Die Regierung befriedigt Klientelinteressen. Hugo Müller-Vogg

Fünf politische Gegner, bei denen sich die AfD bedanken kann

Die AfD kann sich bei fünf politischen Gegnern bedanken. Bei den Autonomen, bei Talkshowgästen aus dem politischen Mainstream, bei den Medienvertretern, den Kabarettisten und zuletzt bei Oliver Welke.

Die AfD kann sich zurzeit bei 5 politischen Gegnern bedanken: Erstens bei den Autonomen, die ihren Parteitag mit aggressiven Parolen „Flüchtlinge bleiben, Nazis vertreiben – wir kriegen Euch alle“ begleiten. Diese Aussagen demonstrieren bei den Autonomen ein so merkwürdiges Demokratieverständnis, dass die AfD gar als normale Partei dagegen durchgeht, sie wird in Radikalität übertroffen von den Demonstrierenden, das macht die Partei in den Augen einiger Wähler harmloser, sie kann sich dann als Opfer gerieren. Wenn man der Partei das Wasser wirklich abgraben wollte, könnte man sich kaum dümmer anstellen.
Zweitens: auch versierte, intelligente Talkshow-Gäste wie Gregor Gysi und Ursula von der Leyen tappen regelmäßig in die Falle, wenn ihnen Beatrix von Storch und Frauke Petry gegenübersitzen. Werden die beiden AfD-Frauen mit aggressiven Sätzen angegriffen, die deren Reflexion und Intelligenz infrage stellen, haben die Unentschlossen unter den Wählern – und davon gibt es heute mehr denn je – Mitleid mit den Frauen. Nicht umsonst hat die AfD 2 Frauen in die erste Reihe gestellt. Wer Frauen angreift – und sei es in Talkshows – tut sich keinen Gefallen. Man kann dies Merkel-Effekt nennen. Steinbrück, einem inzwischen vergessenen SPD-Mann, tat es im Wahlkampf 2013 auch nicht gut, die Kanzlerin anzugehen.

Die AFD besetzt die Rollen recht überzeugend

Meuthen wirkt gemäßigt, ihn greift man auch nicht so an, das Reflexionsniveau eines Professors infrage zu stellen, wäre auch eher albern. Übrigens beteuert er, sich der AfD aus Solidarität mit Bernd Lucke angeschlossen zu haben, da er von Wolfgang Schäuble 2013 unsachlich und von oben herab angegangen wurde. Meuthen liefert damit ein Rollenmodell eines AfD-Sympathisanten, der den demokratischen Diskurs vermisst. Gauland wirkt wie ein gebildeter, gediegener älterer Herr, der sich Sorgen macht, oder er spielt zumindest die Rolle recht überzeugend. Das ist alles Strategie der AfD. Sie macht sich mit dem Personal unangreifbar.
In der personellen Zusammensetzung ist die Partei sehr geschickt. Angriffe, die oft hysterisch vorgetragen werden, laufen ins Leere oder bewirken das Gegenteil. Auch Verbissenheit bringt nichts: wenn Ralf Stegner und anderen Politikern die Galle überläuft, ist das nicht Ausdruck von Souveränität, sondern von Panik. Prozentuell liegen SPD und AfD ja beinahe gleichauf. Ein Politiker wie Elmar Brok von der CDU, den viele Zuschauer nicht einmal namentlich kennen, sitzt bei Sandra Maischberger und sagt, Volksentscheide seien nicht gut, man sehe ja in den Niederlanden und England, was dabei herauskomme. Mehr Wahlkampfhilfe für AfD geht nicht. Es war der größtmögliche Fauxpas, offenbart er doch jedes Klischee vom uninteressierten Politiker in Brüssel. Bei Politikern wie Brok weiß man, wie Sätze entstehen können im Sinne von „Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa.“

