Die SPD sollte sich mal auf ihre Geschichte besinnen

Hans-Jürgen Wünschel11.12.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Der neue SPD-Vorsitzende Walter Bojans sprach von „Glaubwürdigkeit kommt von Standhalten!“ und beschwor die Geschichte seiner Partei. Offenbar hat er einen sehr schlechten Geschichtsunterricht in der Schule gehabt oder er vertraute bisher mehr den tendenziösen SPD-Gazetten als der historischen Forschung. Hat doch die Sozialdemokratie gerade heute wieder bewiesen, dass zwischen Ankündigung und Standhalten ein riesengroßer Unterschied besteht. Nur einige Beispiele aus der deutschen Geschichte der letzten 100 Jahre.

– Noch im Frühjahr 1914 lehnte die SPD rundweg einen Krieg gegen europäische Nachbarn ab, um dann dennoch im Sommer 1914  Kriegskredite zu bewilligen.

– Die SPD sprach 1919 davon, dass die Hand abdorren müsste, die den Versailler Vertrag unterschreibe. Dann setzte ein Sozialdemokrat seine Unterschrift unter das Diktat.

– Gegen den Führer der Nationalen Sozialisten  mobilisierte die SPD in München Genossen, weigerte sich dann aber, Adolf Hitler nach Österreich abzuschieben.

– Die SPD empörte sich im Frühjahr gegen die Regierung der Nationalen Sozialisten, stimmte dann aber am 17. Mai 1933 dem außenpolitischen Programm dieser Partei unter Freudentränen und dem Singen von „Deutschland, Deutschland über alles…“ zu.

– Noch im Wahlkampf 1965 versprach die SPD, nie die Oder-Neiße-Linie anzuerkennen, was sie aber an der Regierung 1970 flugs tat.

– Zur selben Zeit sprach der Führer der Sozialdemokratie, Willy Brandt, von der D“D“R als kommunistisches KZ, doch diesem sprach er bald darauf die Anerkennung als Staat aus.

– Die jetzige Führung versprach das Ende der Großen Koalition und wurde deshalb von über 53% der Mitglieder gewählt, doch heute auf dem Parteitag wurde alles  zerredet. Die bequemen und zu gut bezahlten Sessel der Macht sind halt doch angenehmer als die harten Bänke der Wahrheit und Glaubwürdigkeit. Weshalb das von den beiden Siegern  im internen Wahlkampf gegebene Versprechen wieder im Papierkorb der SPD landete. Sieht so Glaubwürdigkeit und Standhaftigkeit aus?

 

 

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