8 Fragen, die SPD-Mitglieder Martin Schulz nicht stellen dürfen

Hans-Martin Esser12.08.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Die AWO Jena-Weimar schlägt ihren Mitgliedern vor, was man Martin Schulz fragen darf und was nicht. Einiges ist herausgekommen, wie Filtern aussieht. Hier eine fiktionale Liste als Halt für unselbständige Mitglieder.

Liebe Genossen, bitte Schnauze halten

Es ist 2017, 28 Jahre nach Honecker, 72 nach Hitler und zweieinhalb Jahrhunderte nach der Aufklärung. Ganz Deutschland ist demokratisch. Ganz Deutschland? Eine kleine Partei widersetzt sich – die Spezialdemokraten. Fragen, die unerwünscht sind, werden im narkotisierten Wahlkampf aussortiert. Die AWO Jena-Weimar schlägt ihren Mitgliedern vor, was man Martin Schulz fragen darf und was nicht. Einiges ist herausgekommen, wie Filtern aussieht. Hier eine fiktionale Liste als Halt für unselbständige Mitglieder.

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Genossinnen und Genossen, dem großen Vorsitzenden, dem wir 100% unserer Stimmen gegeben hatten, schulden wir 100% Loyalität. Bitte benehmt Euch, wenn er uns beehrt. Also bitte waschen, Zähne putzen und nicht Nase bohren. Seinen wohlbezahlten Posten in Brüssel ließ er hinter sich, um uns als künftiger Kanzler Gutes zu tun. Wir können ihm hierbei helfen. Geschlossenheit ist unbedingt zu demonstrieren. Bitte bringt Eure Enkel und Urenkel zur Veranstaltung mit. Setzt sie in die erste Reihe. Wir wissen ja, dass AWO und SPD DIE Garanten für soziale Gerechtigkeit sind. Es muss so bleiben. In Abstimmung mit dem Willy-Brandt-Haus haben wir herausgefunden, welche Themen einer modernen progressiven Sozialrepublik gut zu Gesicht stehen.

Erstens: Soziale Gerechtigkeit. Fragt den Martin nach Mindestlohnerhöhung, Senkung des Rentenalters, er wird Euch sagen, wie man dergleichen finanziert. Etwa, indem er die Reichen stärker in Verantwortung nimmt. Die Kanzlerin tut dort zu wenig. P.S: Bitte fotografiert ihn von links, das ist seine Schokoladenseite.

Zweitens: Bitte lasst Fragen nach der Migrationswelle von 2015 oder einer möglichen neuen. Gegebenenfalls werden Nordrhein-Westfalen und Berlin die schweren Fälle aufs Auge gedrückt bekommen. Thüringen hat keine Probleme. Das wird so bleiben. Verlasst Euch drauf. Vertraut Martin so, wie er Euch vertraut. Einigkeit zu demonstrieren, ist extrem wichtig.

Drittens: Klatscht laut und sagt alle 5 Minuten euphorisch „Martin, Martin, Martin“. Rudi filmt – der Film wird bei Youtube hochgeladen.

Viertens: Wenn irgendeiner fragt, ob es eine Absprache oder ein Memo oder eine Anweisung gibt, leugnet es einfach. Es geht um die Sache und die Einigkeit. Wenn wir uns einig sind, dass es auf Kreta keine Kreter gibt, läuft alles bestens.

Fünftens: Amerika und Europa. Es ist so, dass wir viele Feinde haben: Orban, Putin, Trump, Polen und England. Fragt mal den Martin, wie er mit diesen Knilchen umgehen will. Der hat dem Berlusconi mal ganz schön die Meinung gesagt. Als Kanzler wird der die Mores lehren. Moral ist unsere Kernkompetenz. Wir müssen andere Länder vor Verirrungen schützen. Einige wissen halt nicht, was gut ist.

Sechstens: Stellt bitte nicht zu viele Fragen, die nicht den Punkten 1-5 zuzuordnen sind. Wir wollen ja nicht, dass Ihr oder Martin ins Stocken kommen.

Siebtens: Wenn Ihr nicht wisst, wie oder was man fragt, sitzt immer einer aus dem Willy-Brandt-Haus in der ersten Reihe. Er bringt Euch das Mikro und sagt Euch, was eine kluge Frage sein könnte.

Achtens: Bitte redet nicht über Sigmar, weder über seine Gewichtsschwankungen noch über irgendwas sonst.

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