Die Wut nimmt schon fast zwangsneurotische Züge an

Drittens: auch Medienvertreter stellen sich im Fall AfD ungeschickt an. Wenn ich mein GMX-Postfach öffne, sind stets die neuesten Meldungen zu lesen. Nicht nur der Internet-Anbieter, auch fast alle Printmedien meinen, die Wähler „aufklären“ zu müssen über die Partei, um sie zu entlarven. Entlarven ist ein undemokratisches Wort, offenbart es doch die Anmaßung, mehr zu wissen als Wähler. Journalisten sind keine klügeren Menschen und meinen sie dies, haben sie schon verloren. Es nimmt bei GMX fast schon zwangsneurotische Züge an, diese Wut, der AfD anti-demokratischer Gesinnung nachzuweisen. Auch das treibt die Unentschlossenen in die Arme der Partei, anstatt sie wegzulotsen, kommt mit der Verbotenheit auch ein gewisser Outlaw-Effekt dazu. Allein die Wortwahl ist bisweilen höchst bevormundend, die Häme, mit der weiten Teilen der Wähler Dummheit unterstellt wird. Unbedarft und dumm kann man es nur nennen, so zu formulieren. Titelbilder in Zeitschriften mit überspitzten AfD-Klischees machen die Wählerbeschimpfung nicht besser.
Viertens: auch die Kabarettisten tragen ihren Teil dazu bei, dass die AfD so weit oben steht, man könnte sagen, Priol und Kollegen schaffen sich selbst die Themen, sorgen für eine Nachfrage nach Kabarett, indem sie – vielleicht bewusst – diese Partei durch übertriebene Schmähung stärken. Sie wenden sich an ein eher alterndes, oft verbeamtetes grün wählendes Mittelschichts-Bildungsbürgertum, das seine Klischees genauso gut pflegt wie die AfD ihre eigenen und in der demokratischen Gesinnung keinen Deut besser ist, verachtet man die Anderen ja genauso. Auch hier werden AfD-Wähler als dumm, arm und hartherzig abgemeiert. Sollten Urban Priol und Kollegen im Publikum ein paar Kabarett-Nonkonformisten haben, treiben sie diese mit ihren Sprüchen auch eher in die Arme der Partei.

Die Unentschlossenen neigen dem zu, auf den eingedroschen wird

Fünftens: Oliver Welke, der jenseits von Kabarett, Nachrichten und Politik irgendwo dazwischen steht. Angebote von ihm wie „Wenn die AfD bei einer der kommenden Landtagswahlen (13.März) in einem der Parlamente unter 10 Prozent bleibt, moderiere ich die nächste Sendung nackt“ verfangen nicht, der Mann ist einfach nicht hübsch genug. Oder ein billiger Böhmermann-Abklatsch, der FPÖ-Wähler in Österreich angreifen soll – indirekt damit die AfD-Leute – wirkt unkomisch und untalentiert. Ein aufgewärmter Skandal ist einfach nur peinlich. Das hätte er schon von Didi Hallervorden wissen können. AfD-Wähler, die bei derlei Berichterstattung von Tendenz-Presse sprechen, fühlen sich erstens bestätigt und zweitens werden wieder solche, die unentschlossen sind, der Partei, auf die man so eindrischt, Sympathien zeigen.
Es gilt einfach Folgendes: wollte man der Partei Prozente abnehmen, müsste man mit ihr diskutieren wie mit allen anderen Parteien auch, ihr Unrecht geben, wo sie Unrecht hat und andererseits auch mal in sich gehen und fragen, welche wunden Punkte sie anspricht. In der Art und Weise, wie die medialen und polischen Eliten zurzeit agieren, wundert man sich, wie man mit so viel taktischer und strategischer Inkompetenz überhaupt so weit nach oben kommen konnte. Man könnte beinahe den Verdacht haben, dass die Beteiligten geradezu ein Interesse an der Stärkung der AfD haben, sonst kann man sich so viel ungeschickte Dummheit im Umgang mit der Partei kaum erklären.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Werner Patzelt, Sahra Wagenknecht, Christian Ude.

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