Luther würde sich schämen für seine Kirche

von Hans-Martin Esser29.05.2017Innenpolitik

Luther ist die Verkörperung von Mut und Nonkonformismus. Wem von den Gesinnungsethikern das Parlament zu anstrengend ist, weil es dort Widerrede gibt, wird evangelischer Pfarrer.

Mätzchen

George Lucas hat Milliarden dafür kassiert, dass ihm die Rechte für Star Wars abgenommen worden sind. Viele traditionelle Anhänger der Saga können mit dem, was neuerdings inflationär jedes Jahr zu Weihnachten ins Kino kommt, nichts anfangen.

Anders ist es mit der evangelischen Kirche nicht, sie hat mit der ursprünglichen Idee nichts mehr gemein. Einer meiner Facebook-Freunde hat mit Wonne „Luther – Du mieses Stück Scheiße“ verlinkt und ge-liked. Es ist augenfällig, dass die sogenannte evangelische Kirche nichts, aber auch gar nichts mehr mit Luther zu tun hat. Man sehe sich nur die höchst albernen Mätzchen des „Kirchentages“ an. Malen nach Zahlen für Dumme sozusagen.

Keine Kirche, eine Partei

Wenn man einen Marke abwickeln will, blendet man nach und nach den alten Namen aus, einen neuen ein. Genau an diesem Punkt ist man in der evangelischen Kirche schon vor langer Zeit gewesen.
Dem Diktum des ansonsten tadellosen Bundespräsidenten Gauck, der noch ein wirklicher evangelischer Priester war, folgend, wonach es ein dunkles und ein helles Deutschland gebe, kennt die jetzige sogenannte evangelische Kirche nur noch schwarz und weiß, so wie es im Trivialroman ist. Natürlich ist die Kirche, die eigentlich gar keine Kirche mehr ist, das helle Deutschland.

Sie, die evangelische Kirche, ist bereits vor Jahren gestorben, sie wird wie Norman Bates´Mutter nur noch als ausgestopfter Platzhalter bewahrt und existiert gar nicht mehr. Durch die Friedensbewegung hatte man in der damals vor 30 Jahren noch existierenden evangelischen Kirche versucht, sich politisch aufzuladen und Anschluss zu halten. Seither haben die Grünen die Partei vollends okkupiert. Die Themen des Kirchentages und das Wahlprogramm der Grünen sind identisch. Es ist bei dieser so genannten Kirche keine Trennung von Politik mehr vorhanden, nicht einmal der Wille hierzu, wie es die katholische Kirche unter Papst Benedikt kannte.

Der Gang durch die Institutionen ist bei der sogenannten evangelischen Kirche besonders erfolgreich gelungen.

Warum noch der Humbug, so zu tun, als sei man Kirche?

Erstens hält man am Kirchenstatus fest, weil viele Arbeitsplätze dranhängen.

Zweitens wirkt die Indoktrinierung durch einen nicht politischen Träger viel überparteilicher – so hält man am Kirchenstatus fest, weil mit ihr von der Kanzel eine gewisse Autorität einhergeht, die nicht demokratisch angefochten wird.

Von der Kanzel spricht der Kanzler im Parlament, danach der Oppositionsführer. Warum tritt kein Laie mit Mumm in den Knochen aus dem Auditorium auf und hält eine Gegenrede auf den oft gequirlten Stuss, den man sich in der Viertelstunde zuvor anhören musste? Weil es in Kirchen nicht demokratisch zugeht und man so etwas nicht tut, obwohl man dann ein wahrer Lutheraner wäre.

Luther ist die Verkörperung von Mut und Nonkonformismus. Wem von den Gesinnungsethikern das Parlament zu anstrengend ist, weil es dort Widerrede gibt, wird evangelischer Pfarrer. Durch Beamten gemäße Entlohnung hat man ein sicheres Auskommen. Im Gegensatz zu den katholischen Kollegen muss man auch auf nichts verzichten. Ich kenne einen evangelischen Pfarrer, der sich über genau diese Verschränkung beschwert und von den Ratsvorsitzenden der letzten Jahrzehnte nicht allzu viel hielt, weil sie die gleiche politische Agenda herunter beten.

Grüne Ideologie lässt sich viel besser durchsetzen, wenn man dem Publikum einimpft, Bruce Wayne sei nicht Batman, die Grünen und die evangelische Kirche seien zwei verschiedene Dinge. Es passt kein Blatt Papier zwischen die Grünen und die kleinen Minibundespräsidenten an der sonntäglichen Kanzel. Es gehört viel Ignoranz dazu, dies nicht zu bemerken.

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