Wenn im Parlament nur 25-Jährige sitzen würden, würde es nicht funktionieren. Florian Bernschneider

Ich liebe meine linken Freunde

Besonders ehemalige Linke, die seit der Flüchtlingskrise kritisch geworden sind, gehen teilweise damit hausieren, wie viele Freundschaften auseinandergingen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Obwohl ich mich fortwährend über Naivität in ökonomischen Dingen, Gesinnungsethik und Blauäugigkeit in meinen Kolumnen auslasse, trübt das keineswegs das Verhältnis zu meinen linken Freunden.

Es gibt eine ganze Reihe von Publizisten, die damit kokettieren, dass langjährige Freundschaften in letzter Zeit zerbrochen sind. Angeführt wird immer wieder die Verhärtung des Lagerdenkens seit ein paar Jahren.

Besonders ehemalige Linke, die seit der Flüchtlingskrise kritisch geworden sind, gehen teilweise damit hausieren, wie viele Freundschaften auseinandergingen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Zwei Drittel bis drei Viertel meiner Freunde wählen linke Parteien, meistens grün. Obwohl ich mich fortwährend über Naivität in ökonomischen Dingen, Gesinnungsethik und Blauäugigkeit in meinen Kolumnen auslasse, trübt das keineswegs das Verhältnis zu meinen linken Freunden. Sie lachen sich trotzdem über meine Analysen scheckig bei einem gemeinsamen Glas Wein.

Angenehme Zeitgenossen

Persönlich sind Linke angenehme Typen, solange sie nicht unter akuter Besserwisseritis leiden und sich somit für mich als Freunde von vornherein disqualifizieren. Es ist ein Ammenmärchen, dass Freundschaft durch politisch abweichende Meinungen zerbrechen muss.

Vor einem halben Jahr unterhielt ich mich zwei Stunden mit dem Historiker Andreas Rödder. Einen Tag zuvor hatte ihn Rainer Hank für die FAS mit Ulrike Guerot interviewt. Rödder sagte, so sehr er Guerot von ihrem Standpunkt ablehne, so sehr schätze er sie dennoch. Eine gesunde Einstellung.

Anfang des Monats hatte ich eine Podiumsdiskussion mit Claus Leggewie. Auch er ist ein durchaus angenehmer Zeitgenosse, obwohl ich ihm in fast keinem Punkt zustimmen kann, was seine Vision von Europa angeht. So ist das.

Man kann nach einer solchen Veranstaltung durchaus noch ein angenehmes Gespräch mit Abendessen führen.

Suspekt

Suspekt sind mir zutiefst solche Menschen, die nur aus einem politischen Lager Meinungen hören wollen und ihren Bekannten- und Freundeskreis einengen. Ich schließe mich dem Kolumnenkollegen Zitelmann in seinem offenen Brief an Leserbriefschreiber an.

Es ist dauerhaft ungesund, hinter allem eine große Verschwörung zu sehen. Daneben natürlich auch absurd. Von mir aus soll ich Applaus von der falschen Seite bekommen, dennoch bin ich nicht bereit, vorhersehbare Kolumnen zu liefern, die als Erbauungsmaterial für ein politisches Lager taugen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Hans-Martin Esser: Schulnoten bringen nichts

Leserbriefe

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