Es geht nicht um Mitmenschlichkeit! Die neue Wachstumsdynamik durch Immigration

von Hans-Martin Esser23.11.2017Europa, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Was so schön klingt, Familiennachzug mit einer Narration von Menschlichkeit, Christlichkeit und dergleichen zu begründen, hat einen knallharten Kern. Es geht darum, NGOs und Sozialarbeitern größere Budgets – und zwar dauerhaft – zuzuschustern.

Es wird der FDP oftmals der Vorwurf gemacht, sie sei eine Partei, die „die Interessen der Wirtschaft“ vertrete. Es kann Schlechteres geben, kann ich da nur antworten. Wächst die Wirtschaft, gibt es überhaupt erst Mittel, die man umverteilen kann. Hier ist die Frage sehr schnell beantwortet, was zuerst da war – Huhn oder Ei. Ohne Sozialarbeiter kommt ein Land besser zurecht als ohne Unternehmer, die indirekt die Gehälter und Pensionen der verbeamteten Sozialwerker erwirtschaftet hatten.

Gute Interessen – böse Interessen

Die Grünen haben bei drei Berufsgruppen überproportional hohe Anteile: bei Beamten, Kulturschaffenden und Journalisten. Nun könnte man die erstgenannten beiden Gruppen auch zusammenfassen: kaum ein Künstler schafft es ohne staatliche Auftragsarbeiten oder NGOs wie Kulturverbände über die Runden. Bücher, Skulpturen und Bilder verkaufen sich bei den allerwenigsten hauptberuflichen Kulturschaffenden so gut, dass sie wirklich unabhängig wären.

Nun stellen die Grünen die Interessenvertretung eben jener Akademiker, die sich für kein marktgängiges Studium entschieden hatten, also weder für Jura, Wirtschaft noch Naturwissenschaft oder Technik. Hier sind die eher stillen, wohlhabenden Großbürgerlichen, die ohne Ausbau des öffentlichen Sektors eben nicht gerade ins Prekäre rutschten. Sie wählen nicht die Grünen, sondern die FDP.

Es geht um die Wurst

Was so schön klingt, Familiennachzug mit einer Narration von Menschlichkeit, Christlichkeit und dergleichen zu begründen, hat einen knallharten Kern. Es geht darum, NGOs und Sozialarbeitern größere Budgets – und zwar dauerhaft – zuzuschustern. Selbst werde ich als jemand, der sich für Politikwissenschaft interessiert, zu entsprechenden Tagungen eingeladen. Es ist das schreiende Elend, wie prekär hochdekorierte sozialwissenschaftliche Akademiker (oft mit zwei Doktorgraden und einem Privatdozententitel) vegetieren.

In Zigarettenpausen kommt oftmals Verbitterung durch und der Beisatz, man müsse als diplomierter Sozialwissenschaftler möglichst schnell sein Heil in NGOs oder Beamtenstuben suchen. Überhaupt sind NGOs Auffanglager für solche, die bei der Reise nach Jerusalem zur Professur nicht den letzten Stuhl besetzten konnten. Ohne NGOs säße Herr PD Dr. Dr. oft neben Kevin-Petrik und Chantal-Soraya in der Schlange beim Amt für Grundsicherung. Hier entsteht zurzeit enorme Wachstumsdynamik durch Immigration und Familiennachzug, sowohl diesseits als auch jenseits des Schreibtisches.
Da leider die wenigsten der seit nun immerhin mehr als zwei Jahren in Deutschland wohnhaften Immigranten selbst in Lohn und Brot sind, können sie mit ihrer Anwesenheit etwas Gutes tun: sie helfen damit über einen Familiennachzug, der nur gut verkauft – sozialwissenschaftlich nennt man dies Wording bzw. Framing – werden will, prekären deutschen Sozialwissenschaftlern ihre Einfamilienhäuser zu finanzieren. Darum geht es.

Die Interessen der Anderen

Interessen müssen als gemeinwohlorientiert verkauft werden. Der FDP sagt man – siehe oben – ja eine Nähe zur Wirtschaft nach. Die CSU hatte im September einen gehörigen Dämpfer erhalten und schickt sich an, 2018 bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit zu verlieren. Daher blockt sie vehement jeden Familiennachzug ab, es entspricht ihren wahltaktischen Interessen für das nächste Jahr.

Die CDU wiederum ist intellektuell so weit ausgedünnt und von der Macht psychisch abhängig, dass sie zur Verfügungsmasse aller anderen Teilnehmer wird, solange Merkel nur irgendwie im Amt bleibt, weil sie einen kalten Entzug kaum aushalten könnten. Sie verhält sich wie ein Junkie, der für das Geld zur Finanzierung seines nächsten Schusses alles zu tun bereit ist. Der noch verbliebenen Wählerschaft dieser Partei kann man unter den Labels christlich, sozial demokratisch und alternativlos sowieso alles und das Gegenteil verkaufen.

Die Eunuchen

Einzig die Grünen scheinen gar keine Interessen zu haben, zumindest wenn man öffentliche Verlautbarungen anschaut. Durch die entsprechenden wortaffinen Studiengänge geschult und unterstützt von alten Kommilitonen in den Redaktionsstuben entsteht das Bild einer Partei, die über den Dingen schwebt wie sonst nur Merkel und der Liebe Gott.

Anmerkung: der Autor dieser Kolumne sieht, während er diesen Artikel schreibt, Anne Will und die Tagesthemen, wo sich die Journalistinnen Christiane Hoffmann (SPIEGEL) und Tina Hassel (ARD) massiv für die Grünen ins Zeug legen. Er fühlt sich damit an einen Vortrag von Dr. Thomas Petersen vom Allensbach Institut erinnert, der mit einem Diagramm zur Wählerpräferenz unter Journalisten endete. Wenn Schiedsrichter parteiisch sind, ist dies besonders schwierig.

Hier die selbstlosen Jedi-Ritter, dort die dunkle Seite der Macht. Pseudo-Intellektualität auf Augenhöhe mit Trivialliteratur.

Das Geld der Anderen

Die Grünen sollten sich folglich eigentlich Gemeinwohlpartei nennen, wenn dies nicht so einen üblen Beiklang totalitärer Ein-Partei-Regime hätte. Spaß beiseite. Es geht um knallharte Interessen. Einkommensvorstellungen von Sozialarbeitern, Subventionskünstlern und staatstragenden Kulturschaffenden sind nicht zu unterschätzen, sie bestimmen wesentlich öffentliche Meinung mit. Der Preis für das Ziel einer multikulturellen Gesellschaft kann nicht zu hoch sein, solange es das Geld der Anderen ist.

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