Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht. Karl-Theodor-zu Guttenberg

"Populistisch", "rechts" und "rechtspopulistisch"

Als Unwort des Jahres möchte ich Ihnen “populistisch” vorschlagen.

populismus rechtspopulismus unwort-des-jahres

Diesen Vorschlag reichte ich der Jury als Unwort des Jahres ein.

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Unwort des Jahres möchte ich Ihnen “populistisch” vorschlagen. In den Debatten der vergangenen Jahre ist es zur Mode geworden, den politischen Gegner besonders dann, wenn er denn erfolgreich ist, so zu etikettieren und zu diffamieren. Als alternative Vorschläge reiche ich “rechts” und “rechtspopulistisch” ein.

Bei all diesen Begriffen wird durch Ausgrenzung per Verdächtigung versucht, den politischen Gegner herabzusetzen, indem man ihn einer – häufig unberechtigten – Faschismus-Sympathie bezichtigt und somit wirklichen Faschismus durch inflationären Gebrauch verharmlost und verniedlicht.

Es ist dies das Stilmittel eines politischen Prangers wie zur Zeit der McCarthy-Ära, nämlich das der Diffamierung Andersdenkender durch Ausweitung von Dunstkreisen, um einen unbequemen Geist ohne Argumente mundtot zu machen.

Nicht Argumentation, sondern Schweigen aus Angst vor Bezichtigung wird somit zum Maßstab politischer Debatten. Der Ängstliche wird belohnt, der im demokratischen Sinne Streitbare diffamiert. Dies setzt bewusst auf einen Mechanismus, der dem Untertanendenken durch primitivste Stimuli Vorschub leistet und insofern selbst im Kern faschistisch ist, ohne es zu bemerken.

Konformitätsbelohnung und Bestrafung von Abweichlern sind Merkmale von “gelenkten” Demokratien und mögen in der Erziehung von deutschen Schäferhunden Berechtigung haben, aber nicht in westlichen Debatten des Jahres 2017.

Zu beobachten ist, dass die Begriffe “populistisch”, “rechtspopulistisch” und “rechts” auch auf Mehrheitsentscheide ganzer Länder wie die Wahl des österreichischen Bundeskanzlers und die Entscheidung Großbritanniens zum Austritt aus der EU Anwendung finden und mithin demokratische Mehrheiten diskreditieren oder gar ihre Zurechenbarkeit in Zweifel ziehen sollen. Kommt es zu solchen Entwicklungen, dass die andersdenkende Mehrheit als pathologisch eingestuft wird, sollte man sich Gedanken über die eigene Demokratiefähigkeit machen.

Ich hoffe, dass mein Einwurf diskutiert wird und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Hans Martin Esser

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Hans-Martin Esser: Die Wissenschaft vom Pudding

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