Nein zur Organspende

von Hans-Martin Esser12.04.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Der Organspende-Ausweis ist ein stark beworbenes Accessoire. Überhaupt ist alles tabuisiert, was unter die Haut geht oder den Tod kontaktiert. Insofern fasst man ein doppeltes Tabu an.

Es gibt allerdings leider nur eine richtige und öffentlich erwünschte Einstellung zum heiklen Thema. Wer sich dazu bekennt, NEIN zur Organspende zu sagen, muss sich hierfür gehörig Kritik anhören.
Dabei erinnert uns fröhliche Werbung von Prominenten daran, dass dieses Nein eigentlich unsäglich ist, gar nicht sein darf.

Die nüchterne Betrachtung

Ökonomen schauen eher nüchtern auf Probleme – logisch denken, Särge schenken sozusagen. Ein größeres Tabu als der Tod sind die Kosten eines Schwerkranken. Im Zeitalter von Controlling und Political Correctness ist der Organspendeausweis eine Pille fürs gute Gewissen. Vorsicht, denken Sie darüber nach, was Sie ankreuzen.

Ich unterstelle folgendes Szenario: ins Krankenhaus kommt ein junger Mensch mit Ausweis. Seine Überlebenschancen liegen bei 10%. Die Organe sind von bester Qualität, es gibt sozusagen einen Markt für sein Innerstes.

Das Krankenhaus hat mehrere Ärzte, die unter dem Druck des internen Controllers leiden. Die Aussichten, sollte der Patient überleben, sind trüb. Er wird ein sehr eingeschränktes Leben führen und die Krankenkasse noch viel Geld kosten, könnte man zynisch hinzufügen.

Hätte er keinen Ausweis und das Haus keinen Kostendruck, unterstelle ich, dass sich die Ärzte die notwendigen Prozentpunkte Leistung mehr abringen würden, um ihn zu retten.

Darüber kann man diskutieren. Aber die subtile Mischung aus Druck, dem Gefühl, etwas Gutes zu tun und Anreiz auf Prestige wirkt. Für die Inhaber von Organspendepässen scheint es auch keine Alternative zu geben.

Ähnlich dem Bachelor-System

Der sogenannte Bologna-Prozess kam vor 15 Jahren in Gang, vorgeblich, um Universitätsabschlüsse zu vereinheitlichen. Aber eigentlich ging es um Kostenersparnis. Gerade in Deutschland hatte sich ein System mit Diplom- und Magisterabschlüssen durchgesetzt, das höchste Qualifikation garantierte.

Allerdings waren sie recht teuer. 10-12 Semester benötigte man hierzu. Für den Bachelor, der nicht gleichwertig ist, auch nicht zum selbständigen Denken ermuntert benötigt man nur zwei Drittel der Zeit beziehungsweise der Kosten.

Der Trick liegt darin, nicht Gleichwertiges als gleich zu verkaufen.

Den Master können nur wenige Absolventen eines Jahrgangs erwerben, hierzu fehlen die Kapazitäten.

Ein Organspendeausweis ist mindestens auch kostensparend, da die ganz aussichtslosen Fälle günstig und elegant recycelt. Ein Mittel zur Kostenersparnis für das Gesundheitssystem ist er außerdem.

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