Bundeskanzler Bouffier

von Hans-Martin Esser3.09.2016Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Gute Aussichten auf das Amt des Bundeskanzlers 2017 hat der Hesse Volker Bouffier. Er wäre zumindest eine gute Übergangslösung

Mit dem 31.8 endet traditionell im europäischen Fußball die Transferperiode. Am 31.8 sagte letztes Jahr die Bundeskanzlerin, dass wir es schaffen. Vor genau 6 Jahren – am 31.8 – wurde Volker Bouffier Ministerpräsident von Hessen. Schon als Jugendlicher spekulierte ich in meiner Fantasie, wer von welchem Verein wohin wechseln würde. Nächstes Jahr werden Wahlen im Bund stattfinden. Die Transferperiode für den Kanzlerkandidaten läuft auf Hochtouren. Für SPD und alle Parteien außer der Union ist es eigentlich Unsinn, einen Kandidaten aufzustellen. Das wird eh nichts.

Seehofer wird kein Kanzler

Angela Merkel wird durch die CSU nicht gestützt, so viel steht fest. Seehofer wird aber seinerseits auch nicht Kanzler, als Kandidat für die Union wird er nicht aufgestellt. Als CSU-Kanzler-Anwärter bekäme er keine Mehrheit, die CDU würde nicht mitmachen.

Es scheint jetzt vollkommen offen zu sein, wer 2017 Kanzler wird. Merkel hat in Berlin praktisch nur ihre Geschöpfe untergebracht, die nach kaum wählbar sein werden.

Ursula von der Leyen sieht man ihre Ambitionen an, seit Jahren läuft sie – ähnlich wie dies in der SPD Heiko Maas tut – zu offensichtlich ihr eigenes Rennen, profiliert sich auf Kosten ihrer Kollegen.

Außerdem folgt auf Merkel keine Frau, davon bin ich überzeugt. Wolfgang Schäuble ist erstens zu alt, zweitens kein Wahlkämpfer und drittens auch zu nah an Merkel. De Maizière ist auch kein Wahlkämpfer, wirkt bisweilen unbeholfen. Der Kandidat, der die Union eint, den Schaden, den Merkel der EU zugefügt hatte, wieder behebt und als ausgewiesener Wahlkämpfer gilt, wird also weder von der CSU kommen noch ein Berliner CDUler sein. Peter Altmaier, so viel steht fest, wird erst recht nichts werden.

Vieles spricht für Volker Bouffier

Volker Bouffier scheint mir der Mann zu sein, der es wird. Er ist zu alt, um eine Dauerlösung zu sein. Die Triebe, die Merkel stets stutzte, müssen nachwachsen, also die Talente, die nicht zu nah an Mutti waren. Ein alter Mann wie Bouffier wird allenfalls fünf Jahre – von 2016 bis 2021 – im Amt sein. Er regiert ein Bundesland, das gut aufgestellt ist, hat 6 Jahre Führungserfahrung vorzuweisen, war zuvor Innenminister, was heute dem Sicherheitsbedürfnis nachkommt. Frankfurt ist Sitz der EZB und der Hochfinanz, er hat dort Kontakte vorzuweisen.

Die Hessische CDU ist traditionell konservativ. Ein Hesse kann also auch die CSU beeindrucken, zumal die regionale Nähe zu Bayern Brücken baut. Bouffier hatte das Glück, nicht mit oder gegen Angela Merkel Wahlen bestreiten zu müssen. Er kann recht glaubhaft machen, dass er diese Frau noch nie im Leben gesehen hat… Scherz beiseite.

Das hat alle CDU-Landespolitiker zerlegt, sich irgendwie zu Merkel positionieren zu müssen. Bouffier wirkt leutselig. Er hat es auch hinbekommen, mit den Grünen in Hessen eine Koalition zu basteln.
Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Koch hat er keine zu offensichtlichen Ambitionen auf höhere Weihen, wobei Hessen nicht als abgelegene Provinz gilt oder als Zwerg wie das Saarland, was Kramp-Karrenbauer aus dem Rennen wirft. Vieles spricht für Bouffier. Er wird zwar als Bundespräsident ins Gespräch gebracht, was beweist, dass er mehrheitsfähig ist, nur wird er am Ende Kanzler werden. Wetten dass?

P.S: Es fällt auf, wie viele Innenminister in Deutschland offensichtlich hugenottischer Abstammung sind – Caffier, Bouillon, de Maizière und früher auch Bouffier.

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