Der Osterhase ist unschuldig

von Hans-Josef Fell26.04.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Wirtschaft

Wir müssen unsere Wirtschaft auf erneuerbare Energien umstellen. Denn in nicht allzu ferner Zukunft wird Öl viel zu teuer sein, um damit noch Milliarden von Autos zu betanken.

Die Benzinpreise, aber auch die Heizöl- und Dieselpreise sind auf einem Rekordniveau. Und wie zu jedem Osterfest, wurde auch in diesem Jahr der Reiseverkehr zu Ostern für die Kostenexplosion verantwortlich gemacht. Doch der Rohölpreis richtet sich nicht nach deutschen oder europäischen Ferienzeiten. Ostern hat mit dieser Entwicklung nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die Rohölpreise folgen dem ökonomischen Grundgesetz, wonach das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis bestimmt. Die weltweite Rohölnachfrage steigt weiter unvermittelt, während die Rohölförderung stagniert. Eine kleine Fördersteigerung gab es lediglich durch unkonventionelle, aber sehr teure und ökologisch besonders schädliche Tiefseeöle und Ölsande aus Kanada.

Warnung vor Peak Oil

Die Energy Watch Group hat den Peak Oil für das Crude Oil, also das leicht gewinnbare Erdöl, somit also die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion, auf das Jahr 2006 datiert. Jahre später hat dies auch die Internationale Energie Agentur (IEA) bestätigt und anerkannt. Auch die Bundeswehr hat in einer alarmierenden Studie auf die sicherheitspolitischen Gefahren für Deutschland durch Peak Oil hingewiesen und warnt davor, einfach so weiterzumachen. Da schon die heutige Verknappung den Rohölpreis stabil über 100 Dollar hält (was noch vor wenigen Jahren als Marke für einen Crash der Weltwirtschaft galt), stellt sich die Frage, was passieren wird, wenn die Rohölförderung nicht mehr auf dem jetzigen Niveau stagniert, sondern sogar rückläufig sein wird? Dann müssen wir Rohölpreise weit über 200 oder gar 300 Dollar befürchten. Schon heute steigt die Ölrechnung Europas jährlich massiv an; alleine im Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 280 Milliarden Euro auf 400 Milliarden Euro. Doch die Bundesregierung möchte den hohen Benzinpreis lieber aussitzen und diskutiert Scheinlösungen. Anstatt eine Steuererleichterung für nachhaltige und reine Biokraftstoffe wieder einzuführen oder eine Industriestrategie für die Elektromobilität anzugehen, fordern nun viele in der Regierung die Erhöhung der Pendlerpauschale oder das Senken der Mineralölsteuer. Diese Maßnahmen führen aber lediglich zu einer steigenden Haushaltsverschuldung, aber doch nicht zu einem sinkenden Ölpreis.

Subventionen sind keine Lösung

Es wäre ein Fehler, auf Peak Oil einfach nur mit höheren Subventionen zu reagieren. Weltweit hat die Subventionierung der fossilen Energien zugenommen, von 312 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 auf 409 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010. Der Grund ist die Hoffnung vieler Politiker, soziale Spannungen wegen hoher Energiepreise zu vermeiden. Dies führt aber auf Dauer nur zu höheren Staatsverschuldungen bis hin zu Staatsbankrotten, aber eben nicht zu billigen Spritpreisen. Die einzige Lösung, dieser Preisspirale zu entkommen, ist eine schnelle Strategie weg vom Öl. Dazu muss der Verbrauch sinken, zum Beispiel über Hausdämmungen und regionale Warenkreisläufe. Vor allem aber brauchen wir einen Ersatz für die Nutzung des Erdöls in allen Bereichen: Nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe, Elektrifizierung des Verkehrs mit Ökostrom für Busse, Bahnen und Autos. Auch mit Erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff kann als Antriebsenergie wichtig sein. Zwingend erforderlich ist also die schnelle Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien und die Abkehr vom Erdöl und anderen fossilen Rohstoffen.

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