Das Geschäft mit der Angst

von Hans-Martin Esser12.11.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Stets wenn die Angst groß ist, stehen die Grünen bereit und verstärken diese. Es fing mit dem sauren Regen an, dem Waldsterben, der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Friedensbewegung, dem Nato-Doppelbeschluss, es ging weiter über Tschernobyl, Fukushima, Gen-Nahrung und so weiter, meint Hans-Martin Esser.

German Angst

Seit ungefähr 15 Jahren geistert der Begriff der German Angst durch die Debatten der Republik. Aufgrund der Verschränkung von englischer und deutscher Sprache ist er für den Export bestens geeignet, so dass man auch jenseits der Grenzen wusste, dass Angst Teil der hiesigen Kultur zu sein scheint.

Man hatte zur mittelalterlichen Jahrtausendwende Furcht vor dem Weltuntergang. Tausend Jahre später gab es die Narration – nennen wir sie düstere Legende – vom Absturz aller Computer in der Sekunde, da das dritte Jahrtausend beginnt.
Ausgeprägt war sie, diese Furcht, besonders in Deutschland. Diese Narrationen fußen womöglich auf dem uralten und urdeutschen Narrativ, wonach uns der Himmel jederzeit auf den Kopf fallen könne.

Angebot und Nachfrage

Wie das leere Blatt möglicherweise für den Schriftsteller erschreckend erscheint, sieht es mit dem noch unbeschrifteten Jahrtausend aus. Was soll man denn damit anfangen?! Es muss etwas substanziell Anderes sein als das Bisherige. Der Zwang, gefälligst eine Vision auszuspucken wird mithin zum Albdruck. Je weißer das Blatt, je blauer der Himmel, umso bedrohlicher. Viel leichter als die Vision ist es doch, die Ängste zu bespielen.
Jetzt mag der geneigte Schriftsteller zur Flasche greifen, wenn er mit all dem leeren Blatt nicht zurechtkommt. Was aber tut der Wähler? Er benötigt den Tranquilizer am Wahltag, der ihm entweder Stabilität verspricht oder gar Solidität. All das sind aber geringe Dosen gegen die Angst. Wenn die Partei nun selbst, die stets für langweilige Berechenbarkeit verschrien war, die Verhältnisse zum Tanzen bringt, was passiert dann?

Grüne & AfD

Ja dann schlägt die Stunde derjenigen, die die hohe Dosis Angst anbieten. Auf der einen Seite die AfD, die von Bevölkerungsaustausch spricht, in Verkennung der Tatsache, dass sich neben einigen Problemfällen auch viele positive Beispiele von Integration seit 2015 im Land befinden.

Am Abbrechen von Migrantenzahlen hat man hier eigentlich kein Interesse, da diese bei den kommenden Wahlen negativ aufs Ergebnis drücken würden. Ständig müssen neue Gründe für die Angst her – wie jetzt der global compact for migration.

Auf der anderen Seite haben wir mit den Grünen eine typisch deutsche Partei. Schon der britische Intellektuelle Neil MacGregor formulierte – meiner Ansicht nach viel zu positiv -, dass es sich bei den Grünen insofern um ein deutsches Phänomen handle, da das Verhältnis zu den Wäldern stets romantisch, mythisch und besonders sei in Deutschland und sich mit dieser Partei ein Anwalt ebendieser Natur hervortue.

Vielmehr sind die Grünen insofern typisch deutsch, da sie das Narrativ des auf den Kopf fallenden Himmels bedienen und verstärken. Es fing mit dem sauren Regen an, dem Waldsterben, der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Friedensbewegung, dem Nato-Doppelbeschluss, es ging weiter über Tschernobyl, Fukushima, Gen-Nahrung und so weiter. Stets wenn die Angst groß ist, stehen die Grünen bereit und verstärken diese.

Ähnlichkeit

Neulich im Zug unterhielt ich mich mit einer Freundin, die den Grünen nahesteht. Sie betont auffällig häufig, dass sie ja – im Gegensatz zu AfD-Wählern – eben keine Angst habe. Oha. Die Grünen sind die erste erfolgreiche und dauerhafte Parteiengründung, die die Angst zum Geschäftsmodell erhoben hat, die zweite ist die AfD.

Man schaue sich doch bitte die Argumentationsmuster an. Wenn man nicht sofort umsteuert, wird etwas ganz Schreckliches geschehen – und zwar bis zum Jahr 2100 und unumkehrbar. Bereits 2007 erschien das Buch the assault of reason von Al Gore. Damals war ich an der Universität in Berkeley und auch dort, einer traditionell progressiven Uni, waren Gores Thesen in aller Munde. Er prognostizierte ein Zeitfenster von 8 Jahren, also bis 2015, in dem man noch den Klimawandel in erträgliche Bahnen bringen könne.

Nun titelt die ZEIT am 4.11.2018, dass die Sintflut komme. Hier wird der religiöse Bezug deutlich. Sprach Gore noch von 2 Grad Erwärmung, ist das Klimaziel auf 1,5 Grad herabgesetzt, damit es sich schöner gruselt.
Bluthochdruck mit 160 ist so 90er Jahre. Was tun? Man setzt die Grenzwerte herab, auf 140, dann lässt sich mit der Furcht ein lukratives Geschäft aufbauen. Bis 2100 also der unumkehrbare Untergang. Bei der AfD die Furcht vor dem unumkehrbaren Austausch der Bevölkerung, bei den Grünen sind es CO2, steigende Meeresspiegel und Mikroplastik in Fischen und Menschenmägen sowie Gen-Nahrung.

Szenarien, die unter die Haut gehen. Die Bedrohung, die unabwendbar ist und von innen kommt – aus diesem Stoff ist jeder zweite Horrorfilm und jedes Märchen der gehässigen Oma, die den Enkeln zusetzen will.

Gegenseitiges Hochschaukeln

Zynisch ausgedrückt haben AfD und Grüne sehr viel Interessenharmonie. Beide wollen möglichst viel unkontrollierte Migration. Die AfD, weil sie dann mit der Angst der Wähler zugewänne, die Grünen, weil sie mit einer abgeleiteten Angst, eben vor einer starken AfD punkten können. Die Grünen haben auch kein Interesse an einem weltweiten Absinken des C02-Ausstoßes, dann wären sie ja überflüssig oder müssten sich die Mühe geben, eine neue Angst aufzutun.

Wenn es so weiterläuft, werden Grüne und AfD den bisherigen Spitzen-Parteien SPD und Union den Rang ablaufen. Daran haben sie ein Interesse, nicht an der Lösung der Probleme. Beide profitieren so sehr von Sorgen, Nöten und Problemen, gerade weil sie nur deshalb entstanden sind. Es ist ihre Kernkompetenz.

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