Hat Carolin Emcke den Preis verdient?

Hans-Martin Esser24.10.2016Gesellschaft & Kultur, Medien

Carolin Emcke hat den Buchpreis nicht für ihre hohe Literatur bekommen, sondern für Goodwill. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels scheint nicht ein Preis für Leistungen zu sein, sondern eine Kompensation für erfahrene Ausgrenzung.

Als ich heute um 12:00 h das Radio anstellte in der Hoffnung, den Presseclub zu hören, dachte ich, eine leiernde Platte, die zu langsam abgespielt wird, mit der Stimme von Margot Käßmann zu hören. Weit gefehlt, rhetorisch eher holprig, ermahnte die Stimme mit vielen Denkpausen, sichtlich von der eigenen Bedeutung angetan, das Land zur Besonnenheit.

Es klang wie die Bewerbungsrede eines untalentierten Kandidaten, der gern Bundespräsident werden möchte. Jetzt kommen ja viele aus der Reserve, seit Monaten köchelt die Gerüchteküche – da kann man es ja mal versuchen. Bei Bohlens Supertalent hätte es aber für die lallende Stimme 3 Ablehnungen gegeben. Aber leider – könnte man sagen – entscheidet nicht Dieter Bohlen, sondern eine 6 Augen-Runde, bestehend aus Seehofer, Gabriel und der Kanzlerin über unser Staatsoberhaupt.

Wir leben ja im Land der Dichter und Denker und die Radio-Einspielung war sehr viel anspruchsloser und rhetorisch weniger inspiriert als die Predigt des jungen neuen Pastors in St.Petri in Neheim-Hüsten, die ich vorher hörte. Der Pfarrer hatte mehr Talent. Umso mehr wunderte es mich, dass es die Live-Übertragung der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016 war, der man im Radio lauschen konnte. Bundespräsident Gauck, Jürgen Habermas und viele andere würdigten die Redende mit ihrer Anwesenheit.

Preise für Intoleranz

Es war Carolin Emcke und der Preis wurde nicht für hohe Literatur oder Publizistik verliehen, sondern für Goodwill. Claus Kleber sowie die Stimme aus dem Off im heute journal betonten, es sei die richtige Frau, die in dieser Zeit für reine Toleranz predige. Schließlich sei sie ja als Lesbe Zeugin für Intoleranz und Opfer von Ausgrenzung. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels scheint also nicht ein Preis für Leistungen zu sein, sondern eine Kompensation für erfahrene Ausgrenzung.

Mir fiel Navid Kermani ein, der auch gern eine Schallplatte auflegt, diese aber nicht mit zu wenig Umdrehungen abspielt. Im Bundestag durfte er sich 2014 über den Artikel 16 des Grundgesetzes echauffieren. Vielleicht hatte Merkel im Herbst 2015 diese Gardinenpredigt im Kopf, als sie sich entschied, sich über den Artikel hinwegzusetzen. 2015 gab es hierfür und sein Buch ungläubiges Staunen ebendiesen Preis, den Frau Emcke heute erhielt. Da Kermani, ebenfalls ein heißer Anwärter für den Posten des Bundespräsidenten, ja in anderen Zeiten rechnet, war es 1393 für ihn. So endet jedenfalls sein prämiertes Buch „ungläubiges Staunen“.

Fragwürdige Kriterien bei der Verleihung

Prinzipiell ist es ärgerlich, wenn nicht publizistische oder literarische Qualität, sondern persönliche Erfahrung von Diskriminierung zum Kriterium der Preiswürdigkeit werden – und zwar nicht auf Feld-, Wald- und Wiesen-Niveau, sondern auf der höchsten Ebene. Kermani wusste bereits früh, auf welche Knöpfe er zu drücken hatte. Da jetzt 10 Jahre Islamkonferenz gefeiert werden, kam es zu Rückblenden mit Bildern im TV.

Kermani kniete 2006 neben dem damaligen Innenminister Schäuble wie ein Schulstreber, der sich heranmacht, um die 1 im Zeugnis klarzumachen. Ginge es wirklich nach Talent und Fähigkeit, hätten Emcke und Kermani den Preis nicht erhalten, wie ich vermute.

Es ist ein bisschen eine affirmative action, eine Wiedergutmachung. Das dezent-penetrante Betonen, man gehöre einer schützenswerten Minderheit an, die permanent diskriminiert werde, hievt einen in den Kreis der Kandidaten. Dumm nur für alte weiße Männer.

Im herrlichen Film 21 von 2008, in dem neben Kevin Spacey Jim Sturgess einen Studenten verkörpert, der sich in Harvard um ein Vollstipendium bewirbt, bekommt er den Satz von der Kommission zu hören: „Letztes Jahr hat ein nordkoreanischer Beinamputierter das Stipendium erhalten – vielleicht sollten Sie sich mal überlegen, was sie uns dergleichen anzubieten hätten“.

Carolin Emcke und Navid Kermani haben in diesem Sinne aus ihren Möglichkeiten das Optimum herausgeholt.

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