelle Defizite zu anderen Vereinen durch den Mannschaftsgeist auszugleichen vermögen. Es empfiehlt sich für den FC Bayern eine Strategie, auf vier Pfeiler zu setzen.

NBA

Vor 4 Wochen hatte ich einen Freund in den USA besucht. Er wohnt in der Südstaaten-Metropole Charlotte. So gingen wir zu den Hornets, einem Team der Basketball-Liga NBA. Dort wird regelmäßig durchgemischt. Es gibt im Gegensatz zu europäischen Fußball-Ligen ein Auf und Ab. Seit 5 Jahren dominieren zwar die Golden State Warriors das Geschehen, aber das wird in 5 Jahren nicht mehr der Fall sein. Die besagten Charlotte Hornets befinden sich stets im Mittelfeld der Liga.
Vor mehr als 20 Jahren dominierte der jetzige Eigentümer der Charlotte Hornets, Michael Jordan, mit seinen Chicago Bulls für rund 8 Jahre die Liga. Seither sind die Bulls zu einem bedeutungslosen Team herabgesunken. Jedes Jahr bekommen die schlechtesten Teams die größten Talente, Ablösesummen gibt es nicht. Eine Dominanz wie die Von Juventus Turin, Paris St. Germain, Bayern München, Real und Barca in den jeweiligen Ligen ist ausgeschlossen. Auch gibt es beim Gehalt Obergrenzen, was zur Folge hat, dass es in US-amerikanischen Ligen keine Standesgesellschaft geben kann. Kapitalakkumulation ist insofern schwerer möglich und Langeweile eben nicht die Folge.

Zum Fußball: Neymar und die Folgen

Im Jahr 2017 wechselten die Spieler Neymar für 222 Millionen sowie Mbappé für rund 180 Euro zu Paris St. Germain. Durch diese Transfers ist eine Art Kettenreaktion ausgelöst worden. Spieler kosten inzwischen rund das Doppelte ihres Marktwertes. Schaut man sich die Werte bei transfermarkt.de an, die einen Spieler mit einem Marktwert von 40 Millionen ausweisen, so kommt es häufig zu einer Ablösesumme in Höhe von 70 Millionen für ebendiesen.

Lucas Hernandez, der bis letzte Woche rund 2-3 Klicks täglich bei Wikipedia auswies, ist in den Fokus gerückt, als der FC Bayern München – angeblich – bereit gewesen sein soll, 80-85 Millionen für einen Abwehrspieler (!) auszugeben und damit den bisherigen Bundesligarekord zu verdoppeln und so viel für einen Defensivspezialisten auszugeben, wie es nie zuvor weltweit der Fall gewesen war. Hinzu kommt, dass dieser Spieler womöglich nur einen 4-Jahresvertrag unterschrieben hätte, so dass bereits nach zweieinhalb Jahren Spekulationen entstanden wären, ob er vielleicht bald, nach weiteren anderthalb Jahren, ablösefrei gehen wird, was nur zu Unruhe führt.

Was tun?

Nun wird kolportiert, dass Spielerberater grundsätzlich dem Meistbietenden unabhängig von der Identifikation des Spielers mit diesem Team in einem Überbietungswettbewerb den Zuschlag geben sollten, unabhängig, ob der Verein überhaupt geeignet ist, den oft noch sehr jungen Spieler, weiterzuentwickeln.

Das Betriebsgeheimnis des FC Bayern ist es bis heute geblieben, Spieler zu verpflichten, die sich mit dem Verein identifizieren und als Team mögliche nuancenmäßige individuelle Defizite zu anderen Vereinen durch den Mannschaftsgeist auszugleichen vermögen.
Es empfiehlt sich für den FC Bayern eine Strategie, auf vier Pfeiler zu setzen.

Fans holen

Erstens nur Spieler zu holen, die sich mit dem Verein identifizieren. Genau das ist gerade heute sehr wichtig. Kai Havertz und Timo Werner, zwei der großen deutschen Hoffnungen, haben andeutungsweise sehr klar gemacht, dass sie den FCB schon immer leiden konnten. Es lohnt sich vielleicht eher, sich zu erkundigen, in welchen Trikots bzw. in welcher Bettwäsche ein Junge vor 10 Jahren herumlief, als ein ach so ausgeklügeltes Scouting-System aufzubauen, um eine Durchgangsstation zu sein. Thomas Müller hatte, so wird berichtet, ein wahnsinnig attraktives Angebot von Manchester United im Jahr 2015. Dass er dennoch blieb, liegt daran, dass er zum FCB eine Bindung hat, die jenseits der Gehaltsbeziehung besteht.

Ablösefreie verpflichten

Zweitens sollten die Münchener Ausschau halten, wann Verträge auslaufen. Timo Werner, zurzeit bei RB Leipzig, hat offensichtlich ein 2020 auslaufendes Arbeitspapier. Sollte man für einen Spieler wirklich im Jahr 2019 noch rund 60 oder 70 Millionen investieren, wenn er ein Jahr später kostenlos zu haben ist. Spieler wie Rabiot von Paris St. Germain haben offensichtlich ein 2019 auslaufendes Arbeitspapier oder Manchesters Keeper de Gea. Selbst wenn man ein ordentliches Handgeld zahlt, sagen wir in der Höhe eines Drittels des Marktwertes des Spielers, und dieser dann nicht so gut ins Team passt, kann man ihn bei einem längerfristigen Vertrag gewinnbringend weiterverkaufen, was wiederum Geld für andere Spieler freisetzt.

Leuchttürme

Drittens gibt es sogenannte Leuchtturmspieler. Neymar und Mbappé sind solche. Sie zeigen an, dass ein Verein es wirklich ernst meint mit seinen Ambitionen. Havertz ist auch so ein Spieler. Selbst wenn er 90 Millionen kosten sollte, wird klar, dass ein Verein wie der FCB es ernst meint mit den Ambitionen. Auch ein Dybala dürfte kaum unter 100 Millionen zu haben sein. Wenn man aber die Hälfte seiner Spieler für wenig oder gar – aufgrund auslaufender Verträge – ohne Ablöse bekommt, hat man eben das Geld für diese Leuchttürme.

Loyalität belohnen

Serge Gnabry hat sich als bester Spieler der Bayern-Hinrunde neben Lewandowski und Kimmich etabliert. Ebenso ist ein Coman zu bewerten. Was man aus dem Fall Lucas Hernandez ersehen kann, ist, dass auch Fußballspieler Seelchen sein können, die man besser umgarnt, ihnen durch leistungsmäßige Gehaltsanpassungen und langfristige Verträge klar macht, dass man sie schätzt. Gnabrys Arbeitspapier sollte man also schnellstens verlängern.

Als bekennender Bayern Fan sehe ich eben diese Spieler, Havertz, Dybala, Werner sowie hinten Kehrer und Pavard beim FC Bayern.

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