Erdogans Wähler sind SPDler und Grüne

von Hans-Martin Esser21.04.2017Außenpolitik, Innenpolitik

Mit folgendem Slogan könnte man im NRW-Wahlkampf witzeln: „Sie sind konservativ und können die CSU nicht wählen, dann entscheiden Sie sich doch für die Grünen.“

Am Ostermontag um 19.00 h hörte ich die Nachrichten bei WDR 2. Dort wurde festgestellt, dass mehr als 60% der in Nordrhein-Westfalen lebenden Türken, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, für die Verfassungsreform in der Türkei gestimmt hatten.

Damit hat der türkische Präsident Erdogan hierzulande noch treuere Anhänger, als sonst in der Türkei, wo unter 60% für die Verfassungsreform stimmten.

Mich persönlich lässt es relativ kalt, ob Erdogan seinen Wunsch auf eine Verfassungsreform erreicht beziehungsweise wen in Deutschland lebende Türken mit Doppelpass wählen.

Ob die Türkei damit auf dem Weg ist, ein autoritärer Staat zu werden, überlasse ich in der Analyse anderen.

Der Clou

Was an den Nachrichten bemerkenswert war, ist die Tatsache, dass die Wähler, die als türkische Staatsbürger aus Nordrhein-Westfalen für Erdogans Pläne votierten, bei Landtags- und Bundestagswahlen hauptsächlich und gewohnheitsmäßig für Grüne und SPD stimmen. Das wurde im 19.00 h Nachrichten-Beitrag vom WDR 2 Radio explizit erwähnt.

Eigentlich ist es mir als FDP-Wähler egal, welche Wähler SPD und auch die Grünen haben, nur fällt mir auf, dass es gerade diese beiden Parteien sind, die sich regelmäßig aufs hohe moralische Ross setzen, wenn gegen politische Konkurrenz wie AfD oder CSU gewettert wird, was deren Wählerstruktur betrifft.

Als Grund für die mehrheitliche Wahlpräferenz wurde angeführt, dass es sich grundsätzlich um eher streng konservative türkische Mitbürger handelt, die Rot-Grün nur deshalb wählten, weil diese Parteien die großzügigsten Zuwanderungsregeln anbieten.

Das hohe Ross

Aus der Entfernung einer anderen Partei, die mit SPD und Grünen nichts gemein haben will, wundert man sich allerdings, mit welchem Grund sich gerade die Grünen moralisch erheben.

Zusammengefasst könnte man mit folgendem Slogan im NRW-Wahlkampf witzeln: „Sie sind konservativ und können die CSU nicht wählen, dann entscheiden Sie sich doch für die Grünen.“

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